Vienna-Vize Thomas Mader: 'Das ist nicht unser Stil'

Im Interview mit mit 90minuten.at spricht Vienna-Vizepräsident Thomas Mader über die vergangenen 24 Stunden und warum es noch immer eine Zukunft für die Vienna in Kombination mit Care Energy gibt. Das Gespräch führte Michael Fiala.

 

90minuten.at: Herr Mader, die Vienna hat gestern nicht gerade mit positiven Meldungen geglänzt: Zunächst gab es eine Aussendung des Hauptsponsors im Namen des Vereins, dann eine Entgegnung der Vizepräsidenten. Wie sehen Sie die Entwicklung der vergangenen 24 Stunden?
Thomas Mader: Aus unserer Sicht hat es das Statement der Vizepräsidenten gegeben, weil diese Entscheidung, die Sie angesprochen haben, nicht einvernehmlich im Präsidium getroffen wurde. Das Ziel des Vereins und des Sponsors war der Aufstieg, deshalb gab es im Winter auch die entsprechenden Verstärkungen in Absprache mit dem Hauptsponsor. Auch in der Präsidiumssitzung am 22. Februar war der Plan noch voll aufrecht und die Lizenz und die notwendige Bankgarantie wurden nicht in Frage gestellt.

 

Warum ist es dann gestern so gekommen?
Die Ereignisse haben sich überstürzt. Es gab letztens noch Gespräche auch noch nach dem Schwechat-Match, um die notwendige Bankgarantie doch noch zu bekommen. Leider ohne Erfolg, wie man gestern gesehen hat.

 

Die Erklärung von Ihnen und Ihren Präsidiums-Kollegen ist mittlerweile offline (siehe Bild). Warum?
Das ist vom Präsidenten ausgegangen.

 

(Screenshot First Vienna FC - Stellungnahme mittlerweile offline)

 

Gibt es überhaupt noch eine gemeinsame Basis im Präsidium? Das Porzellan ist doch zerschlagen?
Das sehe ich nicht so. Wir müssen jetzt alle im Sinne der Vienna eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen und die Zukunft des Klubs gestalten.

 

Aber diese Entgegnung hat doch gezeigt, dass das Präsidium nicht mehr an einem Strang zieht?
Uns war es nur wichtig, dass es nicht den Anschein hat, dass wir die Fans und die Mannschaft belogen haben, daher haben wir uns öffentlich zu Wort gemeldet.

 

Sie glauben also an eine gemeinsame Zukunft der Vienna in dieser Konstellation?
Ich denke schon. Die Basis ist der Verein. Jeder Einzelne, der im Präsidium sitzt, ist daran interessiert, dass der Verein vorankommt. Das muss jetzt im Vordergrund stehen.

 


Die letzten 24 Stunden waren aber nicht gerade eine Werbung für den Klub bzw. für potenzielle Sponsoren, oder?
Da gebe ich Ihnen Recht. Es war aber dennoch so wichtig, diese Aussendung zu machen, weil diese Entwicklung nicht im Sinne des Vereins passiert ist. Es kann nicht sein, dass man auf andere Vereine oder die Politik losgeht. Das ist nicht unser Stil. Wir haben jetzt mehrere Jahre probiert, Sponsoren zu gewinnen, auch die Stadt hat uns unterstützt, etwa mit dem Kunstrasenplatz oder dem neuen Rasenplatz, der uns zugesagt wurde. Dieser Rundumschlag war nicht notwendig.

 

Gibt es eine Zukunft gemeinsam mit Care Energy?
Wir müssen so schnell wie möglich an einem Tisch, um die Zukunft der Vienna zu gestalten. Wir brauchen eine schlagkräftige Mannschaft, auch wenn wir sicher nicht mehr so ein Budget wie heuer zustande bringen, denn dieses Jahr war es außerordentlich hoch.

 

Der Frage nach der Zukunft von Care Energy sind Sie jetzt aber ausgewichen. Immerhin hat der Sponsor gestern eine Aussendung im Namen des Klubs gemacht. Wie soll das in Zukunft funktionieren?
Wir können den Hauptsponsor nicht daran hindern, eine Presseaussendung zu verschicken. Wenn diese aber nicht den Vorstellungen des Präsidiums entspricht, kommt es eben zu dieser Stellungnahme. Ich wiederhole mich: Wir müssen uns an einen Tisch setzen.

 

Es gibt also keinen kompletten Bruch zwischen Sponsor, Präsidenten und dem Rest des Präsidiums?
Es gibt keinen kompletten Bruch. Es muss ich auch an dieser Stelle sagen: Care Energy hat über 3,6 Mio. Euro investiert, die Schulden des Klubs abgebaut und viel für die Infrastruktur getan. Das darf man nicht vergessen. Wer weiß, wo die Vienna heute wären, wenn es die Familie Kristek nicht geben würde.

 

Aber was muss man aus diesem Fiasko lernen?
Eines ist auch klar: Die Vienna muss sich breiter aufstellen, das wird unser Szenario für die Zukunft sein. Ich sehe in der jetzigen Situation keinen unüberwindbaren Bruch zwischen Sponsor und Präsidium. Jeder einzelnen Person liegt der Verein am Herzen.

 

Haben Sie mit Präsident Kristek in den letzten 24 Stunden bereits Kontakt gehabt?
Ich persönlich nicht, aber andere Präsidiumsmitglieder schon.

 

Das Fazit dieser Gespräche?
Wir müssen dieses Thema wie erwachsene Menschen ausdiskutieren, auch wenn es Meinungsunterschiede gibt. Es geht um den Vereine, persönliche Befindlichtkeiten müssen hintenangestellt werden. Es sind jetzt keine Emotionen gefragt, jetzt ist ein Management gefragt, um die Zukunft zu sichern.

 

Ist der Verein für dieses Szenario, das Sie beschrieben haben, professionell genug aufgestellt?
Personell haben wir uns in diesem Jahr zum Guten verändert und es ist sehr viel passiert. Da sind wir jedenfalls auf dem richtigen Weg. In jeder Familie gibt es auch einmal einen Streit, deswegen geht die Familie aber nicht auseinander.

 

Gibt es Anzeichen von Care Energy, das Engagement zu beenden?
Nein, aus jetziger Sicht nicht.

Danke für das Gespräch!