Raphael Landthaler: ‚Rapid hat bei der Wirtschaft wieder an Vertrauen gewonnen‘

Drei Millionen Euro hat Rapid über die Crowd-Investion-Aktion invesTOR innerhalb kürzester Zeit lukriert. Damit haben die Hütteldorfer nicht nur den bisherigen Rekord pulverisiert, sondern auch wertvolle Arbeit für das Business-Image von Rapid geleistet.

 

Hinweis: Das Thema Crowd Investing wird auch im Rahmen von Sport & Marke 2016 im Rahmen einer Keynote von Raphael Landthaler behandelt (siehe Homepage von Sport & Marke).

 

Rapid hat es innerhalb relativ kurzer Zeit geschafft, drei Millionen Euro über Crowd Investing zu lukrieren. Was waren zusammenfassend die Gründe, die dafür gesprochen haben, dieses Modell zu wählen?
Raphael Landthaler: Wir haben schon bei den Kreditverhandlungen gesagt, dass wir einen Teil der notwendigen Finanzierung über so etwas wie eine Fananleihe machen wollen. Es gab parallel zu diesen Überlegungen die Gesetzesinitiative zum Thema Crowd Investing, die im Juni 2015 dann vorgelegt wurde. Das Gesetz wurde mit 1. September wirksam. Parallel dazu haben wir bereits beschlossen, diesen modernen Weg zu gehen und eben nicht eine Anleihe anzubieten, bei der die Emission teurer gekommen und auch das Image verstaubter gewesen wäre.

 

Ist das Modell über Crowdfunding insgesamt auf jeden Fall „günstiger“ für Rapid als in der gleichen Höhe einen Kredit aufzunehmen oder hängt das schlussendlich auch davon ab, ob Rapid in den kommenden Jahren international vertreten ist und es in diesem Fall Bonuszinsen gibt?
Wie Sie schon erwähnt haben, gibt es beim Crowd Investing variable Bestandteile wie die Bonuszinsen bei der Qualifikation zur Europa oder Champions League. In diesem Fall kann Rapid aber auch mit deutlich mehr Umsatz rechnen im Gegensatz zum Gewinn der Meisterschaft, weil für diesen Titel gibt es isoliert gesehen keine höheren TV-Gelder oder Ähnliches, wie es in anderen Ländern schon der Fall ist. Dh. bei internationalen Erfolgen schütten wir mehr Zinsen aus, was wir dann aber auch gerne machen. Im Vergleich dazu sind die Zinsen für einen Kredit derzeit auf sehr niedrigem Niveau, die sich am Euribor orientieren. Bei einer Laufzeit von neun Jahren kann sich das aber auch ändern.

 

Aber kann man abgekürzt sagen, dass ein Kredit günstiger gewesen wäre?
Vorweg möchte ich sagen, dass unser Business Case für die Stadionrefinanzierung ohne Teilnahme an der Europa und Champions League geplant wurde. Da hat es schon andere Beispiele in Österreich gegeben, die weniger gut ausgegangen sind. Sollte Rapid sich in den kommenden Jahren nur sehr selten für einen internationalen Bewerb qualifizieren, ist das Crowd Investing günstiger. Für den Fall, was wir sehr hoffen, dass wir möglichst oft Europa League oder gar Champions League spielen, wäre der Kredit – wenn man den jetzigen Zinssatz betrachtet – günstiger gewesen.

 

Welchen Anteil hat Conda, die das Crowd Investing durchgeführt haben, von den drei Millionen Euro bekommen?
Wir haben das individuell verhandelt. Normalerweise verlangt Conda hier einen gewissen Prozentsatz. Ein Teil unseres Deals war aber auch ein Sponsoring bei Rapid. Generell hat die gemeinsam Aktion mit Rapid dem Unternehmen eine große mediale Aufmerksamkeit verschafft. Genaue Zahlen, was Conda dann im Endeffekt bekommen hat, kann ich aber nicht nennen, weil das der Verschwiegenheitspflicht unterliegt.

 


Insgesamt haben knapp 1.500 Personen investiert. Welche statistischen Highlights gibt es?
Der am häufigsten investierte Betrag war 500 Euro – und zwar von 550 Personen. Interessant war auch zu sehen, dass 87% der investierten Beträge genau an den Schwellen der verschiedenen Goodie-Stufen gewählt wurden. Rapid hat verschiedene Goodies für verschiedene Betragshöhen angeboten. Das ist auch ein Zeichen, dass dies gut angenommen wurde.

 

Und wie sieht es im „oberen“ Investitionsbereich aus? Welche einzelnen hohen Beträge konnte Rapid durch das Crowd Investing lukrieren?
82 Personen haben 10.000 Euro oder mehr investiert. Von dieser Gruppe kamen insgesamt 923.000 Euro.

 

Ein wichtiges Thema bei einem Investment ist die Beratung. Crowd Investing im Internet funktioniert mit wenigen Klicks. Wie ist Rapid dieses heikle Thema angeganen?
Wir haben aus unserer Sicht alles sehr offensiv kommuniziert, auch dass es natürlich Risiken gibt und der Totalverlust möglich ist. Es wurde zudem ein geprüftes Kapitalmarktprospekt mit einem Umfang von 82 Seiten aufgelegt. Generell setzen wir beim Thema Finanzen seit einigen Jahren auf volle Transparenz, wie auch der Geschäftsbericht des SK Rapid zeigt. Das ist die Grundlage für Vertrauen, das Rapid auch beim Thema Finanzen wiedergewonnen hat. Das war für den Erfolg des Crowd Investing ein wesentlicher Faktor.

 

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat Rapid im nationalen Bewerb ein dickes Minus Jahr für Jahr produziert. Das heißt aus Ihrer Sicht, dass eine derartige Aktion vor drei, vier Jahren wohl nicht so gut funktioniert hätte?
Es ist vor allem die Story, die dahinter steckt, die das Projekt so erfolgreich gemacht hat. Es war eine Investition in Steine und nicht in Beine. Ein Crowd Investing in einen argentinischen Stürmer hätte sicher nicht funktioniert. Das Thema Stadion ist nachhaltig und schafft auch für Rapid neue Erlöspotenziale, wir haben einen Naming Right Partner, etc. Das ist eine neue wirtschaftliche Dimension für Rapid.

 

Haben eigentlich viele Investoren vom Rücktrittsrecht Gebrauch gemacht?
Das war nur sehr marginal zu merken. Einige haben den Betrag korrigieren lassen, weil sie sich vertippt haben, einige wenige haben dann nicht eingezahlt.

 

Abgesehen von der alternativen Finanzierung dieses Betrags, welchen Nutzen hat Rapid durch Crowd Investing noch erzielen können?
Das mediale Gewitter im positiven Sinn war enorm. Wir waren in der ZIB2, in vielen TV-Sendungen im Wirtschaftsbereich zu sehen. Unser Vertrieb hat diesen positiven Rückenwind wahrgenommen, wenn es darum geht, Business-Logen zu verkaufen oder Rapid als Partner der Wirtschaft zu positionieren. Das war eine perfekte Image-Kampagne. Was auch noch für uns sehr interessant zu sehen war, ist die Tatsache, dass fast 50% der Crowd-Investoren bisher nicht in unserer Datenbank waren. Das sind neue, hochwertige Kontakte für Rapid.

 

Danke für das Interview!

 

Hinweis: Raphael Landthaler wird am Kongress Sport + Marke in Wien (90minuten.at ist Medienpartner) ausführlich über das Thema Crowd Investing sprechen.

 

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