Peter Schöttel: ‚ Es ist so ähnlich wie das, was mir bei Rapid vorgeworfen wurde ‘

Zehn Spiele, zwei Punkte, letzter Tabellenplatz. Kein Wunder, dass der SV Grödig laut diversen Medienberichten darüber nachgedacht hat, Peter Schöttel abzulösen. Doch so falsch ist der Weg nicht, meint der in der Kritik stehende Trainer im Interview mit 9

 

90minuten.at: Sie sind noch immer Grödig-Trainer, auch wenn in diversen Medien davon gesprochen wurde, man wolle Sie ablösen. Das ist vom Verein verständlich, haben Sie auch darüber nachgedacht?
Peter Schöttel: Das hatte mit meiner Einstellung nichts zu tun. Für mich war klar, dass ich gerne Trainer bleibe. Der Verein hat natürlich nachgedacht, ob es ein anderer machen sollte. Sie haben es abgewogen und entschieden, dass ich Trainer bleiben sollte. Ich bin gern Coach dieser Mannschaft.

 

Grödig steht nicht grundlos hinten, seit der 18. Runde hat Ihr Team gerade einmal zwei Punkte gesammelt. Sagen Sie trotzdem, dass die grundsätzliche Richtung stimmt?
Das sehe ich schon so. Man muss als Trainer immer Leistung und Ergebnis sehen. Die Ergebnisse zählen, die Tabelle lügt nicht. Es hat sich in den letzten zehn Spielen so entwickelt. Wir wurden ein- und überholt.

 

Grödig war auch von Lucas Venuto abhängig. Denken Sie, dass Ihre Taktik nun passt?
Man muss als Trainer immer Ergebnis und Leistung trennen. Ich denke sehr viel nach, was nun anders ist als im Herbst. Wir schießen keine Tore mehr. Im Herbst waren wir sehr effizient, haben oft geführt. Da spielt man leichter Fußball. Und dann gelingt es uns nicht, die Null zu halten und Siege wie in Ried einzufahren. Das gelingt uns nicht. Wenn es so ist wie gegen Altach, dass bei einem Tor drei, vier Regelverstöße sind, verlieren wir, ohne dass der Gegner besonders stark gewesen wäre. Es kommt dann alles zusammen. Es mag auch sein, dass wir im Herbst ein bisserl über unsere Verhältnisse gespielt haben. Aus meiner Sicht fehlt die Effizienz, die Leichtigkeit, das Selbstvertrauen. Es gibt natürlich auch viele, die das erste Mal in dieser Situation sind.

 

Der Roman ist halt ein Individualist. Er ist mit seinen 34 Jahren so, wie er immer war. Bei gruppentaktischen G'schichten ist er aber ein bisschen schwierig mit einzubinden.< /div>< /div>

 

Die Admira hat ein Torverhältnis von 35:40, Grödig von 32:45, steht aber ganz wo anders. Ist das wirklich nur die Effizienz?
Reden wir von den letzten zehn Runden. Da haben wir nur sechs Tore erzielt und die zumeist in den letzten Minuten. Wir waren nur im Happel-Stadion in Führung. Ich will aber noch einmal sagen, dass es für viele die erste Saison in der obersten Liga ist. Das beginnt schon bei den Torhütern. Wir haben drei Torhüter, keine klare Nummer eins, die alle Potential haben, ihre Bundesligatauglichkeit bewiesen haben, aber da hat noch keiner vorher Bundesliga gespielt gehabt, im Gegensatz zur Konkurrenz. Und wir haben Schlüsselspieler, für die sowieso alles neu ist. Rasner spielt immer von Start weg auf einer zentralen Position, Derflinger spielt immer, wenn er fit ist, auch auf einer wichtigen Position. Zuletzt hat sich auch Baumgartner in die Mannschaft gespielt. Das haben wir nie betont, unser Weg, den wir gehen und gehen müssen, auch verfolgt wird. Natürlich sollte aber am Ende der Klassenerhalt heraus schauen.

 

Die Statistik gibt Ihnen insofern Recht, kein Klub kann so viele U21-Einsatzminuten verzeichnen. Da drängt sich die Frage auf, wie zufrieden Sie mit den erfahrenen Spielern sind?
Das ist ein schwieriges Thema. Wir haben mit dem Roman Wallner und mit dem Strobl Pepi zwei Spieler über 30, dann gibt es mit Pichler und Sulimani zwei, die schon etwas erlebt haben. Den Roman haben wir aus der Amateurmannschaft wieder rauf geholt. Der Roman ist halt ein Individualist. Er ist mit seinen 34 Jahren so, wie er immer war. Bei gruppentaktischen G'schichten ist er aber ein bisschen schwierig mit einzubinden. Darum hat er bei mir oft die Jokerrolle, auch weil er sehr schnell ins Spiel findet. Man sieht ja, dass die anderen auch nicht immer spielen. Das ist alles sehr eng. Generell habe ich eine Mannschaft, in der das Niveau sehr eng beisammen ist. Da schaue ich schon auf die Tagesverfassung und Trainingsperformance, um den Kader bei Laune zu halten. Wir haben keine klare Startelf und wir als Grödig müssen uns in ein paar Spielen schon auch drum kümmern, was der Gegner macht. Manchmal ein Schneller vorne, manchmal ein Robuster. Es bemühen sich alle, es lässt sich keiner hängen. Die Routiniers sind Teil des Ganzen; aber vom einen oder anderen hätte ich mir mehr erhofft.

 


Von vielen guten Mannschaften wissen wir, dass es wenig Fluktuation in der Startelf gibt. Haben Sie diese Elf nicht gefunden oder ist es Ihre Philosophie, sich mehr auf den Gegner einzustellen, mehr zu ändern?
Das ist eine gute Frage. Schlussendlich kann man sagen, dass ich diese fixe Startelf offenbar nicht gefunden habe, nicht 100 Prozent zufrieden war. Gegen Ried und Sturm haben wir die Heimspiele gewonnen, da werde ich nicht viel gewechselt haben. Das Gute aber jetzt ist, dass keiner über dem anderen steht. Sie können schon Recht haben, dass ich mich sehr um den Gegner kümmere. Aber wir sind Grödig und das kann man mit Dortmund oder der Austria nicht vergleichen. Aber am liebsten wäre mir, es würden immer dieselben Elf spielen und die Stimmung im Kader wäre trotzdem super, weil wir alles gewinnen. Wir haben eben immer wieder Phasen gehabt, in denen wir viele Tore bekommen haben oder keine Chancen erspielt haben. Da meinte ich wohl, dass ich etwas verändern müsste. Das kann man mir, wenn man will, vorwerfen. Ich sehe es eher so, dass ich viel probiert habe, um die Situation zu verbessern. Die eh schwierig ist.

 

Wir haben in meinen Augen nicht die Mannschaft, um so einen Fußball zu spielen wie Adi Hütter.< /div>< /div>

 

Ich möchte mir da jetzt selbst ein bisschen widersprechen: Einerseits kann man in Zeiten der Dreipunkteregel sechs Punkte durchaus flott aufholen, andererseits fragt man als Journalisten den, der nicht rotiert, warum er das nicht tut?
Es ist eh immer so, dass nachgefragt wird, wenn kein Erfolg da ist. Theoretisch kann es auch sein, dass man mir, sollte ich immer mit einer Stammelf spielen, vorwirft, ich hätte ja noch den oder den auf der Bank. Du bist immer angreifbar, wenn du die Ergebnisse nicht bringst. Jetzt sind wir in der Situation, wo uns alle abgeschrieben haben. Ich bin dennoch der Meinung, dass die Tabelle nicht unsere Leistung widerspiegelt. Unsere zehn Spiele mit nur zwei Punkten bilden nicht das ab, was auf dem Platz war. Klar waren wir in manchen Spielen schlecht. Aber egal wie und mit wem wir spielen, haben wir gegen jeden Gegner unsere Chancen. Im Herbst waren wir effizient, jetzt treffen wir das Tor nicht.

 

Adi Hütter hat sehr offensiv spielen lassen, Michi Baur hat es auch versucht. Sie bevorzugen eine defensivere Grundordnung. Macht das auch etwas im Kopf der Spieler, wenn man eher defensiv in ein Spiel geht?
Das ist wieder so ein Thema, das kommt, wenn du hinten drin bist. Ich sehe das Spiel nicht als defensiv, sondern als gut organisiert. Mir ist Organisation wichtig. Begeisternden Offensivfußball bei Adi Hütter habe ich gesehen. Das war schön zum Anschauen, aber man muss auch schauen, wer zu der Zeit da gespielt hat und auch, wie die Saison war. Sie haben über 70 Tore bekommen und sind trotzdem Dritter geworden. Das ist halt auch einmal so und hat funktioniert. Es ist so ähnlich wie das, was mir bei Rapid vorgeworfen wurde. Als ich Trainer wurde, haben wir uns einmal alle Gegentore angeschaut. Da haben sie 50 Gegentore bekommen, davon wurde 20 Mal alleine von der Mittelauflage aufs Tor gelaufen. Das kann ich überhaupt nicht leiden. Natürlich baust du das Fundament, dass du gut stehst. Aus diesem System, das wir haben, innerhalb dessen wir uns bewegen, von Haus aus viele Möglichkeiten haben. Der Gegner kann uns wenig überraschen. Es geht darum, was du daraus machst. Wir haben in meinen Augen nicht die Mannschaft, um so einen Fußball zu spielen wie Adi Hütter. Im Herbst haben wir auch nicht von Abstiegskampf geredet. Da war das Team wohl auch überzeugter von dem, was wir tun. Jetzt ist der Stress ein anderer. Wir stehen ja nur im Blickpunkt, weil wir sechs Punkte hinten sind. Ansonsten lässt uns die Öffentlichkeit ja in Ruhe. Es kommt bei unseren Siegen dann meistens so rüber, als ob die anderen so schlecht waren. Das ist halt auch das Los eines kleinen Vereins.

 

Aber wenn du jedes Mal bis zum Schluss knapp dran bist und dann immer mit leeren Händen dastehst, muss man etwas verändern. Was, werde ich jetzt hier nicht sagen. (..) Der Sieg gegen Sturm wird den Knoten lösen.< /div>< /div>

 

Schlüsselspieler sind immer ein Thema. Wie bewerten Sie die Wichtigkeit von Spielern wie Lucas Venuto?
Ich glaube nicht, dass es ein großes Problem ist. Hier sind sehr viele, die auch diesen Weg gehen wollen. Klar tut es mir als Trainer weh, dass er weg ist. Aber er hat sich in diesem halben Jahr so gesteigert. Ich sehe noch weitere Spieler, denen dieser Schritt auch gelingen kann. Jetzt haben wir Reagy Ofosu geholt, der ist noch schneller als Venuto. Aber wir tun uns schwer, ihn einzusetzen. Auch ein Benjamin Sulimani und ein Daniel Schütz haben enormes Potential. Wir haben in jedem U21-Teamkader fünf oder sechs Spieler im Großkader. Da sieht man das Potential unserer Mannschaft. Wir sind von der Erfahrung her hinter den anderen und bei der Robustheit und körperlichen Größe sind wir weit hinter allen anderen. Das ist kein Geheimnis, das wissen eh alle. Da muss man als Trainer Kompromisse eingehen. Wenn ich mit meinen Besten spiele, habe ich nur wenige die über 1,80 Meter groß sind. Da will ich nicht dran denken, was gegen Mattersburg oder Altach los ist. Wir haben den Kader im Sommer in kürzester Zeit zusammengestellt. Christian Haas hat gesagt, welche Spieler möglich wären. Im jetzigen Wissen, wie sich alles entwickelt hat - hätte ich den einen oder anderen noch dazu gekommen. Die Qualität passt gut, aber es ist nun einmal die Situation, wie sie ist. Bei Wolfsberg oder auch in Ried hatten das etliche schon. Bei uns ist das bei vielen neu.

 


Sie wirken reflektiert. Müssen Sie nun radikal umbauen, um die Klasse zu halten?
Darüber kann man nachdenken. Natürlich werden wir etwas verändern. Aber es gibt zwei, drei Mannschaften, die sind um nichts besser als wir. Aber wenn du jedes Mal bis zum Schluss knapp dran bist und dann immer mit leeren Händen dastehst, muss man etwas verändern. Was, werde ich jetzt hier nicht sagen.

 

Aber zu Tode gefurchten ist auch gestorben.
Ja, aber für mich ist Organisation sehr wichtig, auch für Automatismen. Aber nach vorne müssen wir unser Potential ausschöpfen. Wenn wir keine Tore schießen, werden wir absteigen. Das soll aber keine Floskel sein, ich will nichts beschwören, aber wir laufen dem Erfolgserlebnis seit Wochen hinter her und es ist schwierig, weil man Woche für Woche Spannung aufbaut. Dann kommt das Erfolgserlebnis nicht. Das ist für mich als Trainer und für die Spieler schwierig. Der Sieg gegen Sturm wird den Knoten lösen.

Wir danken für das Gespräch!