Johann Gartner: ‚Die Ligenreform darf keine Kindesweglegung werden‘

Vor wenigen Wochen wurde Johann Gartner nach einer vierjährigen Pause abermals zum Präsident des Niederösterreichischen Fußballverbands gewählt. Im Interview mit 90minuten.at spricht er über eine nicht geplante Präsidentschaft, seine Vorstellungen zur Lig

 

90minuten.at: Sie wurden zum neuen Präsidenten des niederösterreichischen Fußballverbands gewählt. Was hat Sie dazu bewogen, gegen Hrn. Binder anzutreten?
Johann Gartner: Es war eigentlich in meiner Lebensplanung nicht vorgesehen. Bei den Hauptgruppensitzungen habe ich im vergangenen Jahr jedoch eine gewisse Stimmung mitbekommen. Gleichzeitig sind die Vereine an mich herangetreten, ob ich es noch einmal machen möchte.

 

Wie war Ihre Reaktion auf diese Anfragen?
Ich habe ihnen schon gesagt: Leute, hättet ihr euch das nicht vier Jahre früher überlegen können (Anm. d. Redaktion: Vor vier Jahren wurde Johann Gartner – nach 10-jähriger Amtszeit - von Ludwig Binder abgelöst). Aufgrund der Tatsache, dass dann aber relativ rasch über 20 Unterstützungserklärungen (Anm. der Redaktion: 15 waren erforderlich) eingetroffen sind, habe ich mich bereit erklärt, obwohl ich damals eigentlich gerade mit Gallensteinen zur Operation im Spital gelegen bin.

 

Inhaltlich unterscheiden Sie sich eigentlich wenig von Vorgänger Binder. Es ging Ihnen also rein um den Ton bzw. die Stimmung im Verband?
Die Vereine haben mich angesprochen, dass man innerhalb des Verbands nicht offen kommunizieren kann. Das hat mich überrascht. Jeder kann eine andere Meinung haben, im Endeffekt entscheidet sowieso die Mehrheit. Ich kann auch nicht nur für eine Region eine Entscheidung treffen, die für andere Regionen nicht tragbar sind. Das waren die Gründe für mich, noch einmal anzutreten.

 

Welche inhaltlichen Punkte wollen Sie in Ihrer Amtszeit gerne umsetzen?
Ich will wieder ein Vertrauen im Verband herstellen und die Kommunikationskultur wieder herstellen. Die Vereine haben oft den Eindruck, dass sie mit Ihrer Meinung nicht gehört werden oder durchkommen …

 

Grundsätzlich fällt mir zum Thema Eigenbauspielerregelung auch nichts Besseres ein.< /div>< /div>

 

… so wie im Fall der Hauptversammlung, als ein Antrag zur Eigenbauspielerregelung aufgrund eines Formalfehlers abgewiesen wurde?
Das ist leider eine Schwäche in den aktuellen Satzungen, dass Anträge inhaltlich nicht überprüft werden, bevor diese veröffentlicht werden. Das hat die Vereine natürlich auf den Plan gerufen. Die ganze Aktion war zwar optisch nicht glücklich, aber man musste so agieren. Diese Satzungen gehören diesbezüglich auch geändert und Anträge inhaltlich überprüft, bevor diese veröffentlicht werden.

 

Und wie stehen Sie inhaltlich zur Eigenbauspielerregelung?
Grundsätzlich fällt mir auch nichts Besseres ein. Natürlich ist die Regelung ein bisschen kompliziert. Man muss die Regelung auch ständig evaluieren. Es muss auch beachtet werden, dass Vereine aus den Regionen rund um den ehemaligen eisernen Vorhang andere Interessen haben als andere Regionen.

 

Kann man alle Klubs hier auf einen Nenner bringen?
Davon bin ich überzeugt, dazu braucht es aber noch viel Diskussionsarbeit.

 


Auffallend vor der Wahl war die intensive Unterstützung ihrer Person von Robert Binder (Angern). Er war die treibende Kraft für die Wahl zum Präsidenten. Gab es Zugeständnisse für seine Anliegen?
Überhaupt nicht. Robert Binder habe ich in den vergangenen Monaten zwei Mal gesehen. Einmal bei einer Hauptgruppenversammlung, das andere Mal bei der Hauptversammlung. Es stimmt, er hat viele Aussendungen gemacht, wahrscheinlich schon zu viel. Er hat es gut gemeint. Bezeichnend finde ich die Unterstellung meiner Gegner, dass es hier gleich einen Deal gegeben haben soll. Das ist leider die Denke, die vorherrscht.

 

Mit dem SV Horn drängt ein Klub in den Profifußball, der umstritten ist. Wie sehen Sie dieses Konstrukt?
Momentan ist es positiv zu bewerten. Die Frage ist, was passiert, wenn es einmal zerbrechen sollte, dann hat man eine Gehaltstruktur, die man nicht aufrechterhalten kann, wie etwa im „Fall Stronach“.

 

Aber nützt diese Form dem niederösterreichischen Fußball?
Das muss nicht zwingend ein Nachteil sein. Die Nachwuchsarbeit in Horn ist sicherlich nicht schlecht. Für die Region ist es derzeit sicher ein Vorteil. Um das genau zu beurteilen, bin ich aber zu weit weg.

 

Sie haben angesprochen, dass Ihnen Transparenz ganz wichtig ist. Der Obmann des Jugendausschusses musste zuletzt zurücktreten, weil er ein Protokoll veröffentlichte, in dem dann noch dazu „unschöne“ Dinge enthalten waren?
Fehler kann jeder machen, wenn er zum zweiten Mal passiert, muss man die Person verwarnen, beim dritten Mal ist es Dummheit und hat klare Konsequenzen.

 

Aber sollen künftig Protokolle veröffentlicht werden dürfen?
Ich bin, was die Kommunikation betrifft, großzügig. Es soll offen kommuniziert werden, nur so kann man Vertrauen schaffen.

 


Ein anderes Thema ist aktuell die in Österreich breit getretene Diskussion der Ligenreform. Wie sehen Sie dieses Thema aus Sicht des niederösterreichischen Verbands?
Grundsätzlich kann man über alles diskutieren. Eines darf jedoch nicht passieren: Es darf keine Kindesweglegung der Bundesliga passieren nach dem Motto: Alles, was die Bundesliga nicht will, müssen wir schlucken. Irgendwer muss ja künftig für die Einnahmen-Ausfälle aufkommen, die bisher durch das TV-Geld diese Vereine bekommen haben. Auf Kosten der Landesverbände wird es das nicht spielen, selbst wenn dies der ÖFB übernehmen sollte hat dies sicher finanzielle Auswirklungen auf die Landesverbände.

 

Mich stört vor allem, dass es so dargestellt wird, als ob die Landesverbände und der ÖFB in den vergangenen Jahren in der Pendeluhr geschlafen haben< /div>< /div>

 

Und wie sehen Sie die derzeitige Regelung mit den zwei Direkt-Aufsteigern aus den Regionalligen. Die Klubs, die in den Profifußball aufsteigen wollen, werden immer weniger. Braucht es noch zwei Direktaufsteiger?
Ein Aufstieg in den Profifußball ist von den Anforderungen her ein sehr großer Schritt, der theoretisch möglich aber oft nicht realistisch ist. Es bringt nichts, drei Aufsteiger zu haben, wenn diese keine Lizenz mehr bekommen. Es führt aber mehr zu der Frage, wer die neue zweite Liga finanzieren wird und wie diese Liga in der Praxis geführt werden kann.

 

Wie finden Sie die derzeitige Diskussion? Konstruktiv?
Mich stört vor allem, dass es so dargestellt wird, als ob die Landesverbände und der ÖFB in den vergangenen Jahren in der Pendeluhr geschlafen haben. Bis dato ist die Bundesliga für die Erste Liga zuständig gewesen.

 

Der Vertrag von Sportdirektor Willi Ruttensteiner wurde noch nicht verlängert. Wie sehen Sie seine Arbeit?
Ich glaube, dass er bisher sehr gute Arbeit geleistet hat. Es war immer sehr konstruktiv, auch wenn er den Landesverbänden fallweise mal kritisch - weil zu ungeduldig bei den Umsetzungen - gegenüber gestanden ist.

 

Würden Sie dafür plädieren, dass Ruttensteiner in der neuen ÖFB-Struktur wieder einen Platz findet und evtl. sogar mit noch mehr Kompetenzen ausgestattet wird als bisher?
Aus der Distanz spricht nichts dagegen. Er hat gute Arbeit geleistet und im Nachwuchs viel Positives bewirkt, dies ist auch an den Ergebnissen der ÖFB Nachwuchsteam und bei den Nachwuchsnationalmannschaften oder bei den Frauenteams klar zu erkennen.