Bundesliga-Vizepräsident Erwin Fuchs: ‚Dann brauche ich nicht Vertreter dieser Liga sein‘

Bundesliga-Vizepräsident und Kapfenberg-Clubchef Erwin Fuchs wurde von den Plänen der Liga überrumpelt. Er will für den Erhalt der zwei Zehnerligen kämpfen und versteht die Panik, die in den vergangenen Tagen entstanden ist, nicht. Das Gespräch führte Geo

 

90minuten.at: Sie fühlen sich von der Bundesliga überfahren. Warum?
Ich habe es an dem Tag gehört, als Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer das Interview gegeben hat. Ich wurde nicht informiert, obwohl ich der Vertreter dieser Liga bin. Der Vorschlag wurde im Zuge des Präsidiums alleine ausgearbeitet, mir wurden dann ein paar Brocken mitgeteilt, nicht in der Form, wie am Montag im Aufsichtsrat.

 

Welche Problemfelder sehen Sie?
Mit dem Wartungserlassen und dem Wegfall der 540 Euro-Regel kommt eine Zusatzbelastung von 100.000 bis 150.000 Euro auf die Vereinsstruktur zu. Da war mein Credo, dass man den Klubs aus der zweiten Leistungsstufe helfen muss, mit dem Finanzministerium reden muss.

 

Sind sie verärgert über die Vorgehensweise?
Es wird über den zweiten Teil der Liga eine Entscheidung getroffen, und dann wird der zweite Teil nicht geladen. Es wird immer nur alles auf dem Rücken der zweithöchsten Liga ausgetragen. Man belastet diese Liga nur und jetzt will man sie abschaffen. Man wird aus einem Unternehmen ausgeschlossen, wir sind 20 Klubs und es werden acht per Zweidrittelmehrheit ausgeschlossen. Dann brauche ich aber auch nicht der Vertreter der Liga sein. Das ist eine mir unerklärliche Vorgangsweise.

 

Glauben Sie, dass man die Zehnerliga in der zweiten Leistungsstufe trotz finanzieller Veränderungen (Wartungserlass, 540er-Regelung) zu halten gewesen wäre?
In Wirklichkeit hat man die Bundesliga gegründet, um einen Unterschied zum Amateurfußball zu machen. Jetzt würden wir das wieder aufgeben, Potential verlieren. Man muss eine Lösung finden, dass man sagt, dass wir das 10+10-Format halten wollen. Sportlich ist es das beste Format. Die Schweiz ist ja auch wieder zu diesem Format zurückgegangen. Andere Länder machen das auch. Jetzt nur die Zwölfergesellschaft zu haben und acht Profiklubs abzuschaffen, halte ich für falsch.

 

Auf der einen Seite gibt es das Argument, was sportlich am besten ist. Aber geht es nicht auch um eine Querfinanzierung der zweiten Liga durch die tipico-Bundesliga?
Das ist schon der falsche Ansatz. Wir sind ein Betrieb. Die Bundesliga besteht aus zwanzig Klubs. Die oberste Liga unterstützt die zweite Liga nicht. Das ist die Bundesliga. Wir empfangen keine Almosen. Wir machen sehr gute Arbeit, vor allem in der Ausbildung. Das ist auch notwendig. Ich kann ja nicht sagen, dass ich in meiner Firma keine Ausbildung mache. Genau so muss man das sehen. Das sehen manche anders. Die glauben immer, die obersten Zehn gibt es und wir sind das Anhängsel.

 

Also eine Gemeinschaft?
Mit der Zusage, dass es zwei Absteiger gibt, hat man halt nachgegeben. Das war ein Fehler, den man reparieren muss. Man kann sich aber jetzt nicht von diesem Teil, von uns trennen. Wir haben uns die letzten Jahre puncto Infrastruktur oder Stadion und so weiter redlich bemüht. Jetzt soll das alles wertlos sein? Da muss man dranbleiben. Das ist eine schwierige Zeit, aber wir stehen das durch!

 


Wäre es denkbar innerhalb der Zehnerliga mit mehr Amateuren zu spielen?
Schauen Sie, die 1.200-Euro-Geschichte (Anm. Kollektivvertrag-Untergrenze) betrifft vielleicht zwanzig Prozent der Spieler. Das ist da auch in Ordnung. Die können sich entwickeln, viele studieren nebenbei. Wir sind ein gutes Beispiel. Bei uns schließen sie mit Matura ab, spielen noch zwei, drei Jahre bei uns und gehen dann zum Beispiel auch ins Ausland, wie Sallahi. Es funktioniert. Der 30-Jährige wird mit 1.200 Euro nicht überleben. Das ist aber auch nicht der Sinn. Wir wollen die Jugend, die das Profileben wollen, fördern.

 

Sie würden 10+10 also noch ein paar Jahre geben?
Natürlich. Hier bricht unnötigerweise Panik aus, wir hätten nächstes Jahr zu wenige Klubs. Aber Wattens wird wahrscheinlich kommen, Horn auch. Die haben alle entsprechend gute Arbeit geleistet, das Umfeld stimmt. Austria Salzburg ist leider passiert. Ich will auch keine Schuldzuweisung machen, aber deswegen ist nicht gleich die ganze Liga schlecht.

 

Und wie macht man es mit den zwei Absteigern?
Die Relegation wieder einführen, ein Fixabsteiger. Und man sollte anerkennen, dass im Osten einfach mehr Vereine sind. Dann haben die den Fixaufteiger und die anderen Regionen spielen dann um den zweiten Platz. Da müssen sich auch die Verbände damit beschäftigen. Das muss endlich mal ausgesprochen werden: Ich kann ja Wien nicht gleich wie Vorarlberg behandeln.

Wir danken für das Gespräch!