Peter Pilz: ‚Man spielt Fußball mit Bällen und nicht mit Dosen'

Peter Pilz im Interview mit 90minuten.at über seelenlosen Dosenfußball, weinerliche Fans, die Auswirkungen des Eurofighter-Ausschuss auf die Hütteldorfer und warum es für Rapid „gar nicht möglich ist, sich der Politik zu entziehen." Das Gespräch führte Mi

 

90minuten.at: Herr Pilz, Sie kommen aus Kapfenberg, sind 1972 für das Studium nach Wien gegangen. Wie und wann hat sich Ihre Zuneigung zu Rapid entwickelt?
Peter Pilz: Das war schon in Kapfenberg. Das war wohl eine natürliche Reaktion darauf, dass mein Vater Austrianer war. Da war es für mich logisch, weil es war die größtmögliche fußballerische Opposition gegen meinen Vater.

 

Eine Alternative aus der Region war damals kein Thema?
Wir sind schon beide damals ab und zu zum KSV gegangen. Rapid hat einen wesentlich interessanteren Fußball gespielt, was man gut sehen konnte, wenn Rapid im Alpenstadion zu Gast war.

 

Im Profil werden Sie zitiert mit "Ich war schon ein Grüner, bevor ich einer wurde". Wie meinen Sie das?
Ich war schon während meiner Schulzeit in Kapfenberg Rapid-Anhänger und damals hat es die Grünen als Partei noch gar nicht gegeben. Damals als rein fußballerischer Grüner habe ich nicht ahnen können, dass es auch einmal politisch etwas Grünes geben wird.

 

Wie haben Sie Fußball damals und heute konsumiert? Im Stadion auf der Fantribüne oder eher auf der allgemeinen Tribüne?
Als Bub in Kapfenberg habe ich oft Wurstsemmeln oder Bier verkauft. Da habe ich mir etwas dazuverdienen können. Ich bin mit einem Sack Wurstsemmeln oder mit einer 6er-Steige Bier durchmarschiert und habe laut gerufen: „Wurstsemmeln bitte, Bier bitte." Dann ist mir etwas abgekauft worden und zwischendurch habe ich Match geschaut.

 

In Österreich gibt es zwei Modelle: das Dosenmodell und das Rapid-Modell. Das ist wie Tag und Nacht. Das eine ist der rein kommerzielle, vollkommen seelenlose Mäzenatenfußball, der wirklich am besten in Dosen passt und bis zu einem gewissen Grad auch recycelbar ist. Auf der anderen Seite haben wir den Fan-Fußball und hier ist Rapid der große Gegenpol zu Salzburg.< /div>< /div>

 

In weiterer Folge haben Sie dann Rapid in Wien auch im Stadion verfolgt? Waren Sie Teil der aktiven Fanszene oder auf der normalen Tribüne?
Ganz normal, wenn ich Zeit gehabt habe. Ich war nie in der organisierten Fanszene. Ich bin überhaupt schlecht zu organisieren. Das haben auch meine grünen Parteivorstände erlebt.

 

Wie sehen Sie die Gesamtentwicklung des österreichischen Fußballs in den vergangenen 25 Jahren, beginnend mit der WM 1990, als sich Österreich das vorletzte Mal für einen Großevent sportlich qualifizieren konnte?
Die Entwicklungen im Vereinsfußball und im Nationalteam sind immer wellenartig. Dass etwas auf höchstem Niveau lange Zeit stabil existiert, geht nicht. Das ist eine Frage von Generationen, von Generationsabläufen, von stärkeren und schwächeren Generationen. Das haben wir bei Rapid erlebt und auch beim Nationalteam und bei allen anderen Mannschaften. Das ist eine natürliche Entwicklung. Das Zweite ist die Kommerzialisierung des Fußballs, die unglaubliche Sogwirkung durch die Spitzengehälter, die TV-Vermarktung und die Konzentration des Geschäfts auf eine ganz kleine Gruppe. Das ist wie im Unternehmensbereich. Auch hier gibt es einen Konzentrationsprozess, in dem sich wenig Großunternehmen am Markt durchsetzen. Da sind die Voraussetzungen und die Rahmenbedingungen für österreichische Klubs ausgesprochen schlecht. Das kann vorübergehend gelingen. Die große Ausnahme sind hier die Klubs aus den Niederlanden. Die produzieren seit langer Zeit einen Fußball, der im krassen Missverhältnis zur Einwohnerzahl steht. Sonst sind es die wenigen großen Länder der Europäischen Union, die vorne sind.

 

Denken Sie dennoch, dass sich Österreich hier im Rahmen seiner Möglichkeiten entwickelt hat?
In Österreich gibt es zwei Modelle: das Dosenmodell und das Rapid-Modell. Das ist wie Tag und Nacht. Das eine ist der rein kommerzielle, vollkommen seelenlose Mäzenatenfußball, der wirklich am besten in Dosen passt und bis zu einem gewissen Grad auch recycelbar ist. Auf der anderen Seite haben wir den Fan-Fußball und hier ist Rapid der große Gegenpol zu Salzburg. Das wird nach wie vor Zukunft haben. Vor allem mit einem neuen Stadion und einer breiteren, wirtschaftlichen Basis schaut es für Rapid nicht schlecht aus. Da kann man durchaus in die Regionen eines FC Basel kommen. Das muss unser Ziel sein. Es ist sinnlos Rapid mit Barcelona oder Juventus zu vergleichen. Aber das Niveau eines FC Basel können wir sportlich und wirtschaftlich durchaus erreichen.

 

Sie haben den Dosen- und den Fan-Fußball angesprochen. Sehen Sie diesbezüglich das Engagement von Red Bull ausschließlich kritisch oder können Sie auch positive Effekte auf den von Ihnen beschriebenen Fan-Fußball erkennen?
Ich finde das fürchterlich. Ich kann es ganz offen sagen: Bei internationalen Bewerben freue ich mich wenn Rapid gewinnt, klar. Ich freue mich aber auch wenn etwa die Austria oder Sturm international gewinnen. Ich freue mich aber nicht, wenn Salzburg gewinnt. Ich mag diesen Verein nicht. Ich mag das ganze Dosenprojekt nicht. Ich will keinen Fußball in Dosen. Man spielt Fußball mit Bällen und nicht mit Dosen.

 

Das heißt, Sie sehen keine positiven Auswirkungen etwa im Sinne der Professionalisierung des Fußballs?
Das ist doch eine seelenlose Mannschaft. Das hat für mich nichts mit dem zu tun, was der Kern des Fußballs ist, nämlich ein lebendiger Verein, der letztendlich den Mitgliedern gehört und nicht einem Oligarchen. Es ist die Frage, ob der Reichtum eines Einzelnen oder die Begeisterung von tausenden Menschen das Fundament eines Vereins bilden. Und ich mag keinen Fußball der Reichen, genauso wie ich auch keine Politik der Reichen oder eine Gesetzgebung oder Justiz der Reichen will. Rapid ist das demokratische Prinzip, der Dosenfußball ist das feudale Prinzip. Ich will keinen Feudalfußball.

 


Wenn man auf die internationale Ebene blickt, sehen Sie diese Entwicklung auch?
Ich bin immer ganz begeistert, wenn Chelsea verliert, weil ich den russischen Oligarchenfußball nicht will. Es war ganz schlimm für mich, als ein englischer Klub nach dem anderen von russischen Oligarchen gekauft worden ist. Das war eine schreckliche Fehlentwicklung, gegen die zu wenig unternommen worden ist. Ich habe erlebt, wie ein dubioser und wirklich in jeder Hinsicht bedenklicher ukrainischer Oligarch, der schmutzige Geschäfte mit der Hypo-Alpe-Adria gemacht hat, versucht hat, Everton zu kaufen. Ich habe mich damals mit den Leuten vom Guardian und mit Leuten aus Liverpool zusammengetan, um ihnen möglichst viele Informationen über diesen Oligarchen zu geben, damit sie diese Übernahme verhindern können. Damals habe ich recherchiert für die Fans von Everton.

 

 Edlinger hat mich dann einmal angerufen und gesagt: ‚Ich möchte das Kuratorium verbreitern. Da sind alle möglichen Leute aus der Wirtschaft drinnen, hauptsächlich Sozis, ein paar Schwarze. Und ich möchte auch Grüne drinnen haben, nur Blauer kommt mir keiner rein.< /div>< /div>

 

Glauben Sie, dass diese Entwicklung umkehrbar ist?
Es sind riesen Unterschiede zwischen der fußballerischen und wirtschaftlichen Kultur zwischen Chelsea und etwa Bayern. Das sind völlig unterschiedliche Projekte. Auf der einen Seite das Oligarchenprojekt, auf der anderen Seite das hochprofessionelle aber letztendlich klassische und gleichzeitig sehr moderne Bayern-Projekt. Da geht es natürlich auch um unglaublich viel Geld und es gibt auch hier die wildesten Geschäfte. Und die Gagen für einzelne Fußballer sind an der Grenze zur Obszönität. Aber so schaut es halt aus, das ist bei Schlagersängern nicht anders. Und ich weigere mich Gesetze zur Begrenzung des Einkommens grauenhafter Schlagersänger einzuführen. Also werde ich das beim Fußball auch nicht fordern.

 

Interessiert Sie internationaler Spitzenfußball dann überhaupt noch?
Natürlich schaue ich Champions League wie Bayern gegen Barcelona. Das war in der ersten Hälfte ein wunderbares Match. Ich fahre auch nach Liverpool und schaue mir dort ein Match an, weil ich das Stadion gerne mag so wie auch das Stadion von Aston Villa. Ich habe mir auch den Classico in Barcelona angesehen in der letzten Reihe unter der Anzeigentafel.

 

Blicken wir auf Rapid, wo sie auch als Kuratoriumsmitglied engagiert sind. Wie und wann ist es dazu gekommen, dass Sie Kuratoriumsmitglied wurden?
Mich hat Rudi Edlinger vor vielen Jahren angerufen. Ich kenne ihn noch aus Wiener Gemeinderatszeiten. Ich schätze ihn auch sehr. Nicht nur als Rapidler, sondern auch als anständigen Stadtrat und anständigen Politiker, auch wenn wir sachlich öfters gestritten haben. Wir haben uns immer respektiert und geschätzt. Er hat mich dann einmal angerufen und gesagt: ‚Ich möchte das Kuratorium verbreitern. Da sind alle möglichen Leute aus der Wirtschaft drinnen, hauptsächlich Sozis, ein paar Schwarze. Und ich möchte auch Grüne drinnen haben, nur Blauer kommt mir keiner rein, weil diese Probleme bei den Fans haben wir zum Großteil hinter uns und die will ich mir jetzt nicht durch das Kuratorium wieder reinholen.' Dann habe ich gefragt, welche Pflichten ich dabei übernehmen muss. Daraufhin hat er sehr gelacht und für mich war dann klar, dass ich das machen kann. Ich würde mich nie in das Präsidium setzen. Ich sehe mich als ganz ordentlichen Abgeordneten aber ich sehe mich nicht im Stande, einen Verein zu führen. Das Kuratorium ist so eine Mischung aus miteinander Würstel essen und seinen Senf dazugeben.

 

Das Kuratorium wird immer wieder als informelles, beratendes Gremium genannt. Wo haben Sie sich mit Ihrer Meinung, mit Ihrem Einfluss einbringen können?
In der ganzen Frage der Sicherheit, im Umgang mit Fans und Gewalt und auch mit der Polizei. Das ist einer der heikelsten Bereiche. Ich habe mich damals bewusst eingemischt nach den Vorfällen im Derby im Praterstadion, als damals in den Familien-Sektor aus dem Austria-Bereich mit Leuchtstiften geschossen wurde. Da bin ich dann auch in das Stadion gegangen und habe ein Video produziert und habe diese gefährlichen Idioten öffentlich gefragt, was sie da eigentlich tun. Das sind keine Fans, das sind Zerstörer des Fußballs und der Fußballkultur. Und sie vertreiben Eltern mit ihren Kindern aus dem Stadion und mit ihnen die Fans der Zukunft. So eine Auseinandersetzung führe ich gerne. Ich führe aber auch gerne eine zweite Auseinandersetzung. Nämlich jene mit der Polizei und ihrem Missbrauch des Landfriedensbruch-Paragraphen, wo sie Sippenhaftung einführen. Wenn jemand in der Gegend dabei steht, dann sperren wir den auch gleich ein und wir schauen, dass der auch verurteilt wird. Das ist eines Rechtsstaates nicht würdig, wie auch mit zum Teil radikaleren Fans umgegangen wird. Das geht nicht. Und deswegen werde ich jetzt, wenn wir die Strafrechts- und Staatspolizeireform haben, die Regierungsvorlage der organisierten Fanszene zuleiten und sagen: Mischt euch ein in das Begutachtungsverfahren und schreibt zusammen, was ihr von bestimmten Gesetzen haltet.

 

Haben Sie das Gefühl, dass die Fans in diesen Prozessen überhaupt gehört werden?
Derzeit viel zu wenig. Speziell die Wiener Polizei, nachdem sie im Kampf gegen den Jihadismus und den Terrorismus vollkommen versagt wie auch im Fall der Korruption erstaunlich wenig zusammenbringt, verfolgt stattdessen antifaschistische Demonstranten, Tierschützer oder auch organisierte Fußballfans. Das sind dann die Ersatzopfer der Polizei.

 


Ihr Video hat zweigeteilte Reaktionen hervorgerufen. Es gab positive Rückmeldungen aber auch Vorwürfe des Populismus. Hat es der Versachlichung gedient?
Zuerst muss man einmal die Diskussion in Gang bringen und da kann man ruhig emotionalisieren. Wenn die Leute darüber streiten ist es besser als wenn sie wegschauen. Da wird es viele geben, die meiner Meinung nach völlig falsche Ansichten vertreten, aber es ist wichtig, dass sie diese Ansichten vertreten, damit gestritten und diskutiert werden kann, um sie im Endeffekt auch überzeugen zu können. So etwas löst man mit solchen Videos aus. Das ist der Beginn einer Debatte aber nicht das Ende. Jetzt sind wir im Parlament damit beschäftigt: Was tun wir mit den Leuchtstiften und was tun wir mit den Leuten, die Leuchtstifte reinschmuggeln und abschießen?

 

Da gibt es oft falsche Solidarität. Solange das nicht geklärt ist, wie man selbst mit den Randalieren im eigenen Sektor umgeht, solange werden sich andere darum kümmern.< /div>< /div>

 

Wie verfolgen Sie die mediale Auseinandersetzung zu diesem Thema? Einerseits werden Bengalen medial – Beispiel Ski aber auch zum Teil im Fußball – als tolle Atmosphäre gelobt. Dann gibt es den Boulevard, der dann solche Bilder vermischt mit Gewalt?
Was ich überhaupt nicht mag ist die weinerliche Reaktion von Fans, die nichts gegen die Ausschreitungen unternehmen. Wir hätten das ganze Problem nicht: Da stehen die Leute mit Leuchtraketen, die in den Familiensektor schießen, mitten unter den organisierten Fans. Wenn die organisierten Fans konsequent genug wären und sich diese Personen selber vornehmen, könnten sie das Problem selbst lösen. Dann brauchen wir keine Polizei, kein Parlament, dann brauchen wir gar nichts. Dann hätten wir auch keine Diskussion darüber, ob man generell Pyrotechnik verbieten soll oder nicht, weil dann jeder der Meinung wäre, dass es kein Problem ist.

 

Das heißt aus Ihrer Sicht gibt es zu viel Toleranz in der Fanszene mit gewalttätigen Personen?
Ich kenne das genauso von den Antifa-Demos, wo ich den Organisatoren immer gesagt habe: Kümmert euch selbst um den „Schwarzen Block", dann braucht ihr euch nicht nachher überlegen, ob ihr von der Polizei zu Unrecht verprügelt werdet, weil es dann oft die falschen Personen trifft. Da gibt es oft falsche Solidarität. Solange das nicht geklärt ist, wie man selbst mit den Randalieren im eigenen Sektor umgeht, solange werden sich andere darum kümmern: von den Medien bis zum Parlament und zur Polizei, die eigentlich am Fußballplatz gar nichts verloren hat. Alle Probleme, die man selbst lösen kann, hat man dann nicht mehr. Das ist eine Frage der Selbstverantwortung.

 

Bezüglich der medialen Auseinandersetzung habe ich auch deswegen gefragt, weil Sie in Ihrer parlamentarischen Anfrage das Wort „Raketenterror" verwendet haben. Das ist doch sehr plakativ und ein Fressen für den Boulevard.
Ich habe das bewusst verwendet. Da sage ich den Gewalttätern: Pech gehabt. Ich werde mir für diese Personen nicht die zartesten Begriffe suchen. Es kann sein, dass ich die Gefühle des einen oder anderen Randalierers verletzte. Aber diese Personen verletzen möglicherweise kleine Buben oder Mädchen am Fußballplatz. Ich habe nichts dagegen, die Gefühle von Randalierern zu verletzen.

 

Und wie sehen Sie das Fan-Thema speziell auf Rapid runtergebrochen. Auch hier gibt es immer wieder viele Diskussionen. Etwa, dass die Fans zu viel Einfluss auf den Verein haben. Teilen Sie diese Ansicht?
Wenn Fans organisierte Pyrotechnik und schöne Choreographien erstellen, macht es den Fußball bunter und interessanter. Das andere ist der Einfluss der organisierten Fans auf den Verein. Da habe ich den Eindruck, so rund um die Wahl des neuen Präsidiums und der Entscheidung zum neuen Stadion, dass das sehr vernünftig läuft und sich die Fans hier sehr positiv engagiert haben. Soweit ich das beurteilen kann, läuft das bei Rapid ganz gut.

 

Die Beeinflussung des Eurofighter-Kaufs hat über Rapid nicht funktioniert. Das Geld war rausgeschmissen. Der Versuch ist aber eindeutig in Richtung SPÖ gegangen.< /div>< /div>

 

Sie haben vorher erzählt, wie Sie zum Rapid-Kuratorium gekommen sind, als Sie Rudolf Edlinger angerufen und erwähnt hat, dass er auch gerne einen Grünen dabei haben will. Wenn man zurückblickt, wo Rapid und die Politik eine – für die Öffentlichkeit - wirksame Verbindungen zu Tage gebracht haben, kommt der Eurofighter-Untersuchungs-Ausschuss ins Spiel, den Sie geleitet haben. Was ist hier aus Ihrer Sicht im Nachhinein übriggeblieben?
Meiner Meinung nach hat es damals einen gezielten Versuch von EADS und Eurofighter gegeben, die SPÖ zu beeinflussen. Das Engagement bei Rapid war ein Element davon. Ich weiß inzwischen wesentlich mehr darüber. Es hat Zielpersonen gegeben, an die wollte man herankommen. Das waren die sogenannten „roten Vier". Um die hat sich EADS gekümmert. EADS hat damals geglaubt, dass man diese „roten Vier" über Rapid beeindrucken kann. Soweit ich das beurteilen kann, hat sich das als Holzweg herausgestellt. Die Beeinflussung des Eurofighter-Kaufs hat über Rapid nicht funktioniert. Das Geld war rausgeschmissen. Der Versuch ist aber eindeutig in Richtung SPÖ gegangen.

 

Würde Sie aus dieser Erfahrung heraus Rapid empfehlen, derartige Sponsorings künftig zu unterlassen?
Ja, absolut. Ich war damals noch nicht im Kuratorium. Wäre ich damals bereits im Kuratorium gesessen und wenn ich davon erfahren hätte, hätte ich gesagt: Bitte lasst die Finger von diesem Geld, auch wenn man glaubt dass man es dringend braucht.

 

Sie haben den Präsidentenwechsel angesprochen. Michael Krammer folgte auf Rudolf Edlinger. Wie haben Sie die letzten Edlinger-Jahre empfunden?
Der Rudi Edlinger hat gelebt für den Verein. Ich habe selten einen Menschen erlebt, der bei einem Match so gelitten hat, wie der Rudi Edlinger. Wir sind oft in seiner Nähe gesessen und haben uns Sorgen gemacht. Wir sind einmal nach Kapfenberg gefahren und sind dort gesessen und haben gehofft: Hoffentlich geht es dem Rudi gut. Jedes Tor gegen Rapid war für ihn ein Schicksalsschlag.

 


Und wie sehen Sie die Entwicklung unter Edlinger?
Die Entwicklung kennen wir. Was Rudi Edlinger miteingeleitet hat, war der Professionalisierungsschub im Management. Ich sehe die Chance, dass das jetzt auch funktioniert.

 

Ein Professionalisierungsschub, der schon dringend notwendig war?
Nein, das war ein ganz ordentlicher Übergang. Natürlich hat es Präsidiumsmitglieder gegeben, die mir gesagt haben, vielleicht hätten wir eine Periode früher übergeben sollen. Das ist müßig darüber zu spekulieren. Rudi Edlinger hat sich unglaublich engagiert und hat den Verein so weit gebracht, dass wir heutzutage selbstverständlich davon ausgehen, dass wir in der Europa League Gruppenphase mitspielen. Das war nicht immer so. Ich glaube insgesamt ist der Verein derzeit auf einem guten Weg.

 

Haben Sie sich als Rapid-Fan und Kuratoriumsmitglied, der auch gleichzeitig im Untersuchungs-Ausschuss tätig war, schwerer getan als sonst? Gab es hier für Sie innerliche Spannungen?
Nein. Ich bin erster Linie Abgeordneter dieser Republik. Und wenn ich als Abgeordneter eine parlamentarische Untersuchung führe und in diesem Fall auch leite, gibt es keinerlei Rücksichtnahme. Dann kann es mir leidtun, wenn der Name Rapid auftaucht und das hat mir auch leidgetan. Aber das ist kein Grund für eine besondere Rücksichtnahme.

 

Inwiefern hat die ganze EADS-Thematik einen Einfluss im Wechselspiel zwischen Politik und Fußball im Allgemeinen bzw. mit Rapid im Speziellen aufgezeigt?
Das ist überall so. Das ist in Deutschland genauso, da haben auch verschiedene Politiker ein Naheverhältnis zu Vereinen. Mein Freund Omid Nouripour von den Grünen, der im Deutschen Bundestag sitzt, ist im Vorstand von Frankfurt. Wir haben uns auch immer schon überlegt, ob wir ein Match zwischen Frankfurt und Rapid organisieren, nur ist Frankfurt mit Innsbruck verbrüdert, deshalb ist das fürchterlich kompliziert. Die Vereine holen sich Politiker nicht deswegen in Kuratorien, damit Politiker Vereine führen. Das ist nicht Aufgabe von Politikern. Es geht darum, dass Politiker in bestimmten Bereichen ganz offen und nicht durch Hintertüren etwas für den Verein tun. Im Fall von Rapid zum Beispiel können wir gut begründen, warum die Stadt einen Stadionneubau unterstützen soll.

 

Meine Erfahrung ist: Es gibt keinen Einfluss der Politik auf Rapid, es gibt Einfluss von Rapid auf die Politik. Deswegen holt man uns Politiker ja.< /div>< /div>

 

Im Kuratorium kann man das vielleicht noch eher trennen. Wie sieht es dann im Präsidium aus. Rapid hat dort sehr oft klar deklarierte Personen aus der Politik sitzen ...
Die sollen ruhig klar deklariert sein, die sollen aber keine aktiven Politiker, Regierungsmitglieder oder Abgeordnete sein. Das halte ich für nicht sehr gescheit, wenn aktive Politiker in Exekutivfunktionen bei Vereinen sind.

 

Wenn jetzt jemand sagt: „Es gibt keinen Einfluss der Politik auf Rapid." Was denken Sie dann?
Meine Erfahrung ist: Es gibt keinen Einfluss der Politik auf Rapid, es gibt Einfluss von Rapid auf die Politik. Deswegen holt man uns Politiker ja. Ich habe noch nie ein grünes Anliegen bei Rapid vertreten. Wobei, das stimmt nicht ganz: Ich habe immer ein grünes Anliegen im Kuratorium vertreten und zwar, dass man möglichst vernünftige Verkehrslösungen rund um das Stadion findet und den öffentlichen Verkehr ausbaut.

 

Sonst sehen Sie keinen Einfluss der Politik?
Ich habe nie von einem SPÖler oder einen Schwarzen den Eindruck gehabt, dass Sie Interessen Ihrer Partei im Kuratorium vertreten.

 

Aber woran liegt es dann, dass immer wieder – es zieht sich wie ein roter Faden – Personen in das Präsidium geholt werden, die politisch aktiv sind oder aktiv waren? Nehmen wir das Beispiel von Christoph Peschek her: Die „große rote Nachwuchshoffnung" wie er von Medien bezeichnet wurde, wird zuerst Rapid-Vizepräsident und nach einem Jahr zum Rapid-Geschäftsführer bestellt?
Der hat sinnvollerweise sein Gemeinderatsmandat zurückgelegt. Sonst hätte ich schon gesagt: So geht das nicht. Das hat er zurückgelegt.

 

Und dann ist das für Sie ok? Speziell wenn man hört, es hat für die Position des Geschäftsführers viele Kandidaten aus der Wirtschaft gegeben, die in ihrem Bereich sehr hoch qualifiziert sind. Verstehen Sie, wenn man hier eine schiefe Optik erkennt, wenn jemand ausgewählt wird, der aus wirtschaftlicher Sicht deutlicher weniger qualifiziert ist?
Ich verstehe, dass jeder nachfragt: Hätte es bessere Kandidaten gegeben? Und das werden wir uns ansehen. Das interessiert mich auch im Kuratorium. Und deswegen schauen wir uns auch an, ob die auch erfolgreich sind, ob die das mit dem Stadion gut machen. Das ist die erste riesige Bewährungsprobe. Wird das funktionieren? Damit meine ich nicht nur den Stadionbau. Das Stadion muss dann auch gefüllt werden. Da werden wir dann beurteilen.

 


Aber wäre das nicht ein hoher Preis, den man im Nachhinein zahlen würde, wenn man dann sieht, man hätte jemanden aus der Wirtschaft für einen Wirtschaftsbetrieb nehmen sollen? Mir geht es jetzt nicht darum, die Person Christoph Peschek an sich in Frage zu stellen. Mir geht es darum, herauszufinden, ob er der Kandidat war, der wirklich die besten Voraussetzungen mitgebracht hat?
Wären wir als Kuratorium so etwas wie ein echter Aufsichtsrat gewesen - und so etwas wird sich Rapid mittelfristig auch überlegen müssen, ob es einen Aufsichtsrat braucht – dann hätte dieses Gremium die Aufgabe und Pflicht gehabt, selbst diese Suche nach einem Geschäftsführer durchzuführen. Hätte ich die Rechte und Pflichten eines Aufsichtsrates als Kuratoriumsmitglied, dann hätte ich mir alle Kandidaten fürs Präsidium genau angeschaut. Ich habe keine Ahnung, ob diejenigen, die jetzt bestellt worden sind, meine Wunschkandidaten gewesen wären. Ich kann mir aber nicht als Mitglied eines völlig unverbindlichen und von jeder Verantwortung befreiten Gremiums anmaßen, wie ein Aufsichtsrat zu agieren.

 

Sie können aber als Rapid-Kuratoriumsmitglied so wie zu anderen Themen aber eine Meinung dazu haben.
Ich habe mir die einzelnen Kandidaten nicht angeschaut, weil das eine sehr zeitaufwendige Aufgabe ist, der ich mich dann unterziehe, wenn ich die Rechte und Pflichten habe. Aber das im völlig im luftleeren Raum zu tun und dann seinen Senf dazu zu geben, bringt überhaupt nichts.

 

Es ist für Rapid gar nicht möglich, sich der Politik zu entziehen. Rapid ist wie jeder Großklub von stadtpolitischen Entscheidungen abhängig. Rapid muss wie die Austria aber auch jeder Eishockeyklub schauen, dass die Entscheidungen möglichst günstig für den Verein ausfallen.< /div>< /div>

 

Meine Frage zielt auch daraufhin ab, weil vor wenigen Tagen das Präsidium nachbesetzt wurde. Und wieder wurde mit Thomas Waldner jemand ins Präsidium geholt, der unter anderem SPÖ-Wahlkämpfe organisiert hat. Da stelle ich mir schon die Frage: Warum zieht sich das wie ein roter Faden durch, dass es immer wieder derartige Besetzungen gibt – unabhängig davon, dass diese Personen auch ihre anderen Qualifikationen mitbringen?
Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Ich weiß nicht, ob das die beste Wahl war. Aber nachdem ich in diese Wahl nicht einmal am Rande eingebunden bin; ich bekomme vorher auch keine Information darüber. Wenn der professionelle Teil von Rapid als Unternehmen geführt wird und das Präsidium de facto ein Vorstand ist wie ein einer Aktiengesellschaft, dann wird es auch einen Aufsichtsrat brauchen, selbstverständlich.

 

Die Rolle des Aufsichtsrates bei Rapid nimmt derzeit ja das Präsidium wahr.
Aber genau das ist die Frage, ob das mittelfristig ausreichend ist. Jetzt schauen wir einmal anhand des Stadions genau an, die das Modell funktioniert. Ich werde jetzt nicht zu jeder Personalentscheidung meinen Senf dazugeben. Ich kenne diese Personen auch gar nicht.

 

Abschließend gefragt: Kann sich ein Klub wie Rapid der Politik entziehen? Oder ist das gar nicht gewünscht?
Es ist für Rapid gar nicht möglich, sich der Politik zu entziehen. Rapid ist wie jeder Großklub von stadtpolitischen Entscheidungen abhängig. Rapid muss wie die Austria aber auch jeder Eishockeyklub schauen, dass die Entscheidungen möglichst günstig für den Verein ausfallen. Rapid braucht viele Millionen Euro an Steuergeldern, um ein neues Stadion zu bauen. Also braucht man sich gar nicht überlegen, ob es ein Verhältnis von Rapid zur Politik gibt. Meiner Meinung nach muss es ein Verhältnis von Rapid zur Politik geben, aber es muss völlig transparent sein. Was niemandem gut tut, weder Rapid noch der Politik, ist, wenn es ein parteilich gefärbter Mauschelverein ist.

 

Sehen Sie die von Ihnen geforderte Transparenz zum Beispiel bei Personalentscheidungen gegeben?
Man muss darüber reden, ob das Kuratorium perspektivisch nicht durch ein anderes Gremium ersetzt wird oder ob es eine breitere Aufsichtsrats-ähnliche Struktur gibt. Das ist überlegenswert, aber meine Funktion als Kuratoriumsmitglied nehme ich Ernst. Ich habe Rudi Edlinger aber von Anfang an gesagt, dass ich neben meiner Abgeordnetentätigkeit nicht viel Zeit habe, um mehr zu investieren. Sonst würden sich meine Wählerinnen und Wähler ziemlich wundern, die haben mich ins Parlament gewählt und nicht ins Rapid-Kuratorium. Mit diesen Rahmenbedingungen kann ich im besten Fall dem Verein ein paar Ratschläge geben. Meine Kompetenz ist die Sicherheitspolitik und nicht die Führung des Unternehmens oder das Organisieren von Sponsoren, da würde ich sogar sehr von meiner Person abraten, weil ich bei bestimmten Sponsoren eher Schrecken verbreiten würde.

 


Zurückkommend auf die Aussage „Es gibt keinen Einfluss der Politik auf Rapid". Die ist eigentlich nicht haltbar?
Es gibt einen Einfluss von Rapid auf die Politik, aber die Politik verlangt ja nichts von Rapid. Würde sich Rapid hergeben, auch nur eine Partei nur öffentlich zu unterstützen..

 

So direkt meine ich das nicht und das wäre auch wirklich ziemlich naiv, es so zu tun. Es geht um die konstanten Nachbesetzungen im Präsidium mit politisch motivierten Personen. Da ist doch eine Linie erkennbar...
Das zeigt, dass letzten Endes diese Achse zwischen Wiener Stadtpolitik, die von der SPÖ dominiert wird, und Rapid aber auch Austria sehr, sehr stark ist. Jetzt kann man sagen, wenn man diese Achse nicht will: Schnitt und weg damit. Dann kann es sein, dass Rapid damit etwas sehr gefährliches macht. Nämlich, dass sich Rapid von der Stadtpolitik abschneidet, von man immer wieder etwas braucht. Oder: Man kann alles extrem transparent machen. Und da haben Sie schon Recht: Es ist nicht nur alles eine Frage des Geldes sondern auch eine Frage der Personalauswahl. Je transparenter in Zukunft bei Rapid diese Personalentscheidungen getroffen werden und je mehr Leute das alles auf den Tisch gelegt bekommen und auch Vertreter der organisierten Fankultur eingebunden werden, desto besser ist es für den Verein. Das ist überhaupt keine Frage. Und wenn der Eindruck entsteht, dass es sich hier um politisch gefärbte Cliquen handelt, ist es nicht gut. Nur dem jetzigen Präsident ist nicht einmal ein Naheverhältnis zur SPÖ nachgesagt worden. Im Gegenteil, dem ist ein Naheverhältnis zur ÖVP nachgesagt worden. Das ist mir auch egal. Ich hätte es sogar ausgehalten, wenn ihm ein Naheverhältnis zu den Grünen nachgesagt worden wäre. (lacht) Aber ich lege keinen Wert darauf.

 

Aber ich will, dass Salzburg jedes Mal mit einem riesen Bummerl das neue Stadion verlässt, solange da noch Red Bull draufsteht.< /div>< /div>

 

Das Stadion wird 2016 fertig sein ..
Das hoffe ich.

 

Welchen Schub, welches Potenzial sehen Sie für Rapid?
Es ist größer, es ist schöner. Ich gehe davon aus, dass mehr Leute im Stadion sind als zuvor. Das verstärkt die wirtschaftliche Basis. Wenn wir ein Projekt Basel mit Rapid probieren, dann ist die Grundvoraussetzung das neue Stadion. Deswegen war das eine mutige, aber vollkommen richtige Entscheidung. Wir brauchen das neue Stadion. Dann werden wir sehen, ob das Management und das Präsidium das können, was sie versprechen. Weil dann gehört das Stadion gefüllt und das ist nicht nur eine Frage, ob Rapid gut spielt. Dann schauen wir uns an, ob wir mit Basel konkurrieren können. Ich hoffe es sehr. Und dann will ich regelmäßige Siege gegen Salzburg sehen.

 

Und auch die Meisterschaft?
Selbstverständlich. Das ist ja eh klar. Aber ich will, dass Salzburg jedes Mal mit einem riesen Bummerl das neue Stadion verlässt, solange da noch Red Bull draufsteht.

 

Sie haben deutlich mehr sportliche Rivalität zu Salzburg als zur Austria ...
Weil mir die Austria von der Sportkultur her wesentlich sympathischer ist als der Dosenfußball. Eines meiner Lieblingsleiberln ist nach wie vor jenes mit den sieben Dosen, als wir 7:0 in Salzburg gewonnen haben. Das ist ein wirklich schönes Leiberl, das ich an hohen Feiertagen trage.
Danke für das Interview!

>>> Christoph Peschek im Interview mit 90minuten.at: ‚Dass auch Politiker Rapidler sein können, ist zulässig'