2014

Georg Zellhofer: ‚Die Zeiten von Nyilasi, Panenka und Jelavic sind vorbei'

Mit dem SCR Altach rüttelt Sportdirektor Georg Zellhofer derzeit am Machtgefüge der Bundesliga. Mit 90minunten.at hat der Oberösterreicher über Glück bei der Kaderzusammenstellung, die Notwendigkeit einer modernen Stadioninfrastruktur und die Bedeutung de

 

90minuten.at: Altach ist derzeit in der Bundesliga sehr erfolgreich. War das für Sie so vorauszusehen oder spielt die Mannschaft aktuell über ihren Verhältnissen?
Georg Zellhofer: Es wäre jetzt überheblich zu sagen, dass wir uns das genau so erwartet haben. Das war einfach nicht abzusehen. Schon gar nicht die Art und Weise, wie wir uns in der Bundesliga präsentieren. Wir haben in den vergangenen Monaten aber individuell und auch als Team einen großen Schritt nach vorne gemacht und zeigen jetzt auch eine Klasse höher unsere Vorzüge als spielerische Mannschaft, insofern ist der Tabellenplatz sicher gerechtfertigt. Natürlich kommt uns dabei entgegen, dass wir jetzt der Underdog sind und Vereine wie Rapid oder Austria in Spielen gegen uns von einem Pflichtsieg reden.

 

Aber war die aktuelle Performance nicht auch irgendwo abzusehen? Die Bundesliga-Aufsteiger haben in den vergangenen Jahren schließlich immer eine gute Rolle gespielt, die gestandenen Bundesliga-Vereine hatten mit den neuen Vereinen immer ihre Müh und Not? Zudem ist Altach ist doch relativ überlegen aufgestiegen.
Es stimmt schon, dass die Aufsteiger zuletzt immer eine gute Rolle gespielt haben, aber davon kann man nicht automatisch auf unsere Situation schließen. Uns war zwar klar, dass wir eine gute Mannschaft haben und wir eine gute Rolle spielen können, aber abzusehen war der aktuelle Erfolg nicht.

 

Inwiefern ist so ein Erfolg planbar? Wenn Sie am Beginn einer Saison den Kader für die bevorstehende Spielzeit zusammenstellen, müssen Sie damit doch irgendwelche konkreten Ziele verfolgen?
Natürlich haben wir diese Zielsetzung mit dem Klassenerhalt, aber es muss einem bewusst sein, dass Erfolg nur bedingt planbar ist. Da spielen so viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle, unter anderem auch Glück.

 

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Die aktuelle Kaderplanung hat ihren Ursprung schließlich schon vor zwei Jahren, als wir eine Mannschaft aufgebaut haben, die endlich das Ziel Aufstieg erreichen sollte.< /div>< /div>< /blockquote >

 

Geht es in ihrer Aufgabe als Sportdirektor also darum, das Glück zu maximieren und die Chancen zu erhöhen, dass ein Transfer einschlägt, um die Chancen auf Erfolg wahrscheinlicher werden zu lassen?
So könnte man das beschreiben. Aber ich kann den bestmöglichen Spieler zu uns holen, den davor hundertmal beobachten und sowohl von seiner Klasse, als auch von seinem Charakter überzeugt sein; wenn der Spieler dann Verletzungspech hat, sich bei uns nicht wohl fühlt oder familiäre Probleme hat, kann ich trotzdem nichts machen. Eine hunderprozentige Sicherheit, dass ein Transfer aufgeht und sportlichen Erfolg bringt, wird man nie haben.

 

Ihre Erfolgsquote liest sich aber nicht schlecht, wenn man die Transfers des vergangenen Sommers hernimmt...
Das ist richtig, zeigt aber auch, dass wir bereits in der Vergangenheit die richtigen Schritte gesetzt haben. Die aktuelle Kaderplanung hat ihren Ursprung schließlich schon vor zwei Jahren, als wir eine Mannschaft aufgebaut haben, die endlich das Ziel Aufstieg erreichen sollte. Darüber hinaus war uns damals aber auch schon wichtig, dass wir Bundesligaqualität im Kader haben. Es bringt nichts, eine Mannschaft zusammenzustellen, die – wenn sie an ihr Limit geht – unser großes Ziel erreichen kann, dann aber für die Bundesliga keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten erlaubt.

 

Ist vor diesem Hintergrund auch die Transferphase im Sommer 2013 zu betrachten? Obwohl Altach damals eine gute Frühjahrssaison gespielt hatte, wurden rund zehn Spieler ausgetauscht?
Das war natürlich grenzwertig, aber irgendwo mussten wir – nachdem wir das Ziel Aufstieg mehrmals verfehlt hatten – einfach einmal einen Schnitt machen und ein Zeichen setzen. Dabei kam uns sicher zugute, dass damals im Winter Austria Lustenau (Anm.: aufgestiegen ist dann der SV Grödig) eigentlich schon als Aufsteiger feststand und wir mit unserem neuen Trainer Damir Canadi ohne großen Druck spielen und uns schon auf die Saison danach konzentrieren konnten. Immerhin wurden wir trotz des erwähnten großen Umbruchs im Winter und einer großen Testphase in der Frühjahrssaison, noch Tabellenzweiter. In der Zeit haben wir versucht die Weichen zu stellen, Perspektivspieler zu holen oder Spieler, die uns in unserem Team vom Charakter oder ihrer Spielanlage her noch gefehlt haben.

 

Waren ähnlich auch die Überlegungen in diesem Transfersommer? Altach wurde zwar klar Meister, hat dann aber insgesamt acht neue Spieler geholt, von denen vor allem Jan Zwischenbrugger, Patrick Salomon, César Ortiz, Ivan Kovacec und in den letzten Spielen auch Andreas Lukse eine gute Rolle spielen.
Einerseits haben wir versucht, den Spielern, die den Aufstieg geschafft haben, eine gewisse Wertigkeit zu geben, indem wir sie beim Verein behalten – wer sich ein Jahr den Hintern aufreißt, damit wir unser Ziel erreichen, der hat es dann auch verdient, oben mit dabei zu sein. Andererseits war es uns aber schon wichtig, frisches Blut zum Verein zu holen und damit die Qualität weiter zu steigern. Dabei haben wir versucht Spieler zu uns zu holen, die vom Charakter her der Mannschaft helfen können und natürlich auch auf Positionen zum Einsatz kommen, wo wir Bedarf haben. Ein gutes Beispiel dafür ist Kovacec, den wir schon länger unter Beobachtung hatten und als dann klar war, dass er nach einem halben Jahr beim LASK verfügbar ist, haben wir das intern intensiv diskutiert, mit dem Spieler gesprochen, ihm klar gemacht, dass das für ihn vielleicht die letzte Chance ist, Bundesliga zu spielen und uns dann für eine Verpflichtung entschieden. Ähnlich war es auch beim Spanier Ortiz, den wir vor zwei Jahren schon einmal zu uns holen wollten. Damals ist er aber nach Rumänien (Anm.: zum FC Vaslui) gegangen und ...

 

... als er es dort nicht geschafft hat, war er plötzlich auch für Altach wieder ein Thema?
So würde ich das nicht sagen, aber bei Ortiz ist der Kontakt nie abgerissen und uns war immer klar, dass er ein Guter ist. Er war immerhin in der spanischen U19-Nationalmannschaft und so haben wir uns über die Gründe erkundigt, warum es für ihn in Rumänien nicht nach Wunsch gelaufen ist und haben ihn dann zu einem Probetraining eingeladen, bei dem er voll überzeugt hat. Wichtig bei den Neuzugängen war uns auch, dass wir Spieler dabei haben, die mehrere Positionen spielen können und uns somit mehr Variabilität und Handlungsmöglichkeiten geben.

 

Dabei dürfte Jan Zwischenbrugger ein sehr spezieller Fall sein?
Defintiv! Er war bei Austria Lustenau als offensiver Mittelfeldspieler sehr erfolgreich, hat viele und auch sehr schöne Tore geschossen und ihm wurde eigentlich von allen Seiten das Talent und das Können bescheinigt, dass er es in der Bundelsliga schaffen kann, wo er sich dann aber nicht so in Szene setzen konnte. Nach einigen Gesprächen waren wir von seiner Persönlichkeit und seiner Einstellung absolut überzeugt. Ein weiterer Aspekt bei der Verpflichtung war natürlich seine variable Einsatzfähigkeit, so haben Damir und ich ihn aufgrund seiner technischen Voraussetzungen und Spielintelligenz eher im defensiven Mittelfeld oder sogar in der Innenverteidigung gesehen. Bei vielen Experten haben unsere Überlegungen für Kopfschütteln gesorgt, aber wie man sieht funktioniert es und wir sind sehr zufrieden mit ihm.

 

Sind Zwischenbrugger, Ortiz und Kovacec damit „Role Model" wie Altach am Transfermarkt agiert? Werden in erster Linie Spieler verpflichtet, die es trotz guter Anlagen woanders nicht geschafft haben?
Natürlich, aber es bleibt uns auch gar nichts anderes übrig. Wie sollen wir auch auf andere Spieler zugreifen? Wir können nur die Spieler holen, die anderswo nicht spielen, denn würden sie dort spielen, dann kämen sie nicht zu uns. Zu Pasching haben wir damals auch Mayrleb, Hörtnagl oder George Datoru geholt, die bei anderen Vereinen nicht mehr erwünscht waren, aber dann bei uns voll eingeschlagen haben. Und hier ist es nicht anders. Andi Lukse kannte ich etwa noch aus meiner Zeit bei Rapid, da war schon klar, dass er vom Potenzial her ein hervorragender Bundesliga-Tormann werden kann, aber es halt an gewissen Dingen hapert, weshalb er sein Potenzial noch nicht abrufen konnte. Wir haben uns dann eingehend über den Spieler informiert und waren von der Verfplichtung überzeugt, dass es dann so aufgeht, ist natürlich schön.

 

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Nein, wir haben keine Scoutingabteilung, sondern vertrauen da voll und ganz unserem hervorragenden Netzwerk..< /div>< /div>< /blockquote >


Womit wir wieder beim Thema wären: Wie gehen Sie vor, um dieses Glück, von dem Sie schon zuvor gesprochen haben und das sie auch hier wieder beschreiben, zu maximieren?
Genau so, wie wir bei Lukse vorgegangen sind. Oder auch bei Ismael Tajouri. Bei ihm war uns auch klar, dass er einiges auf dem Kasten hat. Maßgeblich für die Verpflichtung war dann unser Cheftrainer Damir Canadi, der Tajouri seit längerem beobachtet hat und immer wieder Kontakt zu ihm pflegte. Nachdem er bei der Austria keine Perspektive gesehen hat, haben wir ihn per Leihe (Anm.: Altach besitzt eine Kaufoption) zu uns geholt, um ihn hier aufzubauen. Dass er gleich voll einschlägt und hier Publikumsliebling wird, war aber nicht vorhersehbar.

 

Arbeiten Sie bei der Spielersuche auch mit Scouts zusammen?
Nein, wir haben keine Scoutingabteilung, sondern vertrauen da voll und ganz unserem hervorragenden Netzwerk. Ich bin jetzt seit mehr als 30 Jahren im Geschäft, da hat man sich einfach ein dichtes Netz aufgebaut, auf das man immer wieder zurückgreifen kann. Egal, ob das nun ehemalige Spieler, ehemalige Trainer oder aktuelle Spieler sind – da gibt es vielfältige Möglichkeiten, die man sich aber natürlich auch erarbeiten muss ...

 

... und wo man selbst auch Teil davon ist? Frei nach dem Motto „eine Hand wäscht die andere"?
Natürlich kommen da auch in die andere Richtung immer wieder Anfragen. Das ist Teil des Systems – nicht nur bei kleinen Vereinen wie Altach, sondern auch bei großen Mannschaften. Ich bin da schon um Auskunft über Spieler oder Trainer in Österreich gebeten worden, das würde keiner für möglich halten. Das ist Teil des Geschäfts.

 

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Neben der guten Lebensqualität spricht zunehmend aber auch die Plattform für uns, die wir hier in der Region den Spielern bieten können.< /div>< /div>< /blockquote >

 

Gehören zu diesem Geschäft auch Manager?
Natürlich, ohne geht es einfach nicht. Erstens haben sie die Spieler unter Vertrag und muss man bei Interesse sowieso mit ihnen reden und zweitens kann das in der Zusammenarbeit auch durchaus bereichernd sein. Ein guter Spielervermittler will seine Spieler schließlich auch bei einem Verein unterbringen, wo sich diese weiterentwickeln und wo sie auch zum Einsatz kommen und insofern sehe ich in der Zusammenarbeit sogar eine Win-Win-Situation.

 


Wie nachhaltig ist dieses Netzwerk für den Verein? Ist das ihr Netzwerk, das sie bei einem allfälligen Abgang dann auch mitnehmen und damit dem Verein entziehen oder lässt sich das auch auf den Verein übertragen?
Natürlich hat auch der Verein diese Kontakte, unser Geschäftsführer Christoph Längle hat da unabhängig von mir und von Damir Canadi ein breites Netz an Ansprechpartnern, auf die er zurückgreifen kann und das wir auch mit unseren Kontakten verweben, um das ganze noch effektiver zu machen und um noch mehr Türen zu öffnen.

 

Mit welchen Argumenten können Sie Spieler dann von einem Transfer nach Altach überzeugen?
Da spielt zuerst die Möglichkeit hier Bundesliga und damit erste Liga zu spielen eine Rolle. Neben der guten Lebensqualität spricht zunehmend aber auch die Plattform für uns, die wir hier in der Region den Spielern bieten können. Bei uns sind bei jedem Spiel zahlreiche Scouts aus der ganzen Umgebung, aus der Schweiz, von Vereinen aus der zweiten deutschen Bundesliga wie Heidenheim oder Karlsruhe, aber auch aus der ersten deutschen Liga wie Freiburg im Stadion. Die Spieler haben hier also vielfältigste Möglichkeiten sich zu präsentieren und dann den nächsten Schritt zu machen.

 

Widerspricht das nicht irgendwie der eigenen Zielsetzung? Einerseits möchte man die bestmöglichen Spieler zum Verein holen und sie weiterentwickeln, gelingt das aber, sind die Spieler auch schon wieder weg, weil sie dann auch für andere Vereine interessant sind?
Spieler wie Trainer werden nur dann ihre beste Leistung abrufen können, wenn sie sich weiter entwickeln und in ihrer Karriere vorankommen wollen. Alles andere wäre Stillstand und wenn es dann eben so ist, dass sich der Spieler oder der Trainer verändern möchte, dann kommt eben ein anderer Spieler oder Trainer nach, der sich bei uns auch beweisen und entwickeln möchte. Natürlich ist es schade, wenn wir gute Leute verlieren, aber im Profifußball gehört das zum täglichen Geschäft und über die Erlöse ergeben sich auch wieder neue Möglichleiten.

 

Langfristig eine Mannschaft aufzubauen wird dadurch aber fast unmöglich?
Natürlich ist das schwierig, selbst Rapid und Austria haben mit diesen Problemen zu kämpfen. Bei uns ist das dann erst recht der Fall und das wird durch den sportlichen Erfolg natürlich nicht leichter. (lacht)

 

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Grundsätzlich wollen wir uns nicht zu sehr einschränken, in erster Linie sehen wir uns aber in Österreich um.< /div>< /div>< /blockquote >

 

Inwiefern?
Bei uns laufen jetzt zehn Verträge aus und natürlich bemühen wir uns diese auch zu verlängern, aber sportlicher Erfolg macht die Spieler bekanntlich selten billiger. Trotzdem kann ich ruhig schlafen, weil ich weiß, was ich den Spielern bieten kann und ich weiß, dass das in Summe mit unserem Umfeld und dem Trainer, der Spieler weiterentwickeln kann, durchaus attraktiv ist. Wenn es passt, wird der Spieler von uns jede Unterstützung kriegen und wenn es nicht passt und der Spieler vielleicht wegen 500 Euro wechseln will, wird man halt getrennte Wege gehen – in der Wirtschaft ist es ja auch nicht anders, dort kann man auch nicht planen, dass man mit demselben Team die nächsten fünf Jahre zusammenarbeiten kann.

 

Auf welche Märkte konzentriert sich Altach bei der Spielersuche?
Grundsätzlich wollen wir uns nicht zu sehr einschränken, in erster Linie sehen wir uns aber in Österreich um. Hier gibt es viele Spieler, die für uns in Frage kommen, auch wenn diese zunehmend auch in den Fokus von Rapid, Austria und Sturm rücken. Diese Vereine hatten es früher auf andere Spieler abgesehen, aber dadurch, dass in den vergangenen Jahren so viele talentierte österreichische Kicker ins Ausland gegangen sind und schon so viele weg sind, bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als nach ähnlichen Kriterien vorzugehen, wie wir das seit Jahren tun. Das ist am Markt spürbar, und macht die Suche für uns nicht unbedingt leichter – im Konkurrenzkampf mit Rapid oder Austria um einen Spieler ziehen wir im Regelfall den Kürzeren. Die Luft wird also definitiv dünner.

 

Zeigt das den aktuellen Status unserer Liga, wenn immer mehr Spieler wie zuletzt Christopher Trimmel oder Lukas Hinterseer selbst deutsche Zweitligisten der heimischen Bundesliga vorziehen?
Natürlich, rein schon was die Gehaltsvorstellungen betrifft sind wir da zunehmend chancenlos. Auf der anderen Seite gehört das auch zum Geschäft und man muss das zur Kenntnis nehmen und akzeptieren.

 

Wird sich diese Schere, die hier in den vergangenen Jahren nicht nur zu den Clubs der ersten deutschen Liga sondern auch zu denen der zweiten deutschen Liga aufgegangen ist, in Zukunft wieder schließen lassen oder wird sie sogar noch weiter aufgehen?
Ich glaube, dass sie noch größer wird, wobei es diese Schere nicht nur in Bezug auf Deutschland gibt. Diese Schere gibt es auch zu den Clubs aus Italien, Spanien, den Niederlanden und England, selbst zu Mannschaften aus Russland, der Türkei und der Ukraine und auch bei manchen Mannschaften in Aserbaidschan oder Kasachstan wird heute über dem Durchschnitt bezahlt.

 

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Die Scouts stehen mittlerweile bei den U16- und U15-Spielen der Akademien und reden dann schon mit den Eltern.< /div>< /div>< /blockquote >

 

Topspieler, wegen denen die Zuschauer ins Stadion kommen, wird es vor diesem Hintergrund bei unseren Vereinen – Salzburg ausgenommen – so schnell wohl nicht mehr geben?
Bei uns in Altach ist daher vor allem die Mannschaft der Star, wir haben zwar Führungsspieler wie Aigner und Netzer, aber insgesamt steht bei uns das gesamte Kollektiv im Vordergrund. Das ist aber nicht nur in Altach so, auch andere heimische Vereine setzen ähnliche Prioritäten. Die Gehaltsvorstellungen sogenannter Topspieler sind oft exorbitant hoch und solche Spieler ziehen andere Ligen der österreichischen vor. Die Zeiten der Nyilasis, Panenkas und Brucics früher oder die eines Acimovic, Jelavic oder Sionko in den letzten Jahren, sind vorbei. Das gilt für Rapid, Austria und Sturm, aber erst recht für uns. Einzige Ausnahme ist da Red Bull Salzburg, die in den letzten Jahren immer wieder routinierte Stars wie Zickler, Kovac und Linke zu sich locken konnten, aber auch mit jungen, hungrigen Spielern wie Mane und Kampl ein Zeichen gesetzt haben. Topspieler können wir uns also nur selbst ausbilden und auch das wird immer schwieriger.

 

Weil mittlerweile auch die jungen Spieler noch bevor sie bei unseren Vereinen in der Bundesliga zum Einsatz kommen, ins Ausland wechseln?
Die Scouts stehen mittlerweile bei den U16- und U15-Spielen der Akademien und reden dann schon mit den Eltern. Wenn dann zum Beispiel Angebote von Dortmund oder Stuttgart kommen, kann man mit denen nur schwer konkurrieren. Klar kann man da unseren Weg aufzeigen, aber da braucht es schon viel Überzeugungsarbeit, damit man Spieler zum Bleiben bewegt. Nichts desto trotz haben wir mit der Entwicklung durch die einzelnen Ebenen über die Akademie in die Amateurmannschaft und weiter zur Profiabteilung momentan einen guten Weg gefunden, um Spieler an unseren Verein zu binden und ihnen eine gute Ausbildung sowie weiterführende Perspektiven zu bieten. Dass dieser vorgeschlagene Weg gut funktioniert, beweist ein kurzer Blick auf die Kaderliste, in der sich derzeit neun Vorarlberger befinden. Zudem wollen wir auch junge Spieler wie Tajouri zum Verein holen, diese weiter entwickeln und dann verkaufen – eine andere Möglichkeit sehe ich nicht. Von Rapid oder Austria können wir keinen Top-Spieler abwerben, das passiert eher umgekehrt. Unser Weg ist es, Leute wie den Amerikaner Joshua Gatt zum Verein zu holen und sie dann, wie in diesem Fall, nach Norwegen zu Molde (Anm.: Transfer fand im Jänner 2011 statt) oder sonstwohin zu verkaufen.

 


Welche Zielsetzungen verfolgen Sie vor diesem Hintergrund mit Altach in der Bundesliga? In einem ersten Schritt wird es wohl darum gehen, sich in der Liga zu etablieren, aber welche Rolle trauen Sie Altach mittel- bis langfristig in der Bundesliga zu?
Sportlich ist der erste Ansatz in der Liga zu bleiben. Auf das haben wir lange hingearbeitet und das wollen wir auch konservieren. Auf das aufbauend, können und wollen wir uns dann aber weiterentwickeln, sportlich wie infrastrukturell. Dabei wird ein modernes Stadion wohl entscheidend sein. Das zeigen viele Beispiele im In- und Ausland. Auch für Ried ist das Stadion die Basis dafür, dass sie seit so vielen Jahren erfolgreich in der Bundesliga spielen.

 

Seit einigen Wochen gibt es diesbezüglich bei Altach ja konkrete Ausbau- und Umbaupläne...
Wir streben da in einigen Bauphasen zahlreiche Verbesserungen vom Trainingsplatz bis hin zu den Stehplatztribünen und dem Businessbereich an. Hier muss man aber festhalten, dass es nicht nur um die Verbesserung der Gesamtsituation geht, sondern auch seitens der Bundesliga lizenzbedingte Aufrüstungen und Korrekturen wie etwa im Bereich der Rasenheizung oder des Flutlichts dringend nötig sind. Eine bundesligataugliche Infrastruktur ist nicht nur für den täglichen Trainingsbetrieb essentiell, sondern auch für das Gesamterlebnis Bundesliga, da muss man dem Fan auch etwas bieten können, um ihn ins Stadion zu locken. Altach hat aus meiner Sicht absolut das Potenzial dazu, ein tolles Stadion mit 8.000 Zuschauern zu füllen und genau dieses Potenzial gilt es auch auszuschöpfen.

 

Ließen sich über ein modernes Stadion auch neue Sponsoren anlocken?
Klar würde das damit viel, viel leichter fallen, davon bin ich hundertprozentig überzeugt. Wir brauchen die Fans beim Fußball, aber auch die Sponsoren darf man in der jetzigen Wirtschaftslage nicht vergessen. Diese wollen natürlich im Gegenzug auch eine angemessene Plattform um sich zu präsentieren. Völlig logisch, aber dazu muss man halt jetzt einmal investieren. Daran führt kein Weg vorbei. Das entsprechende Konzept, das wir in den kommenden Jahren hoffentlich in mehreren Schritten umsetzen können, haben wir jedenfalls.

 

Läuft Altach bei den aktuellen Bemühungen nicht ein wenig Gefahr, sich zu viel auf die Infrastruktur zu konzentrieren und den sportlichen Bereich etwas aus den Augen zu verlieren?
Das darf natürlich nicht passieren, zu allererst muss aus meiner Sicht in Beine und dann in Steine investiert werden. Wenn der sportliche Erfolg nicht da ist, hilft uns auch das tollste Stadion nicht, aber auch umgekehrt wird es mit einer guten Mannschaft, ohne tolles Stadion nicht klappen.

 

Sie haben zuvor gesagt, in einem ersten Schritt geht es für Altach darum, die Klasse zu halten. Wo sehen Sie den Verein dann mittel- bis langfristig in der Bundesliga?
Die Vision ist die eines Vorarlberger Fußballvereins, der alle Vorarlberger Fußballfans anspricht und zum Zugpferd für das ganze Bundesland wird. Sportlich sind wir auf dem besten Weg dazu und wenn jetzt die geplanten Infrastruktur-Maßnahmen umgesetzt werden, dann werden wir uns auch in diesem Bereich entsprechend positionieren. Langfristig traue ich uns dann eine Rolle als solider Mittelständler in der Bundesliga zu, der dann und wann auch für Highlights zu haben ist, der vielleicht in der Meisterschaft mal vorne um die Europacupplätze mitspielt und in einem anderen Jahr vielleicht im Cup eine gute Rolle spielt.
Danke für das Gespräch!

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