2014

Adi Hütter: ‚Ich finde, dass wir eine richtig geile Philosophie haben'

Was macht man als Trainer, wenn man zu einem Verein kommt, der eines der erfolgreichsten Jahre der Vereinsgeschichte hatte? Vor dieser Aufgabe stand Adi Hütter im Sommer. Die Bilanz im 90minuten.at-Interview mit Adi Hütter fällt gemischt aus. Das Gespräch

 

Bekanntlich war Adi Hütter schon mit einem Fuß Ried-Trainer, ehe er doch zu Red Bull Salzburg zurückgeholt wurde. Das ist unüblich. Denn normalerweise gibt es bei Red Bull eine Chance – und die hatte Hütter als Juniorstrainer. Das große Ziel, die Champions League, hat auch er nicht erreicht. Ein dummer Fehler im Heimspiel, taktische Mängel auswärts und ein Gegner, der – wie davor nur Basel in letzter Konsequenz und nun schon zwei Mal der Wolfsberger AC – das perfekte Rezept und das Quäntchen Glück gegen die Bullen hatte. Auch Sadio Manés Weggang hat die Sache nicht einfacher gemacht. Nicht, dass das eine Ausrede für Malmö ist, es zog vielmehr riskante taktische Adaptierungen während der Saison nach sich. Und über all das hat Adi Hütter mit 90minuten.at gesprochen.

 

90minuten.at: Herr Hütter, wie resümieren Sie die Hinrunde?
Adi Hütter: Der Einstieg war sicherlich sehr gut – sechs Siege in Folge. Leider Gottes haben wir dann unser großes Ziel Champions League durch das Ausscheiden gegen Malmö nicht erreicht. Das war ein Tiefschlag. Man hat in der Meisterschaft dann gemerkt, dass wir angeknackst waren. Aber wir sind in dieser schwierigen Phase noch enger zusammen gerückt. In der Europa League haben wir uns mit dem Aufstieg als Gruppenerster rehabilitiert. Wir haben zwar dann in der Meisterschaft auch immer wieder ein paar Punkte gelassen; aber unterm Strich sind wir sechs Punkte vorne, sind auch im Cup weiter. In Summe gesehen ist das eine sehr ordentliche Herbstsaison. Wir sind bei mehr geschossenen Toren nur zwei Punkte schlechter als letztes Jahr, in dem so viele Rekorde aufgestellt wurden. Viele Sachen waren schon gut, rundum glücklich bin ich aber noch nicht. Wir hatten aber auch Probleme mit ständigen Verletzungen.

 

Es gab zuletzt einen gewissen Spannungsabfall. Warum?
Das kommt halt immer wieder vor und ist nicht das, was ich sehen möchte. Ich muss aber weiter ausholen: Gegen Altach war es das siebente Spiel in 22 Tagen. Meine Mannschaft war physisch und mental leer, Altach hat einen sehr guten Tag erwischt und wir einen sehr schlechten. Und auch jetzt haben wir uns gegen den WAC nach einem sehr guten Spiel in Glasgow schwer getan. Da gilt es nun den Hebel anzusetzen, damit wir versuchen, das besser zu meistern. Aber man sieht das international auch immer wieder, dass es nach Champions League- oder Europa League-Spielen national recht schwierig ist.

 

Sie stellen trotzdem immer elf fitte Spieler auf, die die Taktik kennen. Sie haben da dann die mangelnde Laufbereitschaft mokiert.
Ich kann mich nicht erinnern, die Laufleistung meiner Spieler kritisiert zu haben. Aber vielleicht war die Laufbereitschaft in dem einen oder anderen Bundesliga-Spiel nicht so wie in den internationalen Spielen, was auch logisch ist, weil Gegner bzw. Spielverlauf anders sind. International geht der Gegner auch öfters in die Offensive. Wenn du zu Hause 8:0 gegen Grödig gewinnst, hast du beispielsweise auch eine andere Laufleistung als in Zagreb gegen Dinamo. Das ist ein ganz anderes Spiel.

 


Wie bewertet Ralf Rangnick den Herbst, vor allem die taktischen Adaptierungen nach Malmö?

Was ich mit Ralf Rangnick bespreche, das bleibt auch zwischen uns beiden. Die Systemumstellung war notwendig, weil ich gesehen habe, dass mit Sadio Mané ein Spieler weggegangen ist, der das Flügelspiel sehr gut interpretiert hat. Und mit Massimo Bruno und Kevin Kampl habe ich Spieler, die eher im Zentrum gut sind. Da habe ich versucht umzustellen, damit die besten Spieler auf den besten Positionen spielen – so wie das Spiel vergangenes Jahr auf Sadio zugeschnitten war. Da war aber auch Einiges an Risiko dabei, weil wir uns in einer schwierigen Phase befunden haben und das hätte auch in die Hose gehen können. Wir hatten aber dann in 13 Spielen elf Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage. Wir haben einfach zurückgeschlagen, als es kritisch war. Entscheidend ist, dass wir wieder in die Erfolgsspur gefunden haben. Und das ist nicht so leicht, wenn man ein großes Ziel verpasst. Man hat mich nach dem 2:2 gegen Celtic (Anm.: Erstes EL-Gruppenspiel) befragt und gemeint, dass das schwer wird – jetzt haben wir 13 Punkte nach fünf Spielen und liegen fünf Punkte vor Celtic.

 

Adi Hütter ist nicht Roger Schmidt, aber die Spielstile ähneln sich. Der WAC hat zuletzt aber – wie Basel, wie Malmö – gezeigt, dass mit engagierter Physis und einem guten Defensivplan etwas möglich ist. Hat dieser „Red Bull Salzburg"-Stil Grenzen – eben da, wo gut und konzentriert mit Mann und Maus verteidigt wird?
Wenn sich eine Mannschaft mit zwei engen Ketten aufstellt, ist das für jede Mannschaft schwierig, die richtigen Lösungen zu finden. Wenn man dann auch nicht die geistige Frische hat, wie wir gegen den WAC, ist es manchmal so, dass wenige Chancen heraus gespielt werden. Aber das hat mit der Philosophie nichts zu tun. Ich finde, dass wir eine richtig geile Philosophie haben, die sehr schwierig zu spielen ist. Man muss 90 Minuten hoch konzentriert und wach sein. Solche Spiele wie gegen den WAC wird es immer wieder geben. Es ist nicht so, dass es ein einziges System gibt, dass das Allheilmittel ist – sonst würde es ja jeder spielen. Auch wir stoßen an unsere Grenzen. Und wenn wir die Physis nicht haben und die geistige Frische fehlt, wird es schwer. Jeder glaubt, wir gewinnen jedes Spiel fünf oder sechs zu null. Das ist absolut unrealistisch.

 

Basel, unter Ihnen dann Malmö und WAC – das waren ja schon Big Points. Lässt man sich da vom Gegner beeindrucken?
Man muss immer Lösungen finden. Jeder Stil gegen uns hat seine Berechtigung. Gegen Altach zu Hause haben sie zu neunt verteidigt und auch 5:0 verloren. Wenn wir die geistige Frische haben, super gegen den Ball arbeiten und Gegenpressing betreiben, dann kann der Gegner zu neunt hinten stehen und es tun sich immer wieder Löcher auf. Malmö hat uns auswärts mit einer Art und Weise vom Zweikampfverhalten sehr weh getan. Celtic hat es auch probiert und wir haben trotzdem gewonnen. Man darf nicht vergessen, dass es zuhause gegen Malmö eigentlich 3:0 oder 4:0 hätte stehen können. Der Gegner hat dann durch einen individuellen Fehler das 1:2 gemacht und im Rückspiel hat unsere Leistung nicht gepasst. Malmö hat das erzwungen. Aber ich bin von unserem Stil überzeugt. Jetzt haben wir 30 Spiele gespielt und da muss man auch der Mannschaft ein Kompliment machen. Viele spielen auch noch in den Nationalteams und haben kaum Pausen.

 

Das heißt, dass dieser Stil von zuletzt, auch mit den defensiven Phasen, das ist, was sie im Rest der Saison sehen wollen, womit sie auch darüber hinaus erfolgreich sein wollen?
Mit dem Ball haben wir uns verbessert, aber gegen den Ball haben wir durch die Systemumstellung Phasen, in denen es nicht so gut funktioniert. Aber wir haben das unter der Saison umgestellt. Im Winter können wir viele Dinge verfeinern und festigen. Da setzen wir an.

 

Haben Sie dann im Winter eigentlich die Mannschaft, die im Sommer endlich in die Champions League kommen soll?
Das ist eine Frage, die ich jetzt nicht beantworten kann. Aber dazu folgen in den nächsten Wochen intensive Gespräche mit Sportdirektor Ralf Rangnick.

Wir danken für das Gespräch!

>>> Ralf Rangnick im Interview: ‚Stellen uns Fußball wie unter Roger Schmidt vor'

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