Philipp Hosiner: 'Da steckt schon ein bisschen mehr Taktik dahinter'
Im Sommer hat Philipp Hosiner als Admira-Stürmer noch gemeint, dass Taktik mitunter nicht so wichtig ist. Ein halbes Jahr später sieht er die Sache differenziert. Der Austria-Wien-Goalgetter spricht im Interview mit 90minuten.at aber auch über seinen Lau
90minuten.at: Wir sprachen wenige Wochen vor Ihrem Wechsel zur Austria miteinander. Da sagten Sie „Gegen gute Mannschaften hat man weniger Taktik". Jetzt sind Sie bei so einer guten Mannschaft. Stimmt die Aussage noch?
Philipp Hosiner: Nicht mehr so ganz, denke ich. Für mich persönlich hat sich nicht so viel geändert, aber gegen einen guten Gegner können wir nicht mehr so befreit aufspielen wie bei der Admira. Es gibt von Seiten des Vereins, der Fans und von uns selber eine gewisse Erwartungshaltung. Deswegen können wir zum Beispiel gegen Sturm Graz nicht einfach drauf los spielen und sagen, dass es gut ist, wenn wir einen Punkt holen. Wir versuchen schon, das Spiel kontrolliert aufzubauen, dass keine Fehler passieren oder diesen weit weg vom eigenen Tor zu machen. Da steckt schon ein bisschen mehr Taktik dahinter.
Wie sind die Gefühle, wenn Sie sich die Tabelle anschauen, sehen, dass Ihr Ex-Klub Admira Wacker in Abstiegsnot geraten ist?
Ein paar Mannschaften stecken im Fußball immer hinten drinnen und es geht sehr schnell. Ich hoffe, dass sich die Mannschaft wieder unten raus kämpft und ich weiß auch, dass sie die Qualität dazu hat. Wenn sie gut in die Rückrunde starten, kann es schnell wieder nach vorne gehen. Sie sind nach hinten durch gereiht worden, aber davor waren sie gut unterwegs. Jetzt war für die Admira Gott sei Dank die Winterpause und wenn sie wieder in den normalen Rhythmus reinkommt, sammeln sie ihre Punkte wieder und kommen Stück für Stück da hinten wieder raus.
Was ist den auf mentaler Ebene der Unterschied zwischen Südstadt und Verteilerkreis?
Für mich hat sich nicht viel verändert. Ich beschäftige mich mit dem nicht, probiere immer, unbekümmert zu spielen. Ich mache mir da keinen Druck, will schon gewinnen und meine Tore machen, aber nicht mit aller Gewalt. Ich weiß einfach, dass ich meine Chancen bekomme, wenn ich dort hin gehe, wo es weh tut. Dann schaue ich, dass ich die Tore mache. Ich versuche aber nicht, mir den Ball aus dem Mittelfeld zu holen, alle auszuspielen und unbedingt ein Tor zu schießen. Der Spielertyp bin ich nicht. Ich bin immer auf meine Mitspieler angewiesen, dass sie mir die Bälle zuspielen. Das hat in der Hinrunde nahezu perfekt geklappt und wir haben die meisten Spiele gewonnen und ich habe fast immer getroffen.
Wie normal ist es, so regelmäßig zu treffen?
Normal ist es nie, Tore zu schießen und zu gewinnen. Es steckt ein hartes Stück Arbeit dahinter, wir trainieren die ganze Woche auf das Spiel hin, speziell auf jeden Gegner. Tore kriegt man auch in Österreich nicht geschenkt.
Ganz ehrlich: Wenn man in der einen Woche drei Tore schießt, in der nächsten zwei, wartet man da nicht mehr oder weniger auf den Zeitpunkt, an dem es nicht mehr klappt?
Nein, das denkt man überhaupt nicht. Wenn's läuft, dann läuft's einfach. Ich versuche, jeden Ball zu treffen, auch wenn er schwierig kommt. Ich nehme viel Risiko beim Torabschluss und einmal geht er halt über die Tribüne. Das kommt vor. Ich versuche darüber hinaus, immer den direkten Weg zu gehen, nicht viel auf die Seiten auszuweichen. Wenn man dann in einer spielstarken Mannschaft spielt, kommt man auch zu vielen Torchancen. Es ist ja nicht so, dass ich jedes Mal die erste Chance treffe. Manchmal habe ich vier Versuche gebraucht, um zu treffen. Da gibt es noch Verbesserungsbedarf.
Das heißt, ein Anderer hätte auch ähnlich viele Tore geschossen, weil die Grundausrichtung der Mannschaft stimmt?
Davon gehe ich aus. Ich will nicht sagen, dass das jeder schaffen kann oder dass es einfach war. Aber ich stehe da vorne, um die Tore zu machen. Ich bin überzeugt, dass jeder andere Stürmer im Kader vielleicht nicht so viele oder sogar noch mehr Tore geschossen hätte. Ein paar einfachere Treffer waren vielleicht schon auch dabei, aber da muss man auch erst sein.
Kann man der Konkurrenz Mut machen? Wo gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten in Ihrem Spiel?
Meine Schwäche ist definitiv das Kopfballspiel und da gilt es, dieses zu verbessern. Ich trainiere nach dem Training oft mit dem Co-Trainer das Spiel mit dem Kopf. Trotzdem habe ich ein paar Kopfballtore geschossen. Wenn es am Ende acht sind, bin ich zufrieden.
Peter Stöger sagte über Sie: „Der Philipp verkörpert das, was auf internationaler Ebene als moderner Stürmer bezeichnet wird." Im Sommer monierten Sie noch, dass Sie Ihre Leistungen noch nicht so konstant abrufen können. Sind Sie jetzt angekommen?
Komplett bin ich sicher nicht. Ich weiß, dass ich ziemlich viele Tore gemacht habe und durch die Zahl 21 sind vielleicht viele Menschen beeindruckt. Aber es gibt wirklich einige Sachen, die ich besser kann beziehungsweise die Qualität habe das besser auszuführen. Ich kann mich immer verbessern. Bei einigen Toren hatte ich viel Glück, weil zum Beispiel der Verteidiger ausgerutscht ist oder sie nicht aufgepasst haben. Manchmal war das Tor leer. So ist die Zahl zustande gekommen. Aber es kann auch Pech dazu kommen, dass man nur die Stange trifft. Dann macht man sechs Spiele gar kein Tor. Dann heißt es wieder, dass ich nur ein halbes Jahr gut gespielt habe und wieder in Normalform bin. Es geht sehr schnell. Ich beschäftige mich nicht damit, ob ich drei Monate oder nur einmal gut gespielt habe. Ich will immer meine Leistung zu bringen und bis jetzt ging es meistens gut. Es kann aber auch schlecht gehen. Ich versuche, von Spiel zu Spiel zu denken und im Training alles abzurufen, damit es am Wochenende klappt.
Co-Trainer Manfred Schmid hat uns viel über die Gegneranalyse erzählt. Sehen Sie sich die gegnerischen Verteidiger genau an, ob man an dem Innenverteidiger besser links oder rechts vorbei geht?
Im Spiel denkt man an so etwas nicht. Es ist schon so, dass wir auf die Gegner gut eingestellt werden, aber so genau funktioniert das nicht. Vielleicht im Unterbewusstsein. Es geht im Spiel so schnell, da kann man sich nicht daran erinnern, was man am Tag zuvor auf Video gesehen hat. Es gibt schon einige Dinge, wenn man zum Beispiel weiß, dass die Innenverteidiger langsam und kopfballstark sind, dass man dann keine langen, hohen Bälle auf mich spielt. Das ist aber eh klar.
Was machen Sie noch zusätzlich zu den Kopfballeinheiten?
Ich arbeite auch noch am Torabschluss sowie an eins-gegen-eins-Situationen – auf den Tormann zulaufen, einfach die Tore zu machen. Das kommt für einen Stürmer ja sehr oft vor.
Gibt es einen besonderen Kniff?
Einfach trainieren und die Situationen ständig wiederholen. So soll das auch sein. Manfred Schmid spielt mir die Bälle zu, ich versuche sie perfekt mitzunehmen und dann sofort den Abschluss zu suchen. Ich mache mir da nicht so viele Gedanken. Ich weiß nicht, wie es bei anderen Spielern ist. Bei mir geht das instinktiv.
Wie weh tun in der 80. Minute die Wege nach hinten, die wichtig sind und von Trainer Stöger auch gefordert werden?
Die sind extrem wichtig, vor allem wenn es 2:1 oder 1:0 steht. Es ist für die Mannschaft wichtig, dort wo ich spiele den Gegner im Spielaufbau gleich zu stören, die Verteidiger aggressiv anzulaufen. Damit ist mein Job eigentlich auch schon erledigt, ich laufe einmal hin und der Ball ist weg. Für mich ist das nicht so viel Arbeit wie für einen Mittelfeldspieler, der nachlaufen muss. Ich renne nur einmal hin und das mache ich gerne. Ich versuche, das immer zu machen.
Also werden die Fans Sie nicht erleben, wie Sie sich wie Wayne Rooney tief ins Mittelfeld zurück fallen lassen, den Ball erobern und Ihr Tor gleich selber einleiten?
Wahrscheinlich nicht (grinst). Bis jetzt habe ich so ein Tor in der Bundesliga nicht geschossen. Ich bin einfach nicht der Typ, der sich den Ball aus dem Mittelfeld holt und das Tor selber einleitet. Das ist bei uns auch extrem schwierig, weil wir nur mit einem Stürmer spielen. Wenn ich mir den Ball von hinten hole, ist keiner mehr vorne, dann kann man nur mehr über die Seite spielen und dann muss ich wieder vorne drin sein. Darum ist es meine Aufgabe, immer vorne zu sein, die Lücken zu suchen und hinter die Verteidigung zu kommen. Da ist eh genug zu tun.
Gab es im Herbst Kontakt zu Marcel Koller?
Den gab es eigentlich nicht. Aber es ist nicht die Pflicht des Teamchefs, jeden Spieler persönlich zu kontaktieren, wenn dieser einmal eine gute Leistung erbracht hat. Es waren genug andere dabei, die es sich verdient haben, im Nationalteam zu spielen. Der Teamchef kann nicht bei jeder Einberufung zehn Spieler anrufen und sagen, warum sie nicht dabei sind. Zur Zeit ist es schwierig ins Nationalteam zu kommen, so schwierig wie schon lange nicht. Das kann für mich nur ein Ansporn sein, meine Leistungen konstant zu bringen und zu verbessern, dann wird irgendwann die Zeit kommen. Ich setze mir da aber auch keinen Druck, denn ich weiß, dass ich nur in der österreichischen Liga spiele, dass die meisten in ausländischen Topligen spielen und dass das natürlich etwas anderes ist. Deswegen kann ich nichts Anderes machen, als bei der Austria meine Leistungen zu bringen und irgendwann wird es klappen.
Ich denke, dass es mit Arnautovic und Harnik auf den Flügeln mit Ihnen in der Mitte sehr interessant wäre.
Das sind alles Topspieler von denen man nur profitieren kann. Ich hatte die Ehre, schon einmal dabei zu sein und das waren zehn Tage, in denen ich mittrainieren konnte. Es war natürlich eine super Erfahrung, mit Spielern, die in Champions- und Europa League spielen zu trainieren.
Sie werden trotz des Umstandes, im Winter nicht wechseln zu können, von Topklubs beobachtet, jüngst verlautbarte spox.com, dass Borussia Mönchengladbach an Ihnen interessiert ist. Gab es schon Anfragen?
Ich habe in der laufenden Meisterschaft schon für Admira und Austria gespielt habe und bin in dieser Saison gar nicht mehr wechselberechtigt. Eigentlich bin ich darüber schon froh, sonst hätte ich jeden Tag Anrufe von den Medien bekommen. So habe ich im Winter Zeit.
Allerdings verkündeten die Bayern den Wechsel von Jan Kirchhoff, der im Sommer wechseln wird, auch schon jetzt.
Ich bin einfach froh, dass ich nicht wechseln darf und hätte es auch nicht gemacht. So bin ich noch glücklicher und kann mich auf die Austria konzentrieren und nichts Anderes.
Wir danken für das Gespräch!