Guido Burgstaller: 'Sind noch nie länger gelobt worden'
Rapid-Offensivspieler Guido Burgstaller polarisiert. Sein robustes und für die Mannschaft wichtiges Spiel steht medial im Gegensatz zu Aussetzern wie in der Europa League gegen Charkiw. Im Interview mit 90minuten.at spricht er über die mediale Aufbereitun
90minuten.at: War es spaßig, bei diesen eisigen Temperaturen im Freien zu trainieren?
Guido Burgstaller: Mir persönlich macht das nichts aus. Ich komme ja vom Land und da bin ich das gewohnt. Ich bin früher auch immer gerne Ski gefahren – das ist nicht so tragisch.
Haben Sie nach der langen Hinrunde versucht, ganz abzuschalten und den Ball nicht einmal angeschaut oder muss man im Fußball auch mental drinnen bleiben?
Ich glaube, das macht jeder auf seine Art. Ich bin einer, der schon gerne abschaltet, lese keine Zeitungen oder schaue nicht im Internet nach, ob es etwas Neues gibt. Ich lasse mich überraschen. Wenn es geht, fliege ich ein paar Tage weg und verbringe Zeit mit der Familie. Da kommt man ein bisschen runter, weil dann es ist sowie so wieder lang und hart genug.
Schieben Sie da sofort alles zur Seite, versuchen auch über Situationen, in denen es nicht optimal lief, nicht nachzudenken?
Die ersten zwei Tage denkt man schon noch ein bisschen nach, lässt sich das durch den Kopf gehen. Aber dann schalte ich ab.
Wie denken Sie über die Hinrunde? Viele Medien haben trotz Platz drei und Europa-League-Gruppenphase nicht unbedingt positiv berichtet?
Mit einem Sieg in der letzten Runde gegen Wiener Neustadt wäre es wohl eine richtig gute Herbstsaison gewesen, weil wir doch viel gespielt haben. Wir wissen auch alle, dass in der Europa League mehr als drei Punkte drinnen waren. Auswärts gegen Charkiw haben wir ein super Match gespielt. Daheim gegen Rosenborg haben wir durch unsere eigenen Fehler blöd verloren, genauso auswärts. Da haben wir zwei Kontertore gekriegt – das darf uns einfach nicht passieren. Aber dem Nachweinen bringt auch nichts mehr. Wir haben daraus gelernt und den Zuschauern daheim die drei Punkte geholt. Danach haben wir auch in der Meisterschaft wieder gewonnen. Vielleicht nicht immer schön, aber wichtig war, dass wir gewonnen haben. Aber – so wie immer alle sagen – unser Problem ist die Austria, weil sie eine so gute Hinrunde spielt. Salzburg hat den besten Kader und die besten Trainingsmöglichkeiten und wir sind nur drei Punkte hinter ihnen.
Befassen Sie sich rund um die Spiele mit der Bewertung Ihrer Leistung in Zeitungen oder auf Online-Portalen?
Nein, nicht wirklich. Als ich noch bei Wiener Neustadt gespielt habe, habe ich mich mehr damit befasst als jetzt. Es ist schwierig, weil es gibt Zeiten, in denen gut über dich geschrieben wird und Zeiten, in denen schlecht über dich geschrieben wird. Ich schaue da nicht so drauf.
Als es spielerisch nicht gut lief, fand die Tatsache, dass es im Klub einige Verletzte gab, medial wenig Beachtung. Stört Sie das?
Sicher denkt man sich, dass dieses oder jenes auch geschrieben werden könnte. Aber wir haben eben viele Verletzte gehabt und ein Schlüsselspieler wie der Steff (Anm.: Kapitän Steffen Hofmann) ist einfach sehr wichtig. Überhaupt für die Jungen in der Mannschaft. Wir werden nicht aufstecken und wissen, dass wir in den ersten vier Runden ein hartes Programm haben.
Ist man in der Winterpause nicht vielleicht ein bisschen zu lange weg vom Wettkampf? Gerade, wenn man mit einem schlechten Ergebnis in die Winterpause gegangen ist?
Das ist einfach reine Gewöhnungssache. Sicher wäre es leiwand, wenn wir die Saison durchspielen könnten und im Sommer länger Pause hätten, so wie in England. Aber das geht von den Verhältnissen her nicht, weil ja nicht jeder Verein eine Rasenheizung hat und der Boden gefroren ist. Der Winter macht das schwer. Und für uns ist es so doch besser, weil wir viele Spiele hatten. Die drei Wochen Pause waren für den Kopf gut und wir können uns jetzt auf die Rückrunde vorbereiten.
Ist die Übertrittszeit ein großes Thema? Im Sommer ist die Pause länger, da nimmt man es wohl eher an, wenn sich der Kader verändert. Im Winter ist dann ein Spieler einfach weg, der vielleicht gestern noch beim Training war.
Da spricht man sicher drüber. So wie bei Christopher 'Fritz' Drazan. Er war lang bei Rapid und es war ein schwerer Abschied, in der Kabine war es emotional und ich wünsche ihm alles Gute in Kaiserslautern. Aber das gehört im Fußball dazu, es geht Einer, ein Anderer kommt. Es ist bitter, wenn man ganz gut befreundet ist. Aber so ist es im Fußball leider.
Allen medialen Unkenrufen zum Trotz steht Rapid dort, wo es diese Saison möglich ist. Klar, Red Bull hat andere Möglichkeiten und ein Team, das drei oder vier Gegentore bekommt und dennoch gewinnt, hat eben einen Lauf. Was ist der Plan fürs Frühjahr?
Ich möchte einmal sagen, dass seit ich bei Rapid bin wir noch nie so richtig über einen längeren Zeitraum von den Medien gelobt wurden. Das erste Jahr war sehr schwierig, wir wurden Zweiter und haben uns für die Europa League qualifiziert. Mehr kann man sich nicht erwarten. Wir haben letztes Jahr als einziger Klub Salzburg im Titelkampf gefordert, die Austria war sieben Punkte hinter uns. Da wurde nichts geschrieben, es ist nur Kritik auf uns eingeprasselt. Ich persönlich kann damit aber gut umgehen. Mich juckt das nicht so richtig. Ich schaue, dass ich trainiere und wir die Spiele gewinnen.
Apropos Medien: Was ist denn da so die blödeste Frage, die Sie nach dem Spiel beantworten mussten?
Warum wir verloren haben. Du musst alles erklären, bist eh noch „haß", hast eine Chance vernebelt. Das sind halt einfach so Tage, an denen du alleine vor dem Tor bist und einfach nicht triffst. Das gibts. Das passiert den besten Fußballern der Welt und man kann das nicht immer erklären. Aber das gehört auch zum Geschäft, damit muss man leben und es ist komplett in Ordnung.
Wie gehen Sie mit Situationen wie zum Beispiel auswärts in Charkiw um, als Sie sich ungeschickt einen Platzverweis eingehandelt haben? Das wird ja auch nicht freundlich kommentiert...
Zunächst darf ich so ein Foul nicht machen und schon gar nicht kurz vor Schluss. Und ich habe mich bei der Mannschaft entschuldigt, weil ich dann zwei Spiele gefehlt habe. Ich hätte selber gerne gespielt, habe mir das Leben selber schwer gemacht. Das wurde dann in Videoanalyse angesprochen und es wird mir hoffentlich nicht mehr passieren.
Im Nationalteam nehmen Sie die Jokerrolle ein. Fühlen Sie sich wohl damit oder ist es ein Ziel, in die Startformation zu kommen?
Da muss man schon realistisch sein. Wir haben so viele Legionäre, die alle bei ihren Vereinen Stammspieler sind. Überhaupt in der Offensive. Ich bin jedes Mal froh, wenn ich dabei und auch, wenn ich rein komme. Ich habe dann immer Akzente setzen können, habe die eine oder andere Torchance aufgelegt oder selber gehabt. Leider hat es mit einem Tor noch nicht geklappt. Ich hoffe, ich werde weiterhin einberufen.
Ist die heimische Liga wirklich so weit weg, dass Marcel Koller kaum einmal einen Kicker aus der Bundesliga beginnen lässt? Ist die Schere zur deutschen Bundesliga aus Ihrer Sicht so weit aufgegangen?
Die Legionäre spielen jede Woche gegen richtig gute Gegner. Das ist ein anderes Niveau. Wir brauchen die österreichische und die deutsche Bundesliga gar nicht vergleichen. Wenn ein Baumgartlinger gegen Dortmund, Hamburg oder Bremen spielt, ist das einfach etwas Anderes. Die Spieler aus der heimischen Liga haben es schwer, Stammspieler im Nationalteam zu werden.
Welche Liga wäre die, wo Sie gerne spielen würden, um Stammspieler im ÖFB-Team zu werden?
Meine Lieblingsliga ist die Premier League. Ich mag das robuste, harte Spiel.
Ist da ein Weg wie bei Georg Margreitter, der sich über die Championship rauf arbeiten will, denkbar? Immerhin spielen Sie schon bei einem Spitzenklub um den Titel.
Der Schurli, mit dem ich in Wiener Neustadt gespielt habe, hat immer von England geträumt. Für ihn ist das eine tolle Option und eigentlich wollen die Wolverhampton Wanderers aufsteigen. Auch wenn es gerade schlecht läuft. In den nächsten Jahren steigt er sicher auf. So ist es auch möglich. Man muss eben immer abwiegen, wie der Kader ist und ob man aufsteigen kann.
Wir danken für das Gespräch!