Foto: © SCR Altach 2018 / November

Altach-Geschäftsführer Christoph Längle: "Es gibt kein Ultimatum"

Der SCR Altach hinkt den eigenen Ansprüchen hinterher. Am Wochende fielen dann auch noch Fans mit einem Stimmungsboykott auf. 90minuten.at hat mit Geschäftsführer Christoph Längle über die aktuelle Situation gesprochen.

Von Georg Sander

 

Am Wochenende protestierten in Altach die Fans. Eine Forderung der Fanszene war es, dass Präsident Karl-Heinz Kopf zurücktritt. Mit 22. März wird er sich nach zehn Jahren aus dem operativen Geschäft zurück ziehen. Er sagt: "Mit einem Transparent im Stadion hat das rein gar nichts zu tun. Das war lange geplant." Weiterhin im Raum stehen aber die Stadionverbote und die kritisierte Vermarktung der Fantribüne. Auch über das Vorgehen der Geschäftsführung in der nicht so erwarteten, schlechten sportlichen Situation ist zu reden. Altach-Geschäftsführer Christoph Längle bezieht bei 90minuten.at zu diesen Punkten Stellung.

90minuten.at: Gegen den SK Sturm rief die organisierte Fanszene von Altach zu einem Stimmungsboykott auf. Wie steht der Verein dazu?

Christoph Längle: Das kam für uns überraschend, wir wussten nichts davon. Es gibt zwar nie einen guten Zeitpunkt für so eine Geschichte, aber das war definitiv keiner. Es war ein wichtiges Spiel und wenn die Fans zu einem Stimmungsboykott aufrufen, ist das nicht erfreulich. Das war überzogen. Aber bei Konflikten mit Fans fühlen sich diese immer ungerecht behandelt und dann heißt es immer wieder böse Polizei, böser Verein. Wir hatten gute Gründe, ein paar Hausverbote zu verteilen. Das waren die Vorfälle nach dem LASK-Spiel bzw. beim Spiel in Innsbruck. Es waren keine Körperverletzungen, aber es war ein Verhalten, größtenteils waren es Wiederholungstäter, die uns zu dieser Maßnahme gezwungen haben. Im Endeffekt haben drei Fans zwei Spiele eine Nachdenkpause jetzt gegen Sturm und dann gegen Hartberg bekommen. Drei weitere Fans die Wiederholungstäter sind und aus dem Ausland stammen, haben ein längeres Stadionverbot.

 

90minuten.at: Wer ist das? 

Längle: Wir haben immer wieder das Problem, dass sich unsere Fans mit Gruppen vom Eishockeyverein HC Davos und den Grasshoppers verbünden. Es spricht grundsätzlich nicht dagegen, aber wenn so Leute eingeschleust werden, die nachweislich in der Schweiz gewisse Dinge auf dem Kerbholz haben, sehen wir das nicht so gern. Darum haben wir durchgegriffen, es ist aber für uns nicht Dramatisches. Grundsätzlich haben wir ein gutes Verhältnis zu den Fans und in Vorarlberg keine Fanproblematik. Wir wollen gewisse Dinge einfach im Keim ersticken. Darum sind wir von der Richtigkeit unserer Vorgehensweise überzeugt – auch wenn es immer auch eine andere Seite mit einer anderen Meinung gibt,

 

90minuten.at: Die Fans werfen dem Klub vor, dass mit ihnen nicht gesprochen wurde.

Längle: Das ist falsch. Der Fanbeauftragte war dabei. Ich führe aber sicherlich nicht mit jedem einzelnen, der eine Strafe bekommt, ein Einzelgespräch. Wo führt das hin? Letzte Woche gab es schon längst einen Termin, der am kommenden Mittwoch stattfinden wird. Wir wussten von der Aktion schlichtweg nichts, den Termin gab es schon.

 

90minuten.at: Die Fans bemängeln weiters die Vermarktung der Fantribüne: „Lasst unser neues Herzstück im Schnabelholz nicht zur Litfaßsäule werden“.

Längle: (denkt nach) Ja, dazu gibt es zwei Meinungen, aber es gibt sicherlich Dressen, die mehr einer Litfaßsäule entsprechen. Ich will da auch niemanden anschwärzen, aber wir behalten uns das vor, weil wir wie jeder Klub danach trachten, Werbeflächen zu verkaufen, um wirtschaftlich konkurrenzfähig zu sein. Wir zählen zu den Clubs die mit den geringen Etat in der Liga haben und viel Aufholbedarf in Sachen Infrastruktur haben, von irgendwo her muss das Geld ja kommen. Für so eine Geschichte habe ich null Verständnis und gebe dem Ganzen kein Gewicht. Das ist eine kleine Minderheit, die diesen Zugang hat.

"Es ist nun eine harte Aussage die ich nur treffe um die Situation zu erklären, aber wir haben uns bei der Punkteprämie leider einiges gespart. " - Christoph Längle

90minuten.at: Kommen wir zur gegenwärtigen sportlichen Situation. Nach fünf ungeschlagenen Spielen gab es zuletzt wieder zwei Niederlagen. Wie verfährt man auf der Geschäftsführungsebene weiter?

Längle: Wir analysieren entsprechend. Wir sind mit der Situation unzufrieden, das ist ja bekannt. Wir hatten einen sehr unruhigen Herbst aufgrund des schlechten Saisonstarts mit nur zwei Punkten aus acht Spielen. Diese Hypothek verfolgt uns und wir kommen nicht zur Ruhe. Wir sind jede Woche gezwungen zu liefern und das gelingt uns nicht. Die Fehlerquote ist zu hoch. Wir waren auch gegen Sturm nicht die schlechtere Mannschaft, machen aber die Fehler, die die Grazer nicht gemacht haben. So kommen die Ergebnisse zustande und wir versuchen es nächste Woche besser zu machen. Es gibt kein Ultimatum oder eine Zeitgrenze. Nach jeder Runde sitzen wir zusamen und sprechen über die Situation. Ein größeres Resümee gibt es in der Winterpause.

 

90minuten.at: In den Runden bis zum Ende des Grunddurchgangs trifft man mit Ausnahme der Admira in der 20. Runde nur auf Teams, die Stand heute in der Meistergruppe sind. Macht es die Sache auf einer gewissen Ebene leichter, wenn man jetzt schon für die Qualifikationsgruppe planen kann?

Längle: Einfach ist so eine Situation nie. Für uns ist Fakt, dass es heuer gegen den Abstieg geht. Dieser Situation müssen wir uns stellen und wir können uns darauf vorbereiten. Das Thema Abstieg wird im April/Mai entschieden, wenn die Punktehalbierung stattgefunden hat. Wir brauchen da nicht herumreden. Vor dem Spiel gegen Wacker Innsbruck haben wir davon geredet, dass wir bei einem Sieg noch einmal die Chance haben, unter die ersten Sechs zu kommen. Das können wir uns abschminken. Wir müssen die Wahrheit anerkennen. Das ist aber für Altach auch ok. Wir wissen, dass uns das blühen kann. Wir sind das fünfte Jahr dabei und haben das erste Mal richtig Abstiegskampf. Es wird drei, vier anderen Vereinen genau so gehen. Einen wird es dann treffen. Wenn man sich jetzt die Tabelle ansieht, werden Admira und Altach fix dabei sein, wer die vier anderen sind, wird sich in den verbleibenden Runden heraus kristallisieren.

 

90minuten.at: Die Zuschauerzahlen entsprechen ungefähr jenen des Vorjahres. Wirtschaftlich wird sich das untere Playoff also nicht unbedingt auswirken, oder? 

Längle: Es ist nun eine harte Aussage die ich nur treffe um die Situation zu erklären, aber wir haben uns bei der Punkteprämie leider einiges gespart. Einen wirtschaftlichen Schadenhaben wir nicht, wir budgetieren immer sehr konservativ. Damit sind wir in der Vergangenheit immer gut gefahren, darum gab es nie finanzielle Engpässe oder Lizenzauflagen. Mit mehr Erfolg gebe es mehr Ticketing- und Gastroeinnahmen, aber auch höhere Punkteprämien. Das hätte wir aber gerne in Kauf genommen.

 

90minuten.at: Noch kommen die Fans ...

Längle: Wenn irgendwann eine große Unzufriedenheit da ist, ist das nicht die Entwicklung, die wir sehen wollen. Es gibt in der Infrastruktur Fortschritte und jetzt hinkt das Sportliche hinterher. Wir haben uns mit dem besten Aufsteiger aller Zeiten 2014/15 und dem Winterkönig 16/17 die Latte sehr hoch gelegt. Zwei Jahre später sind wir am Boden der Tatsachen zurück. Aber wir haben auch in der Stunde des Erfolges gesagt, dass das wunderbar ist, wir aber wissen, was sonst noch passieren kann. Als Altach kann es immer passieren, dass man in einem Jahr in der Verlosung dabei ist, wenn es um den Abstieg geht.

Wir danken für das Gespräch!

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