Foto: © GEPA 2018 / April

Stefan Reiter: "Die Ligareform ist eine Aufblähung des Spitzenfußballs"

Seit Sommer 2017 ist Stefan Reiter sportlicher Leiter beim ASKÖ Oedt in der Landesliga in Oberösterreich. Davor war er zwölfeinhalb Jahre Manager der SV Ried. 90minuten.at spricht mit ihm über seine neue Aufgabe und die Bundesligareform.

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Das Gespräch führte Georg Sander

 

Wiederaufstieg in die Bundesliga, Vizemeister, Cupsieger, Europacup - Stefan Reiters Zeit bei der SV Ried war lange von Erfolgen geprägt. Im Februar 2017 folgte die Trennung, nach zwölfeinhalb Jahren. Der sportliche Erfolg blieb am Ende aus, Ried und Reiter passten nicht mehr zusammen. Lang ging Reiter aber nicht 'spazieren'. Im Juli wurde er als sportlicher Leiter des AKSÖ Oedt präsentiert. Landesliga statt Bundesliga also. Maßgeblicher Geldgeber ist Franz Grad, der einst Pasching in die Bundesliga brachte. Oedt ist Tabellenführer der Landesliga, im Kader stehen profilierte Kicker wie Mario Reiter, Primin Strasser oder Ali Hamdemir. Trainer ist Ex-Bundesligakicker Christian Mayrleb. Doch auch wenn es Geld und Qualität gibt, ist die Landesliga ein ganz anderes Pflaster als die Bundesliga. Gewöhnungsbedürftig war und ist das, wie Stefan Reiter gegenüber 90minuten.at erzählt. Reiter, der in Ried die Professionalisierung voran trieb, macht sich auch Gedanken über die Bundesligareform, die seiner Meinung nach zu kurz greift, weil sie die Regionalligen nicht mit einbezog. Die solle man überhaupt gleich abschaffen.

90minuten.at: Herr Reiter, wie geht es Ihnen beim ASKO Oedt?

Stefan Reiter: Mir geht es sehr gut. Es ist natürlich etwas anderes und ich habe meine Zeit gebraucht, um mich einzufinden. Womit ich mich nicht beschäftigt hatte, waren einige eigenartige Regelungen. Es gibt immer noch unterschiedliche Regulative.

 

90minuten.at: Wie etwa im Nachwuchs.

Reiter: Da fängt es an und es geht bis in die Kampfmannschaft. In Oberösterreich gibt es eine eigenartige Stammspielerregelung. Man muss sechs Spieler am Spielbericht haben, die Stammspieler sind, also drei Jahre zusammenhängend beim momentanen Verein sein. Dazu müssen vier U22-Spieler am Spielbericht sein, von denen einer beginnen muss. Das ist ja in Ordnung im Sinne der Nachwuchsförderung, aber es ist relativ kompliziert. Da gibt es ein paar Sachen, die so verwirrend und nicht zielführend sind, dass sie mich sehr beschäftigen. Ich fahre da auch scharfe Waffen gegen den oberösterreichischen Verband auf, um Sinnlosigkeiten abzustellen. Vieles gibt es in der Form zum Teil nur in Oberösterreich, wer in die Regionalliga will, spielt dann gegen Klubs aus der Steiermark und Kärnten und da gibt es das nicht.

 

90minuten.at: Sportlich passt es aber?

Reiter: Das ist der Anschein. Trainerteam und Mannschaft passen, wir haben eine starke Konkurrenz, wir stehen berechtigt am ersten Tabellenplatz und da wollen wir zu Saisonende stehen. Aber wir hatten ein paar Ausfälle und dann wird es mit den eigenartigen Regelungen schwierig und man weiß kaum noch, wen man aufstellen soll, um die Regularien einzuhalten.

 

90minuten.at: Ist es abgesehen davon auch eine große Umstellung, nicht mehr so im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen, wie damals bei der SV Ried oder als Liga-Aufsichtsrat?

Reiter: Wir haben hier in Oedt durch die Unterstützung von Franz Grad schon gute Bedingungen, die Richtung Professionalität gehen. Das war auch ein Mitgrund, warum er mich angerufen hat: Um im Umfeld Verbesserungen einzuführen. Wir haben ein tolles Fußballfeld, einen modernen Kunstrasenplatz. Wir haben ein paar andere Sachen nicht, da gibt es Probleme mit der Stadtgemeinde Traun, bei der Tribüne oder dem Flutlicht. Dabei würden keine öffentlichen Gelder verwendet werden, es wird einfach nicht erlaubt. Ich soll überall, beim Nachwuchs beginnend, nachjustieren und helfen. Da läuft es gut.

 

90minuten.at: Was haben Sie und der Herr Grad eigentlich vor?

Reiter: Er macht das schon einige Jahre, es ist lange nicht aufgefallen. Er hat sehr viele Mitarbeiter aus der Region und die hatten Probleme mit dem Sportverein und er hat sie ein bisschen unterstützt und es wurde immer mehr. Er ist nicht einfach hergekommen. Eigentlich hatte er das gar nicht vor.

 

90minuten.at: Wenn man sich einen Bundesligamanager holt...

Reiter: Er legt auf Personen, die er kennt, Wert. Er oder die Funktionäre haben einfach nicht die Zeit, das zu führen. Da muss wer drüber schauen. Die Strukturen sind ja fast-profimäßig, das passt so.

 

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