Zaric exklusiv: Das sind die Pläne des neuen Altach-Trainers
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Zaric exklusiv: Das sind die Pläne des neuen Altach-Trainers

Wenige Stunden nach seiner Präsentation als neuer Cheftrainer des SCR Altach spricht der Tiroler exklusiv mit 90minuten über den Wechsel, seine Spielidee, persönliche Ziele und den Werdegang.

Ognjen Zaric ist der neue starke Mann an der Seitenlinie des SCR Altach!

Der 36-jährige Tiroler übernimmt beim Klub aus der ADMIRAL Bundesliga das Traineramt und ersetzt den zu Sturm Graz abgewanderten Fabio Ingolitsch (Alle Infos >>>).

Zaric startete seine Trainerkarriere mit 21 Jahren in der Jugend des FC Kufstein. Danach coachte er unter anderem bei Unterhaching, Rosenheim, Basel und zuletzt bis Dezember 2024 beim FC Winterthur.

Im exklusiven Interview spricht der Österreicher mit 90minuten über seine erste Profi-Station in der Heimat, die eigene Spielidee, bevorstehende Aufgaben und persönliche Ziele.

90minuten: Sie wurden heute offiziell als neuer Trainer des SCR Altach vorgestellt. Wie war der erste Tag für Sie persönlich?

Ognjen Zaric: Sehr intensiv, aber natürlich mit großer Freude und viel Energie. Als ich dann in Richtung Stadion gefahren bin, hatte ich sehr positive Gefühle und ich freue mich extrem auf die Aufgabe. Es waren sehr viele Informationen in kurzer Zeit, trotzdem bin ich jetzt voller Tatendrang.

90minuten: Sie haben die Vorfreude schon angedeutet. Altach ist jetzt Ihre erste Trainerstation im Profifußball in Österreich. Wie glücklich macht es Sie, jetzt in der höchsten Liga angekommen zu sein?

Zaric: Sehr. Auch weil ich weiß, dass es privilegiert ist. Die Trainerjobs in Österreich sind natürlich begrenzt und daher ist es etwas Besonderes, hier zu sein. Ich hatte bereits das Glück, als jüngster Trainer in der höchsten Schweizer Liga tätig zu sein. Und ich muss einfach sagen, dass ich den SCR Altach als Klub geil finde.

90minuten: Sie treten in Altach das Erbe von Fabio Ingolitsch an, der zum amtierenden Meister Sturm Graz gewechselt ist. Wie der Salzburger gehören auch Sie zur jungen Trainergeneration. Was zeichnet Ognjen Zaric als Trainer und Mensch aus?

Zaric: Mir ist der menschliche Faktor sehr wichtig. Ich glaube, dass ich schon ein sehr umgänglicher Typ bin. Für mich spielt der Mensch hinter dem Spieler einfach eine große Rolle. Fühlt er sich wohl, kann er sich auch als Spieler besser entfalten. Nichtsdestotrotz geht es auch um Fußballinhalte und da wollen wir unsere Prinzipien und Ideen auf den Platz bringen. Da wollen wir eine gute Intensität und Power zeigen.

Wir brauchen eine sehr gute Energie, eine hohe Intensität und wollen aggressiv gegen den Ball sein. Im Ballbesitz geht es darum, die Räume dynamisch zu besetzen und zu bespielen.

Ognjen Zaric über seine Spielphilosophie.

90minuten: Woran soll man eine Zaric-Mannschaft erkennen? Was für einen Fußball möchten Sie mit dem SCR Altach spielen?

Zaric: Wir brauchen eine sehr gute Energie, eine hohe Intensität und wollen aggressiv gegen den Ball sein. Im Ballbesitz geht es darum, die Räume dynamisch zu besetzen und zu bespielen. Viel von dem war schon unter Fabio zu sehen und das wollen wir auch beibehalten. Im Spiel mit dem Ball wollen wir dann noch ein paar Nuancen reinbringen und dort die Mannschaft weiterentwickeln.

90minuten: Sind Sie ein Trainer, der ein fixes Spielsystem mitbringt oder sich je nach Spielermaterial anpasst?

Zaric: Mir sind Prinzipien sehr wichtig. Da geht es darum, was wir brauchen, um unsere Spielidee durchzuziehen und die Spieler in ihre bestmöglichen Positionen zu bringen. Und dann musst du natürlich auch noch den Gegner mit in die Rechnung nehmen. Am Ende ist das wichtiger als die Grundordnung.

90minuten: Für Sie geht es jetzt in erster Linie natürlich darum, die Mannschaft kennenzulernen. Wie sehr haben Sie die österreichische Liga, aber vor allem auch Altach zuletzt verfolgt?

Zaric: Natürlich sehr, auch weil ich viele Hospitationen gemacht habe und mich auch mit vielen Trainerkollegen ausgetauscht habe. Ich war in dieser Saison auch zweimal als Zuschauer hier in Altach im Stadion und habe dort Eindrücke gewonnen. Aber für das Detailbild muss ich jetzt mal die Mannschaft auf dem Platz kennenlernen. Das geht vor allem im Trainingslager nächste Woche sehr gut.

Am Samstag bestreitet der SCR Altach beim FC Luzern das erste Testspiel. Neo-Coach Ognjen Zaric wird das Spiel noch von der Tribüne aus verfolgen.
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Am Samstag bestreitet der SCR Altach beim FC Luzern das erste Testspiel. Neo-Coach Ognjen Zaric wird das Spiel noch von der Tribüne aus verfolgen.

90minuten: Wie sehen Ihre persönlichen Ziele für die kommenden Wochen aus? Worauf liegt der Fokus?

Zaric: Vom Timing her ist es jetzt natürlich sehr gut für mich. Wir fahren ins Trainingslager, haben viele Trainings und zwei Testspiele. Abseits davon können wir uns als Menschen kennenlernen und unsere Ideen implementieren. Wir wollen ein gutes Gemeinschaftsgefühl erzeugen und im Kollektiv stark sein.

90minuten: Unter Fabio Ingolitsch wurde in Altach viel verändert. Sehen Sie Ihre Aufgabe eher im Weiterentwickeln dieses Weges oder wollen Sie neue Schwerpunkte setzen?

Zaric: Die Arbeit gegen den Ball, die Umschaltmomente, die Energie und Intensität wollen wir natürlich beibehalten. Der nächste Entwicklungsschritt ist dann, dass wir mehr Spielkontrolle und auch mehr Ruhephasen mit Ball haben. Und dann wird es diese Momente geben, wo wir aus einer klaren Struktur wieder zu mehr Torchancen kommen wollen.

90minuten: Auch wenn es noch zu früh ist für eine Prognose. Was ist mit dem SCR Altach realistisch gesehen möglich?

Zaric: Es ist noch zu früh, eine Aussage zu treffen. Dafür muss ich die Mannschaft auch richtig spüren. Das Team hat aber großes Potenzial, es gefällt mir sehr gut und ich freue mich auf die Arbeit. Der Verein an sich ist sehr spannend, hat richtig gute Fans. Auch in Sachen Infrastruktur ist da sehr viel vorangegangen. Wie zu Beginn gesagt, erfüllt es mich mit Stolz, Trainer des SCR Altach zu sein.

Das entscheidende ist dann aber, was du daraus lernst. Und ich habe sehr gut reflektiert und geschaut, was ich adaptieren möchte.

Ognjen Zaric über die Zeit nach seinem Aus in Winterthur.

90minuten: In Altach war in den letzten Jahren immer wieder Abstiegskampf angesagt, das mussten Sie auch bei ihrer letzten Station erleben. Wie geht man mit so einer Situation um? 

Zaric: Als Trainer geht es immer um Challenges. Egal bei welchem Verein du bist, geht es halt gegen den Abstieg, um die Europacup-Plätze oder die Meisterschaft. Alles hat seinen Reiz und alles hat auch seine Vor- und Nachteile.

90minuten: Nach ihrem Aus bei Winterthur waren Sie jetzt knapp ein Jahr vereinslos. Sie haben die vielen Hospitationen angesprochen. Was war die prägendste Zeit?

Zaric: Ich war wirklich viel unterwegs, aber das prägendste für mich war eindeutig die Zeit bei Mainz 05. Das war im März oder April, als Mainz ganz vorne mitgespielt hat in Deutschland. Ich konnte dort einen super Einblick gewinnen, Bo Henriksen hat mir alle Türen geöffnet und da bin ich sehr dankbar. Er hat in einer heiklen Phase übernommen und sie nach ganz oben katapultiert. Ein paar Monate stehen sie aber wieder ganz unten. Es kann im Fußball einfach immer schnell gehen.

90minuten: Ihre Trainerkarriere begann bereits mit 21 Jahren in der Jugend des FC Kufstein. Sie galten früh als großes Trainertalent, wie geht man mit solchen Erwartungen um?

Zaric: Mich persönlich freut das. Es ist immer schön, wenn Leute einen positiv sehen. Trotzdem macht es mit einem nicht so viel. Ich musste viel dafür tun, habe viel gearbeitet, alle Ausbildungen durchlaufen und mich Schritt für Schritt entwickelt.

Manchmal gibt es Entscheidungen, die triffst du rational und manchmal mehr aus dem Bauch heraus. Jetzt bei Altach hatte ich sofort das Gefühl, dass es der richtige Schritt ist.

Ognjen Zaric über seine Entscheidung für Altach.

90minuten: Nach meinen Informationen hätten Sie schon früher in Österreich andocken können. Sie waren bereits 2023 sowohl bei Stripfing als auch bei Lafnitz im Gespräch. Warum ist damals nicht draus geworden?

Zaric: Das stimmt. Ich hatte mehrmals die Möglichkeit, Trainer in Österreich zu werden. Damals habe ich mich aber bewusst für einen Verbleib in der Schweiz entschieden. Manchmal gibt es Entscheidungen, die triffst du rational und manchmal mehr aus dem Bauch heraus. Jetzt bei Altach hatte ich sofort das Gefühl, dass es der richtige Schritt ist.

90minuten: Sie waren Sie bei Winterthur, in Basel, bei Rosenheim, Unterhaching und DFI Bad Aibling. Welche Zeit würden Sie heute als die lehrreichste beschreiben?

Zaric: Jede prägt dich auf ihre eigene Art und Weise. Aber das Jahr in der U17 bei Unterhaching war schon sehr speziell. Auch weil in der U17 und U19-Bundesliga in Deutschland einfach sehr professionell gearbeitet wird und die gegnerischen Trainer viel Qualität haben. Damals habe ich zum Beispiel gegen Pellegrino Materazzo gespielt, der heute bei Real Sociedad coacht. Da musst du dich einfach taktisch und inhaltlich gut vorbereiten. Aber auch die Zeit in Basel war sehr prägend, mit vielen jungen Top-Talenten.

90minuten: Sie sind dreifacher Familienvater. Wird Ihre Familie den Schritt nach Vorarlberg mitgehen?

Zaric: Das werden wir jetzt gemeinsam besprechen und dann schauen, was das Beste für die Familie ist. Aber wir sind Österreich natürlich sehr verbunden.

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