2011 Finalniederlage mit Austria Lustenau gegen die SV Ried, 2024 dann mit Pogon Stettin in Polen gegen Wisla Krakau.
Cup-Endspiele liefen für Benedikt Zech bisher noch nicht nach Wunsch, mit dem SCR Altach soll nun alles besser werden. Der Underdog aus Vorarlberg trifft am Freitag in Klagenfurt im Finale des UNIQA ÖFB-Cups auf den Tabellenführer der ADMIRAL Bundesliga, den LASK (ab 16 Uhr im LIVE-Ticker >>>).
Im Vorfeld der Partie hat sich 90minuten mit dem mittlerweile 35-jährigen Abwehrspieler unterhalten. Dabei spricht der gebürtige Vorarlberger über das größte Spiel der Klubgeschichte, bisherige negative Pokalerfahrungen, die Entwicklung unter Ognjen Zaric und seine persönliche Zukunft.
90minuten: Am Freitag steht das Cup-Finale gegen den LASK an. Wie sehr kribbelt es bei dir und im ganzen Klub?
Benedikt Zech: Es ist natürlich für uns alle ein riesiges Spiel. Der ganze Verein fiebert dem Finale in Klagenfurt entgegen.
90minuten: Trotzdem geht der LASK als Favorit ins Endspiel. Ihr habt aber auch in den Runden davor gegen Sturm bzw. Salzburg als Außenseiter überzeugt. Ist diese Rolle für euch vielleicht sogar ein Vorteil?
Zech: Ja, der LASK ist sicherlich der Favorit. Sie befinden sich in einer guten Verfassung und es ist schon beeindruckend, wie sie spielen. Gleichzeitig bieten sich uns Möglichkeiten. Wir haben uns in dieser Saison gegen vermeintlich stärkere Gegner oft etwas leichter getan. In diesen Spielen haben wir automatisch mehr Räume, die wir bespielen können.
90minuten: Die bisherigen Duelle gegen den LASK waren eng, beide Teams gewannen ihr Heimspiel knapp mit 1:0.
Zech: Wir haben in dieser Saison bereits zwei Mal eine gute Figur gegen sie abgegeben. Das erste Spiel kann man aber nicht wirklich bewerten, da war bei ihnen noch ein anderer Trainer im Amt und sie waren in schlechter Verfassung. Im zweiten Duell haben wir ein richtig gutes Spiel gezeigt, am Ende aber unglücklich verloren. Jetzt fahren wir nach Klagenfurt und wollen den Titel mit ins Ländle nehmen.
Die Entwicklung des LASK unter ihm spricht für sich. Die Mannschaft steht sehr stabil, kassiert kaum Tore, ist schwer zu schlagen und spielt gleichzeitig guten Fußball. Er wird von vielen gelobt – dem kann ich mich nur anschließen.
90minuten: Wie kann man die Linzer knacken?
Zech: Da sie ein spielstarkes Team sind, gibt es immer wieder Räume zum Kontern. Wenn du spielbestimmend sein willst, stehst du oft aufgefächert – genau das müssen wir nutzen. Gleichzeitig müssen wir auch im Ballbesitz unsere Qualität abrufen, uns nicht nur auf das Konterspiel konzentrieren und unsere Prinzipien durchziehen. Eine ballbesitzstarke Mannschaft läuft nicht gerne hinterher und da wollen wir sie vor Probleme stellen.
90minuten: Der LASK hat mit Samuel Adeniran und Sasa Kalajdzic zwei körperlich starke Angreifer. Wie schwer ist es, da als Innenverteidiger dagegenzuhalten?
Zech: Die beiden machen das da vorne schon richtig gut. Die hauen ihren Körper immer richtig rein und da muss man halt dagegenhalten und ihnen keinen Platz geben. Aber das ist eh normal, es gibt viele große und körperliche Stürmer in der Liga.
90minuten: Mit Didi Kühbauer steht beim LASK ein Trainerfuchs an der Seitenlinie, der im vergangenen Jahr mit dem WAC den Cup holte. Wie schätzt du ihn als Trainer ein?
Zech: Die Entwicklung des LASK unter ihm spricht für sich. Die Mannschaft steht sehr stabil, kassiert kaum Tore, ist schwer zu schlagen und spielt gleichzeitig guten Fußball. Er wird von vielen gelobt – dem kann ich mich nur anschließen.
90minuten: Du hast selbst schon Final-Erfahrung. 2011 mit Austria Lustenau und 2024 mit Pogon Stettin. Zwei Mal mit dem schlechteren Ende für dich. Was für einen Rat hast du für deine Teamkollegen?
Zech: Man muss so ein Spiel auf jeden Fall genießen, denn solche Chancen bekommt man nicht oft. Das ist das Wichtigste. Natürlich hat man Respekt davor, aber man darf den Spaß am Fußball nicht verlieren.
90minuten: Was nimmt man aus solchen Spielen mit?
Zech: Bei mir waren das bisher immer unterschiedliche Vorzeichen. Auch jetzt wieder. 2012 war ich selbst noch ein junger Spieler. Da kannst du es noch gar nicht so werten, was ein Cup-Finale überhaupt bedeutet. Und dann denkst du: da komme ich schon wieder mal rein. Ich musste aber sehr lange darauf warten. 2024 mit Pogon Stettin waren wir der klare Favorit, jeder hat mit dem Titel gerechnet. Komischerweise konnten wir dem Druck dann doch nicht standhalten. Jetzt gehen wir nicht als Favorit, sondern als Underdog rein. Ich hatte drei unterschiedliche Situationen und wie sagt man so schön: Aller guten Dinge sind drei. Hoffentlich trifft das auf mich zu.
90minuten: Wie sehr spielt die Nervosität in so einem Finale eine Rolle?
Zech: Da ist jeder angespannt. Vielleicht können wir das sogar für uns nutzen. Der LASK ist der Favorit und wird auch mehr Fans im Stadion haben, entsprechend höher ist die Erwartungshaltung. Wir können das ohnehin nicht beeinflussen – wir müssen einfach unser Spiel auf den Platz bringen und versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren.
90minuten: Welchen Stellenwert hätte ein Cupsieg für deine persönliche Karriere?
Zech: Das wäre auf jeden Fall mein Karriere-Highlight. Vor allem, weil Altach der Klub ist, bei dem ich die meiste Zeit verbracht habe. Einen Titel auf höchster Ebene zu holen, wäre etwas ganz Besonderes – nicht nur für uns als Mannschaft, sondern für ganz Vorarlberg.
90minuten: Die Fans sind in so einem Finale immer wichtig. Mit wie viel Support rechnest du?
Zech: Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, aber es werden knapp 5.000 Altacher mit nach Klagenfurt reisen. Das klingt jetzt für einen großen Klub nicht viel, für uns ist es das aber schon. So viele Zuschauer haben wir ja oft bei Heimspielen nicht einmal. Das ist schon bemerkenswert, auch weil die Distanz sehr weit ist.
Altach hat infrastrukturell viel gemacht, das ist richtig top. Da haben sie etwas Cooles geschaffen. Salzburg kann man ausklammern, aber ansonsten müssen wir uns vor niemandem verstecken. Jetzt müssen wir sportlich nachziehen.
90minuten: Du bist unumstrittener Stammspieler und Abwehrchef, hast aber auch schon schwierige Zeiten mit dem Klub erlebt. Was macht diese Mannschaft aktuell stabiler als in den Jahren zuvor?
Zech: Ich glaube, der große Unterschied ist, dass wir die Spiele mittlerweile auf unsere Seite ziehen. In der letzten Saison war es brutal schwer. Wir haben phasenweise gute Spiele gemacht, sind aber immer als Verlierer vom Platz gegangen. Jetzt ist die Selbstverständlichkeit da und dann nimmt man in schwächeren Spielen zumindest mal einen Punkt mit. Und wenn es gut läuft, dann gewinnen wir auch. Das gibt Sicherheit und macht vieles einfacher.
90minuten: Vor allem im Jahr 2026 seid ihr sehr schwer zu schlagen, steht auch in der Liga sehr gut da.
Zech: Wir machen es aktuell sehr gut und sind einfach schwer zu schlagen. Im Frühjahr haben wir erst zwei Mal verloren. In Graz kurz nach dem Cup-Halbfinale gegen Salzburg – da waren wir müde und Sturm frischer. Und in Ried, wo wir lange eine sehr gute Partie gespielt haben, dann aber nach der Roten Karte noch drei Gegentore kassiert haben. Das darf uns so nicht passieren, da waren wir etwas zu grün hinter den Ohren.
90minuten: Wo kann sich Altach in naher Zukunft hin entwickeln? Welches Potenzial steckt im Verein?
Zech: Altach hat infrastrukturell viel gemacht, das ist richtig top. Da haben sie etwas Cooles geschaffen. Salzburg kann man ausklammern, aber ansonsten müssen wir uns vor niemandem verstecken. Jetzt müssen wir sportlich nachziehen.
90minuten: Unter Ognjen Zaric habt ihr als Team nochmal einen Schritt nach vorne gemacht. Was zeichnet ihn als Trainer aus?
Zech: Er bringt viel positive Energie mit und hat klare Vorstellungen. Gleichzeitig gibt er uns auf dem Platz Freiheiten. Wir haben vor allem im Zentrum Spieler mit viel Qualität, die das nutzen können. Dadurch kreieren wir viele Chancen. Gleichzeitig sind wir defensiv weiterhin sehr stabil – das zieht sich durch die ganze Saison.
90minuten: Den Grundstein habt ihr dafür auch in der Hinrunde unter Fabio Ingolitsch gelegt. Was unterscheidet ihn von Zaric – und was traust du ihm für seine weitere Karriere zu?
Zech: Die vielen Spiele zu Null und die defensive Stabilität sind sicherlich auch ihm zu verdanken. Einfach, weil wir als Mannschaft sehr gefestigt sind. Er hat immer gefordert, dass die Stürmer mitarbeiten und intensiv anlaufen. So detailliert wie mit ihm habe ich bisher noch nie gearbeitet. Das zeichnet ihn auf jeden Fall aus.
90minuten: Du hast vor deiner Rückkehr nach Altach sechs Jahre in Polen gespielt – wie unterscheidet sich die Liga von Österreich, auch vom Niveau her?
Zech: Das Leben vor Ort ist sehr ähnlich. Ich war ganz im Westen von Polen und es hat uns da richtig gut gefallen. Sonst wäre ich mit meiner Familie nicht sechs Jahre geblieben. Der Fußball unterscheidet sich sehr wohl von Österreich, er ist nicht so intensiv und es wird weniger Mann gegen Mann gespielt. Dafür hast du mehr Räume. Es ist schon ein ansehnlicherer Fußball dort. Dazu kommen viele Legionäre aus Spanien und Portugal. Auch die Fankultur ist dort nochmal größer. Der Pole ist fußballverrückter, das sieht man auch in den Stadien. Da war schon oft eine richtig geile Stimmung.
90minuten: Du bist 35, wirkst körperlich immer noch topfit. Wie planst du deine Zukunft?
Zech: Für mich war bei meiner Rückkehr nach Altach klar, dass ich hier auch meine Karriere beenden möchte. Danach würde ich gerne in Vorarlberg im Fußball bleiben, in welcher Rolle auch immer. Solange ich mich noch fit fühle und Spaß habe, will ich aber weitermachen. Wenn das nochmal fünf Jahre sein sollten, dann sind es eben nochmal fünf Jahre.
Florian Gabriel