Sarah Mattner-Trembleau und Carina Brunold, zwei Stammkräfte des mehrfachen Fußballmeisters und Doublesiegers SKN St. Pölten, sprechen im 90minuten-Interview über ihren Werdegang und Zukunftswünsche.
Bereits am 7. Februar kommt es in der ADMIRAL Frauen Bundesliga zum Spitzenspiel gegen die Wiener Austria, die aktuell drei Punkte vor den Wölfinnen liegt.
Was die Violetten dieses Jahr so gut machen und woran die beiden und ihr Team noch arbeiten müssen, um die Meisterschale am Ende doch wieder in St. Pölten in die Höhe stemmen zu dürfen, erzählen sie im Gespräch.
90minuten: Wie seid ihr zum Fußball gekommen?
Mattner-Trembleau: Mein Papa hat in Deutschland Fußball gespielt und meinte, dass ich, seit ich laufen konnte, immer schon gegen runde Sachen getreten habe. Als Mädchen wollte ich dann unbedingt in einen Verein.
Brunold: Ich komme aus Vorarlberg und bin neben einem Dorfklub groß geworden. Dort war sehr viel los und die Jungs und mein älterer Bruder sind immer alle zum Training gegangen.
Ich habe zu meiner Mama gesagt, ich will das auch machen, ich will den Jungs zeigen, was ich kann.
90minuten: Du hast, bevor du zum SKN gewechselt bist, für Dornbirn gespielt. Wie kam der Transfer zustande?
Brunold: Ich bin nach einer langen Verletzung zurückgekommen und habe dann eine gute Saison bei Dornbirn gespielt. Wir haben den Klassenerhalt geschafft. Der SKN hat mich dann im Sommer angefragt.
Ich war mir noch nicht sicher. Mein familiäres Umfeld wollte ich noch nicht verlassen. Der Wechsel hat sich im Winter dann ergeben und jetzt bin ich sehr froh, dass ich den Schritt gemacht habe.
90minuten: Sarah, du warst zwölf Jahre beim First Vienna FC, eine wirklich lange Zeit. Was hast du von dort mitgenommen?
Mattner-Trembleau: Als ich angefangen habe, Fußball zu spielen, wollte ich in Sommercamps, und die Vienna war direkt daneben. Mein Papa hat mich dorthin gebracht und die Mädchenmannschaft wieder neu gegründet, damit ich Fußball spielen konnte. Dadurch hatte ich einen ganz anderen Draht, weil ich von Anfang an dabei war.
Ich bin generell ein Mensch, der sehr gern Harmonie hat und sich zu Hause wohlfühlt. Ich stand so sehr hinter dem Verein. Ich habe dort angefangen, als ich sieben war. Mit 14 habe ich in der Kampfmannschaft angefangen, da waren wir in der dritten Liga.
Ich habe vom SKN geträumt. Irgendwann bin ich mit der Vienna in die zweite Liga aufgestiegen und das war schon toll, für mich eine ganz andere Welt. Wir haben im Cup damals gegen den SKN gespielt und 0:14 verloren. Ich hatte auch Vorbilder wie zum Beispiel Jasmin Eder.
Dann bin ich mit der Vienna in die erste Liga aufgestiegen und hatte eine starke Verbundenheit, sodass ich nicht gehen konnte, obwohl ich schon längst Angebote hatte. Auch aus dem Ausland, einige aus Deutschland. Für mich war auch die Schule sehr wichtig und deshalb habe ich entschieden, diese fertig zu machen und dort zu bleiben.
Irgendwann kam dann aber der Schritt. Der SKN hat mich immer alle halben Jahre angefragt. Irgendwann kommt die Zeit und man muss die Vergangenheit hinter sich lassen. Ich hatte sehr großen Respekt, auch weil ich noch nie woanders gespielt habe als in der Nationalmannschaft.
Dann habe ich auf einmal mit Jasmin Eder gespielt, auf die ich eigentlich aufgeschaut habe, und es waren alle so herzlich und nett. Im Nachhinein würde ich sagen, wäre ich gerne noch früher hergekommen, weil ich mich hier so wohlfühle.
90minuten: Was hat sich für euch geändert, als ihr zum SKN gekommen seid? Habt ihr jetzt mehr Möglichkeiten? Findet ihr das Umfeld professioneller?
Mattner-Trembleau: Ich finde es sehr viel professioneller. Es fängt bei den Kleinigkeiten an, die man dann oft vergisst, wenn man sie hat. Zum Beispiel ist es jetzt normal, dass man jemanden hat, der deine Wäsche wäscht. Bei der Vienna war das nicht so. Wir haben auch den Kraftraum direkt neben unserer Kabine und machen immer ein Pre-Warm-up.
Ich hatte so eine Verbundenheit, dass ich nicht gehen konnte, obwohl ich schon längst Angebote hatte. Auch aus dem Ausland, einige aus Deutschland.
90minuten: Carina, du hast im Februar dein Nationalteam-Debüt bei den Profis gegeben. Wie war es für dich, zum ersten Mal im ÖFB-Trikot aufzulaufen?
Brunold: Unbeschreiblich! Ich kann immer noch nicht glauben, dass das Jahr so gut gelaufen ist für mich. Umso schöner war es, dass es zu Hause stattgefunden hat, gegen Schottland in Ried. Meine Familie war vor Ort. Das war ein Traumtag. Auch, dass wir das Spiel noch gewonnen haben.
90minuten: Ab März warten mit Deutschland, Norwegen und Slowenien attraktive Gegner in der WM-Qualifikation. Was sagst du dazu und was erwartest du von den Gegnern?
Brunold: Schwierig. Ich glaube, die Deutschen werden wir nicht los. Die letzte Zeit, seit ich dabei bin, haben wir öfter gegen sie gespielt. Ich finde Deutschland ist ein sehr attraktiver Gegner. Mittlerweile wissen wir, auf was wir uns einstellen können.
Ich hoffe, dass wir ihnen zeigen, was wir können und dass wir dann einmal einen Sieg einfahren. Natürlich ist es schwierig, gegen solche Nationen zu spielen. Aber ich glaube, wenn wir alles am Punkt bringen, ist da sicher etwas drinnen.
Gegen Slowenien spielen wir auswärts, das wird eine richtig intensive Partie. Wir wissen, was Slowenien kann und ich bin mir sicher, dass man die drei Punkte dort mitnehmen und gut reinstarten kann.
Zu Norwegen kann ich gar nicht so viel sagen. Ich weiß, sie sind körperlich sehr robust. Ich glaube, da erwartet uns ein sehr intensives Spiel.
Im Großen und Ganzen sind es coole und interessante Gegner.
90minuten: Sarah, du hast im deutschen Nachwuchsnationalteam viel erlebt. Was kannst du davon mitnehmen?
Mattner-Trembleau: Ich hatte sehr viel Glück, dass ich dort gelandet bin. Ich war fast von Anfang an dabei und hatte immer viel Gegenwind, weil die österreichische Liga für die Deutschen nicht so attraktiv ist.
Ich habe dann in der U16 gespielt und in der U17, da war leider Corona, sonst hätten wir dort auch EM und WM gespielt. Das wurde dann leider abgesagt. In der U19 habe ich meine erste EM gespielt und dann ein paar Monate später mit der U20 auch die WM in Costa Rica. Die WM war mit das Beste, weil man wirklich einen Monat lang zusammen auf einem anderen Kontinent war und sich richtig gut kennenlernt hat. Außerdem war meine Performance sehr gut.
Ich glaube, meine Krönung beim Nationalteam war bis jetzt die Fritz-Walter-Medaille nach der U20-WM.
Mittlerweile habe ich mein Studium angefangen und da ist es manchmal schwierig, das mit den Lehrgängen zu kombinieren. Der neue U23-Trainer gibt mir sehr viel Vertrauen und lädt mich immer wieder ein, auch wenn ich mal nicht kann. Ich spiele dort zwar eine andere Position, aber der DFB ist schon sehr dahinter und fördert mich.
90minuten: Wie bringt man das Medizinstudium und den Profifußball unter einen Hut?
Mattner-Trembleau: Es ist manchmal sehr stressig, man braucht das richtige Umfeld und der SKN ermöglicht mir das auch, zum Beispiel wenn wir Champions League haben und ich einen Tag später anreisen darf, weil ich davor noch eine Prüfung habe. Anders würde ich es nicht schaffen.
Ich hatte immer viel Gegenwind, weil die österreichische Liga für die Deutschen nicht so attraktiv ist.
90minuten: Bei euch geht das Frühjahr schon am 7. Februar weiter. Carina, vielleicht kannst du kurz beschreiben, wie eure Vorbereitung verlaufen ist und worauf ihr besonders Wert gelegt habt.
Brunold: Sie war sehr kurz. Wir hatten nur drei Wochen bis zum Saisonstart. Nachdem wir mit der Champions League bis 17. Dezember gespielt haben, hatten wir nur eine kurze Pause, waren eigentlich immer im Heimprogramm, sind dann jetzt vor zwei Wochen in die Vorbereitung gestartet und haben ein klares Ziel. Wir haben verschiedene Inhalte besprochen, wissen genau, was wir gegen die Austria machen wollen, dass wir die drei Punkte einfahren.
Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Ich finde, dass das Training super ist, die Intensität ist da, jeder weiß, um was es am 7.2. gegen die Austria geht. Ich glaube, die Vorbereitung läuft super.
90minuten: Es geht gleich mit dem Spitzenspiel gegen die Wiener Austria los. Was macht die Austria diese Saison so gut?
Mattner-Trembleau: Ich glaube, dass die Austria dieses Jahr sehr viel auf eine Karte setzt, weil sie in den letzten Jahren immer knapp dran waren, oder schon oben dabei waren. Gegen Ende hin hat es dann doch nicht gereicht. Dieses Jahr sehen sie die Chance, weil wir im Sommer einen großen Umbruch hatten.
Ich will jetzt nicht sagen, die Austria ist eine Übermacht und sie sind einfach super. Wir haben einfach gerade eine harte Zeit, die man kompensieren muss. Jeder Verein hätte Schwierigkeiten, 17 Spielerinnen zu verlieren, und ich finde, dass wir es dafür bisher gut machen.
Ein Umbruch braucht Zeit und wir brauchen diese Konstanz wieder. Ich bin froh, dass wir trotzdem so performen. Ich denke, dass es jetzt nur noch bergauf geht.
90minuten: Wo seht ihr gerade eure Stärken?
Brunold: Als ich zum SKN gekommen bin, wusste ich einfach, dass das eine Mannschaft war. Ich bin sofort gut aufgenommen worden. Das familiäre Umfeld hat mir natürlich alles viel leichter gemacht.
Mattner-Trembleau: Ich glaube, dass den SKN die Qualität der einzelnen Spielerinnen ausmacht, aber dass wir jetzt durch den Umbruch Zeit brauchen, diese SKN-Familie wieder herzustellen. Ich denke, wir haben viele Stärken.
Jeder wusste, wir sind eine komplett neu zusammengewürfelte Mannschaft und jeder hat unglaubliches Interesse, wieder diese Einheit zu werden. Es braucht einfach Zeit.
90minuten: Wie findet ihr generell die Entwicklung im österreichischen Frauenfußball? Es hat sich einiges getan die letzten Jahre.
Brunold: Ich finde es eine schwierige Situation in Österreich. Der Frauenfußball hat sich schon weiterentwickelt, aber man darf nicht vergessen, dass in manchen Vereinen immer noch nicht so professionell gearbeitet wird. Ich denke, dass in Zukunft im Frauenfußball in Österreich noch sehr viel drinnen ist.
Ich finde es eine schwierige Situation in Österreich. Der Frauenfußball hat sich schon weiterentwickelt, aber man darf nicht vergessen, dass in manchen Vereinen immer noch nicht so professionell gearbeitet wird.
90minuten: Ihr habt eure internationale Reise schon angesprochen. Was könnt ihr daraus mitnehmen?
Mattner-Trembleau: Ich glaube, der wichtigste Schritt war es, zu sehen, dass wir überhaupt reingekommen sind. Das ist nicht selbstverständlich. Es hat uns gezeigt, dass wir performen können. Diese Champions-League-Spiele, auf so einem hohen Niveau, waren die Momente, wo man gesehen hat, dass wir noch Zeit brauchen.
Der Punkt, dass wir da gespielt haben, zeigt für mich, dass die Qualität da ist und dass wir Potenzial haben, welches noch ausgeschöpft werden kann. Wir haben einiges daraus gelernt und wollen natürlich alles geben, da wieder hinzukommen.
90minuten: Was sind eure Saisonziele? Gibt es vielleicht auch persönlich etwas, wo ihr euch noch verbessern möchtet?
Mattner-Trembleau: Unser Saisonziel als Mannschaft ist, allen zu beweisen, dass wir Meister werden können, trotz Umbruch und obwohl die Austria ihren Höhenflug gerade hat, natürlich wollen wir es ihnen nicht leicht machen, wir wollen dagegenhalten.
Meine persönlichen Ziele in der Saison sind es, verletzungsfrei zu bleiben und mich immer weiterzuentwickeln.
Brunold: Unser Ziel am Ende der Saison ist es, allen zu zeigen, was wir für ein Potenzial wir haben, unsere Stärken zu zeigen und am Schluss die Schale wieder hochzuhalten. Natürlich sind für mich auch andere Faktoren sehr wichtig, die Sarah erwähnt hat, zum Beispiel verletzungsfrei zu bleiben.
Für mich ist auch ein bisschen im Kopf, dass ich am Ende mit so vielen Toren wie möglich dem Team helfen möchte und vielleicht ist am Schluss auch die Torschützenkönigin möglich.
90minuten: Was sind eure Karriereziele generell?
Mattner-Trembleau: Meine Karriereziele sind, mir selber treu zu bleiben und das zu machen, wo ich zu 100% dahinter stehe.
Und ich möchte mein Medizinstudium abschließen und dann vielleicht noch einmal im Fußball richtig angreifen. Mein Ziel ist, das weiterhin beides kombinieren zu können.
Brunold: Ich bin eigentlich gar niemand, der so weit nach vorne schauen möchte. Ich will einfach jede Woche performen, alles aus mir rausholen, die Tore schießen und gegen Ende der Saison die Meisterschale hochheben.
Mit dem Nationalteam ist ein klares Ziel gesetzt. Wir wollen zur WM - auch ich will zur WM und das ist eines meiner größten Ziele.
90minuten: Danke für das Gespräch!