Moritz Wels hat in den vier Monaten, in denen er als Leihspieler bei der WSG Tirol kickt, 1.322 Spielminuten bestritten.
Das sind viel mehr als die 850 Minuten, die er schon im Trikot des FK Austria Wien verbracht hat.
Genau am richtigen Ort
Kurzum, das Leihgeschäft kennt aktuell nur Gewinner.
Ob er das Gefühl habe, im Moment genau am richtigen Ort für seine Entwicklung zu sein? "Momentan würde ich das schon so sagen", meint der 21-Jährige.
Im direkten Duell der beiden Klubs, das mit einem torlosen Remis endete, konnte der Mittelfeldspieler einige Akzente setzen. "Ja, auf jeden Fall", habe er sich diesmal empfehlen können.
Lob von allen Seiten
"Er macht das gut", lobt ihn Austria-Kapitän Manfred Fischer. FAK-Coach Stephan Helm sieht das genauso: "Er nimmt eine sehr positive Entwicklung, hat sich dort durchgesetzt und ist Stammspieler."
Drei Tore und einen Assist hat der Steirer in 16 Pflichtspielen für die Wattener angeschrieben. Ein Spiel verpasste er, sonst stand er immer in der Startelf.
Warum das so außergewöhnlich ist, verrät WSG-Coach Philipp Semlic: "Man darf nicht vergessen, dass er sich im Laufe dieser Halbsaison drei Bänder gerissen hat. Als er einen doppelten Bänderriss hatte, ist er zweieinhalb Wochen später wieder am Platz gestanden."
Keine Pause
Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Zeiten in der Akademie des SK Sturm. "Er ist ein sehr sensibler Spieler", weiß Semlic.
Weil Wels aufgrund seiner Einsätze fürs U21-Nationalteam praktisch gar keine Pause habe, fehle ihm aktuell ein bisschen die Leichtigkeit, verdeutlicht sein Coach. "Aber auch da wird er durchkommen und den nächsten Schritt machen", verspricht er.
Kurzfristige Veränderungen sind schlecht für den langfristigen Entwicklungsprozess.
Wohin dieser Schritt führt, ist noch unklar. Eigentlich läuft die Leihe bis zum Sommer, doch die Austria hat die Option, den Youngster schon im Winter zurückzuholen.
Kein leichter Stand beim FAK
"Wir beobachten das ganz genau", sagt Helm.
Gleichzeitig erklärt er, warum Wels seit seiner Ankunft bei den Veilchen im Sommer 2023 keinen leichten Stand hatte, den Großteil der Zeit als Kooperationsspieler für Stripfing auflief: "Wir hatten letzte Saison einen sehr kompetitiven Kader. Da gilt das beinharte Leistungsprinzip. Er hatte starke Konkurrenz. Er hat aber einen unglaublichen Willen, ist immer dran geblieben."
Semlic hält nichts von einem Leih-Abbruch
WSG-Coach Semlic hält nichts von einem vorzeitigen Leih-Ende.
"Wir haben der Austria, seinem Manager und ihm im Sommer einen klaren Plan vorgelegt. Das haben wir zu 100 Prozent erfüllt. Kurzfristige Veränderungen sind schlecht für den langfristigen Entwicklungsprozess. Er hat Spielzeit in der höchsten Liga, über 90 Minuten. Das ist durch nichts auf der Welt zu ersetzen", plädiert Semlic für einen Verbleib.
Was sagt Wels selbst?
Auch bei der Austria dürfte die Tendenz aktuell in die Richtung gehen, Wels erst im Sommer wieder in den Kader zu integrieren.
Und der Kicker selbst? Der gibt sich diplomatisch: "Ich äußere keine Wünsche. Ich konzentriere mich einfach auf die nächsten Spiele."
Harald Prantl