Im Alter von 20 Jahren hat ÖFB-Talent Phillip Verhounig vor Kurzem sein Debüt in der ADMIRAL Bundesliga gefeiert.
Auch Nicolas Bajlicz war bei seinem ersten Einsatz in der obersten Spielklasse bereits 21 Jahre alt. Nicht jeder Spieler ist schon als Teenager bereit für höhere Aufgaben, manche brauchen länger.
Auch Tim Paumgartner wären weitere Entwicklungsschritte zuzutrauen gewesen. Erst vor einem Jahr kam er vom FC Liefering zum GAK.
Mit 1,96 Metern Körpergröße und 55 Zweitliga-Spielen in den Beinen war es ein durchaus vielversprechendes Paket für die Grazer. Man einigte sich auf einen Vertrag bis 2027 mit Verlängerungsoption. Federführend war damals noch Sportdirektor Didi Elsneg.
Ein Jahr später spielt Paumgartner in der Regionalliga Nord für den SV Grödig. Seine Karriere im Profibereich hat er nach aktuellem Stand inmitten der Vorbereitung beendet. Warum?
Andere Erwartungen
Zuerst steht die Tatsache, dass die vergangene GAK-Saison für niemanden zufriedenstellend verlaufen ist. Von Anfang bis Ende war der Verein in den Abstiegskampf involviert, die Stimmung dementsprechend ausbaufähig, der Druck hoch.
Für den Bundesliga-Debütanten fielen magere 108 Spielminuten verteilt auf sechs Einsätze ab. Der längste dauerte 30 Minuten gegen Red Bull Salzburg.
Bleibenden Eindruck konnte er nicht hinterlassen. Es waren schlicht keine optimalen Bedingungen, um Fuß zu fassen.
Paumgartner selbst räumt ein: "Die letzte Saison war für mich enttäuschend und auch mental nicht einfach."
Trainer Ferdinand Feldhofer vertraute und vertraut weiterhin auf eine routinierte Mannschaft. Zeteny Jano, Ludwig Vraa und Paumgartner - alle in etwa gleich alt - waren die jüngsten Spieler, die überhaupt Erfahrung sammeln durften.
Dass es in Gesprächen vor und während der Saison anders besprochen worden war, findet der Salzburger rückblickend schade.
Laut Chefscout Andreas Lienhart habe man den Plan gehabt, den Spieler mit mehr und mehr Spielpraxis stetig weiterzuentwickeln. Auf Sicht hätte man in Paumgartner einen Stammspieler in der Bundesliga gesehen. "Ab und zu muss man sich durchbeißen, das sage ich aus eigener Erfahrung. Vielleicht hat er selbst den Glauben verloren."
Paumgartner hätte sich eine "faire Chance" erhofft, wie er selbst sagt. Diese habe er aber nicht bekommen. Weil Feldhofer auch 2026/27 an der Seitenlinie steht, kam er noch vor dem Start der Vorbereitung ins Nachdenken.
Entscheidung für anderen Karriereweg
Für einen Wechsel innerhalb der Bundesliga gab es Ende Juni noch keine Angebote. Ein nächster Schritt war daher nicht unmittelbar ersichtlich.
Deshalb kam während der Vorbereitung mangels sportlicher Perspektive ein anderer Plan ins Rollen: Paumgartner will Rechtswissenschaften studieren. Neben dem Profifußball ließe sich das nur schwer umsetzen.
Deswegen entschied sich der ehemalige U21-Teamspieler konsequent für das Karriereende und rechtzeitig vor der Wechsel-Deadline Mitte Juli für einen Wechsel nach Grödig. Der Umzug zurück nach Salzburg ist bereits abgeschlossen.
Ein paar Leute haben mich schon gefragt, ob ich verrückt geworden bin.
Das Gespräch mit GAK-Sportdirektor Tino Wawra verlief unkompliziert: "Er hat meine Entscheidung verstanden. Die Abwicklung war sehr einfach, da kann ich mich auch nur bei ihm bedanken."
Anders wurde der Entschluss im Umfeld aufgenommen: "Ein paar Leute haben mich schon gefragt, ob ich verrückt geworden bin. Für mich selbst und meine Familie war aber klar, dass es die richtige Entscheidung ist. Ich kann verstehen, dass es einige nicht nachvollziehen können. Es fühlt sich trotzdem richtig an."
Paumgartner hatte einen klaren Anspruch an seine Fußball-Karriere: "Ich habe für mich festgelegt, dass ich kein durchschnittlicher Bundesligaspieler werden will. Das reicht mir nicht. Dafür verdient man meiner Meinung nach auch zu wenig Geld in Österreich. Auch auf die spätere Karriere wird man nicht gut vorbereitet, wenn man nicht im Fußball bleiben möchte."
Sportlicher Neustart in Grödig
Künftig läuft der Mittelfeldspieler in der Regionalliga für Grödig auf.
Dass der ehemalige Bundesligist unter anderem Paumgartners Jugendverein Kuchl ausstechen konnte, liegt an der frühen und entschlossenen Kontaktaufnahme.
Grödig-Manager Christian Haas und Präsident Christian Schwaiger wurden persönlich vorstellig. Als Aufsteiger will man sich in der neuen Saison in der Liga etablieren. Von der Neuverpflichtung erhofft man sich einen großen Beitrag.
Für mich ging es auch nie um Aufopferung. Ich glaube nicht, dass ich viel verpasst habe.
Auf die Profi-Erfahrungen und vielen Jahre in der Salzburger Akademie blickt der 21-Jährige positiv zurück.
"Für mich ging es auch nie um Aufopferung. Ich glaube nicht, dass ich viel verpasst habe. Ich habe über Jahre auf hohem Niveau Fußball gespielt. Gewohnt habe ich in Salzburg, bin jeden Tag zum Training gegangen, habe meine Matura gemacht. Auch Freundschaften sind geblieben."
Anruf vom ÖFB
Gedanken über ein "Comeback" habe er derzeit keine, meint Paumgartner.
"Ich kann es mir Stand jetzt nicht vorstellen. Vielleicht ergibt es sich noch einmal, wer weiß. Interessant für mich war, dass sich kurz nach der offiziellen Bekanntgabe der U21-Teamchef bei mir gemeldet hat", verrät Paumgartner.
Peter Perchtold hätte ihm geraten, "noch einmal darüber nachzudenken und im Winter vielleicht einen Neustart in der 2. Liga zu machen. So weit voraus will ich jetzt aber gar nicht schauen."
Daniel Sauer