Lars Söndergaard ist wieder da.
Wobei er ja eigentlich nie ganz weg war. "Meine zweite Heimat", nennt der 67-Jährige Österreich.
Immerhin hat er fast ein Jahrzehnt seines Trainer-Lebens hier verbracht. Auch danach brach der Kontakt zu Freunden und Bekannten nie ab, seine Ferienwohnung in Altenmarkt hat der Däne nie aufgegeben, war mehrmals im Jahr in Österreich.
WM- und EM-Erfahrung als Teamchef
Nun soll er als neuer Teamchef der ÖFB-Frauen den zuletzt unter Coach Alexander Schriebl eingesetzten Negativtrend nicht nur stoppen, sondern die Mannschaft auch zur WM 2027 nach Brasilien führen. Alle Infos zum Teamchef-Wechsel >>>
Das ist ihm als Teamchef schon einmal gelungen. Von Jänner 2018 bis August 2023 trainierte Söndergaard das dänische Frauen-Nationalteam.
Bei der Europameisterschaft 2022 scheiterte er in einer Gruppe mit Deutschland, Spanien und Finnland, ein Jahr später führte er die Truppe zur WM 2023, wo die Däninnen im Achtelfinale gegen Gastgeber Australien die Segel streichen mussten.
Ein ganzheitlicher Ansatz
Beim dänischen Verband lernte Söndergaard einen ganzheitlichen Ansatz kennen. In einem Interview mit LAOLA1 erzählte er 2021: "Die Zusammenarbeit mit Männer-Teamchef Kasper Hjulmand ist großartig. Wir sprechen im Verband nicht über Spielweisen für Frauen und Spielweisen für Männer, wir sprechen über Spielweisen für Dänemark. Wir begegnen uns auf Augenhöhe."
Letzteres ist genau die Art, die den Trainer und Menschen Söndergaard auszeichnet. Typisch skandinavisch, möchte man meinen, begegnet er seinem Gegenüber stets offen und respektvoll, autoritäre Züge sind ihm fremd.
In Österreich bekamen das ab Sommer 2000 erstmals die Kicker von Austria Salzburg zu spüren. Als Co-Trainer des Schweden Hans Backe, der ihn aus gemeinsamen Zeiten bei Aalborg kannte, führte er in der Mozartstadt die Viererkette ein.
Wenngleich sich auch so manch anderer Trainer damit rühmt, dürfte das Duo in der heimischen Bundesliga damit tatsächlich für eine Premiere gesorgt haben. Wenngleich Walter Schachner in der 2. Liga mit dem FC Kärnten praktisch zeitgleich für diese taktische Neuerung verantwortlich zeichnete.
Nachdem sich Backe nach etwas mehr als einem Jahr nach Kopenhagen verabschiedete, übernahm Söndergaard erstmals langfristig als Cheftrainer, blieb bis Oktober 2003.
Das Leben unter Stronach
Es folgte ein Engagement in der Hauptstadt. Als Spartentrainer – ein eher despektierlicher Titel, angesichts dessen, dass er das sportliche Tagesgeschäft schupfte – unter Sportchef Günther Kronsteiner sorgte der Däne für ein großes internationales Hurra der Veilchen.
Die Wiener Austria schaffte es im UEFA-Cup bis ins Viertelfinale, scheiterten dort unglücklich an Parma.
Wie das Trainerleben unter Mäzen und Betriebsführer Frank Stronach eben so war, war nach einem Jahr dann auch schon wieder Schluss.
"Beim GAK habe ich meinen besten Vertrag unterschrieben und am wenigsten rausgekriegt"
Söndergaard ärgerte sich noch Jahre später: "Die Austria hätte mit diesem Geld einen anderen Weg gehen können. Es wurde viel investiert, vor allem in den Nachwuchs. Aber dann konnten Spieler wie Alaba ablösefrei gehen. Es wurde viel aufgebaut und dann wieder zerstört. Wenn Stronach mehr auf die Experten gehört hätte als auf alle anderen, wäre eine nachhaltigere Strategie möglich gewesen."
Schwierige Zeiten beim GAK und in Innsbruck
Der GAK angelte sich Söndergaard ein halbes Jahr später. "Dort habe ich meinen besten Vertrag unterschrieben und am wenigsten rausgekriegt", lacht er.
Die Steirer schlitterten in arge finanzielle Probleme, monatelang waren Gehälter ausständig, der Fixabstieg schon lange vor Saisonende klar. Immerhin konnte Söndergaard als Coach einem Talent namens Zlatko Junuzovic so viel Spielzeit ohne großen Druck ermöglichen.
Der Nachwuchs von Red Bull vor Rangnick
Ein paar wenige unglückliche Monate beim FC Wacker im Herbst 2007 waren dann die letzten des Bundesliga-Trainers Söndergaard, ehe er bei Red Bull andockte.
Zunächst fungierte er ein halbes Jahr als Trainer der Red Bull Juniors in der 2. Liga, danach als Leiter der Akademie. Wohlgemerkt vor der Zeit Ralf Rangnicks, als die "Bullen"-Bosse auf die eigene Nachwuchsarbeit keinen großen Wert legten.
Seine Erinnerungen: "Damals gab es keine Perspektive für die Talente in Salzburg, weil es kein Junger zu den Profis raufgeschafft hat."
Rückkehr nach Dänemark
Im Sommer 2009 kehrte er nach Dänemark zurück, wo er sich als Trainer des Zweitligisten Viborg FF für einen Vertrag bei Erstligist SönderjyskE und anschließend bei Aalborg empfehlen konnte.
Danach folgte die Tätigkeit als dänischer Frauen-Teamchef. "Ich war der erste bekannte Trainer, der aus dem Männerfußball gekommen ist", sagt er im Bezug auf den dänischen Fußball.
Und nun ist er zurück in seiner zweiten Heimat. Diesmal aber nicht zum Radfahren und Skifahren.
Harald Prantl