Red Bull Salzburg: "Fußball von morgen!" - dieses Motto geben die "Bullen" aus der Mozartstadt aus.
International haben sie sich einen Namen gemacht, Stars wie Dominik Szoboszlai oder Erling Haaland wurden zu Weltklassespielern geformt. Die Nachwuchsarbeit? Auf Top-Niveau und ein deutliches Aushängeschild des Vereins.
Spielerisch steht der Verein für hohe Intensität, aggressives Gegenpressing und schnelles Umschaltspiel. Typisch Red-Bull-DNA.
Zur Saison 2023/24 ist im Verein ein neuer Meilenstein gesetzt worden. In einem Zeitraum von drei Jahren hat man auch Frauen-Teams an den Leistungsfußball herangeführt. Doch wie viel Red-Bull-DNA steckt in diesen drei Mannschaften?
Enge Zusammenarbeit mit Männer-Bereich
"Wir sind ein Verein, der sehr eng mit dem Männerbereich zusammenarbeitet, vor allem in der Akademie, wo sich beispielsweise die Trainer, die Athletiktrainer und Physiotherapeutinnen austauschen und wo ein Miteinander herrscht", sagt Bernd Winkler, sportlicher Leiter der Frauen-Fußballabteilung von Red Bull Salzburg, gegenüber 90minuten.
Die enge Vernetzung soll als Vorteil genutzt werden. Das Ergebnis konnte sich in der abgelaufenen Spielzeit bereits sehen lassen. Im Sommer 2025 trat man erstmals in der ADMIRAL Frauen-Bundesliga an und beendete die Premierensaison direkt auf Rang vier, zudem schaffte man den Einzug ins Cup-Finale, wo man sich der Wiener Austria geschlagen geben musste.
"Uns sind tatsächlich schon Erfolge gelungen, mit einem sehr jungen Team und mit wenig Erfahrung. Das war ein bisschen überraschend, dass das so geklappt hat", erklärt der Ex-Profifußballer.
Spielidee: Intensiver und schneller Fußball
Die Spielidee? Diese folgt der bekannten Red-Bull-Philosophie: "Wir sind klar damit angetreten, dass wir intensiv und schnell nach vorne spielen wollen. Das passt zu uns, mit dem wollen wir uns identifizieren", analysiert der 46-Jährige.
Neben dem ähnlichen Stil wird auch bei den Frauen auf junge Talente gesetzt. Ausbildung und Entwicklung stehen im Fokus. Der Weg sei, "junge Top-Talente aus Salzburg und wenige aus Österreich zu entwickeln und ihnen den Schritt in die Bundesliga zu ermöglichen".
Einige Führungsspielerinnen brauche es dennoch im Team.
Infrastruktur als großer Pluspunkt
Eine von ihnen ist die Kapitänin der Kampfmannschaft, Katja Wienerroither. Die 24-Jährige kam nach einer langen Verletzungspause 2025 von RB Leipzig an die Salzach. "Mir war klar, dass die Bedingungen einfach top sind", erklärt sie. Es gebe nicht viele Mannschaften in Österreich, die diese Möglichkeiten hätten.
Trainiert wird im Olympiazentrum in Rif, die Kraftkammer werde allerdings in der Red Bull Akademie in Liefering genutzt, wo auch die Heimspiele des Frauen-Teams stattfinden (zum Spielplan der Frauen-Bundesliga >>>).
Positiv beeinflusst haben den Aufbau der Frauen-Abteilung "CEO Stefan Reiter und der Akademieleiter Manfred Pamminger, die dem Frauen-Fußball sehr positiv gegenüberstehen". Winkler ergänzt: "Wir konnten einfach diese Power, die der FC Red Bull Salzburg hat, nutzen, vor allem was die Infrastruktur betrifft."
Neben den Trainingsmöglichkeiten wird, wie angesprochen, auch der Wissenstransfer großgeschrieben: "Der Analyst vom FC Liefering schaut beispielsweise bei dem ein oder anderen Spiel der Frauen zu und gibt Tipps an den Trainer weiter. Diese Dinge funktionieren richtig gut, da haben wir wirklich einen engen Austausch."
Auch dieser Fakt unterstützt wohl den Zusammenhalt im Verein: "Dadurch, dass wir unsere eigene Trainingsstätte haben, ist es schon ein bisschen getrennt, man läuft sich jetzt nicht täglich über den Weg, aber ich glaube, man kennt sich untereinander schon", meint die Spielerin. Besonders zeichne den Klub die familiäre Atmosphäre aus.
Großer Name bringt keinen Selbstläufer
Der Name des Vereins dürfte sicher einen Teil dazu beitragen, um die nächsten Talente zu den "Bullen" zu locken.
"Grundsätzlich ist ein großer Name hilfreich, aber es braucht auch die Hard Facts. Es hilft nicht, wenn man sagt, wir sind der FC Red Bull Salzburg, haben aber keine ordentliche Trainingsstätte. Deswegen: Hilfreich? Ja. Und trotzdem braucht es die tägliche Arbeit und die Möglichkeiten, die wir dann tatsächlich anbieten", erklärt der sportliche Leiter.
"Ich glaube, das ist nicht unser Anspruch, dass wir sagen, wir wollen Erster oder Zweiter werden, sondern bei uns geht es jetzt darum, dass wir uns weiterentwickeln."
Mit diesen Fakten kann man wohl schon jetzt überzeugen, neben den Salzburgerinnen trainieren auch Olympiateilnehmer in Rif. Ein genereller Vergleich zum Männerfußball gestaltet sich dennoch schwierig: "Ich glaube, das darf man nicht vergleichen, weil das ganz andere Ligen sind", betont Salzburgs Kapitänin, die bislang 14 Mal im ÖFB-Team zum Einsatz kam.
Fokus auf heimische Talente
In einem Punkt unterscheidet sich der Ausbildungsweg des weiblichen Pendants jedoch grob von dem der Männer. Talente aus Afrika oder eine Kooperation mit Akademien, beispielsweise aus Brasilien? "Derzeit nicht absehbar", so Winkler.
Der Fokus liegt auch beim Scouting auf Spielerinnen aus Österreich. Bei den Mädchen würden die Nachwuchshoffnungen oft noch bis sie 14 Jahre alt sind bei den Burschen spielen und auch die Bundesland-Auswahl trägt einen großen Teil zur Entwicklung bei.
Ab der U16 könnte dann der Weg über Red Bull Salzburg gehen. Auch hier erfolgt eine Zusammenarbeit mit der Akademie: "Wir haben regionale Scouts, die in ganz Österreich unterwegs sind, und die sehen auch, wenn Mädchen in einem Burschen-Team spielen. Es gibt dann die Meldung an uns: Bei Verein X spielt ein interessantes Mädchen."
Kommt es dann zu einer Verpflichtung, sei dem Verein in Zusammenarbeit mit dem Schulsportmodell (SSM) die schulische Ausbildung essentiell, sowohl von Mädchen als auch von Burschen. Bei den Frauen sei sie aber generell noch wichtiger, "weil dieser finanzielle Aspekt noch nicht so gegeben ist wie bei den Männern".
Finanzielle Rahmenbedingungen im Frauen-Fußball
Bei Red Bull Salzburg ist aktuell niemand lediglich Fußballprofi. Anders als in der deutschen Bundesliga gehen alle Frauen zur Schule, studieren oder arbeiten, erzählt Wienerroither. Sie ist positiv gestimmt, dass eine volle Professionalisierung kommen würde, das könnte jedoch noch einige Jahre dauern.
Die U20 wurde in diesem Jahr verjüngt und zu einer U18 gemacht, auch damit Schule und Sport leichter zu vereinbaren sind. Auch Wienerroither ist überzeugt, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Von der "sehr guten Nachwuchsarbeit" werde man auch in Zukunft profitieren.
Startschuss zum richtigen Zeitpunkt
Im Rampenlicht stehen die Mozartstädterinnen seit ihrem Einstieg sowieso. Dieser kam jedoch verhältnismäßig spät. Der SKN St. Pölten und die Wiener Austria haben schon deutlich früher den Schritt im Frauen-Fußball gewagt. Sie hätten nun vor allem einen Vorsprung in Bezug auf gemachte Erfahrungen.
Dennoch war es für Red Bull offenbar der optimale Moment, um in das Geschehen einzusteigen. "Ich glaube einfach, dass es den richtigen Zeitpunkt manchmal braucht. Es muss das Umfeld passen und es muss der Moment stimmen. Es waren große Turniere und es hat einfach gut gepasst, den Schritt zu gehen", erklärt Winkler auf die Frage, wieso man so spät einstieg.
Der schrittweise Aufbau wurde bewusst gewählt und immer wieder herausgehoben. Erst kam die U16, dann die U20 und zuletzt die Kampfmannschaft. Grund dafür war, dass man Erfahrungen sammeln musste und nichts überstürzen wollte.
Zudem sei es ein Vorteil, den Aufbauprozess bereits einmal durchlebt zu haben. Grundstrukturen könne man sich zum Teil bei den Männern abschauen, müsse jedoch auch etwas adaptieren, nachdem "die Breite bei den Frauen nicht so groß ist und die Entwicklung anders verläuft".
Druck? "Wäre unfair"
Druck würde man trotz der Aufmerksamkeit keinen verspüren, versichern beide Interviewpartner. Wienerroither erklärt, dass man sich keinen machen dürfe und diesen auch nicht vom Trainerteam erhalte, nachdem viele Spielerinnen noch sehr jung seien. Den größten Druck würde man sich sowieso selbst machen.
"Wir machen nicht den Fehler, zu sagen, ihr müsst irgendwas machen oder erreichen. Das ist der falsche Zugang und es herrscht hier auch kein Druck, irgendwelche Leistungsziele am Ende zu erreichen. Es wäre unfair, einer 15-Jährigen zu sagen, du musst folgende Platzierung in der Bundesliga erreichen", fügt der Ex-Profi an.
Ziel nicht Meistertitel, sondern nachhaltige Entwicklung
Als Ziel geben die Frauen - anders als die Männer - nicht den Fokus auf den Meistertitel aus. "Es ist nicht unser Anspruch, dass wir sagen, wir wollen Erster oder Zweiter werden, sondern bei uns geht es jetzt darum, dass wir uns weiterentwickeln", so Wienerroither. "Wir wollen uns weiterhin in der Liga im Mittelfeld etablieren", ergänzt der sportliche Leiter.
Die Entwicklung soll Schritt für Schritt geschehen. In drei Jahren sieht man sich laut Winkler dennoch in "ähnlicher Art und Weise", hoffe jedoch, dass einige Spielerinnen schon den nächsten Schritt gemacht haben.
Die RB-DNA ist somit auch im Frauen-Team erkennbar. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Mannschaft weiterentwickelt und wie viele "Bullen" demnächst im Nationalteam und auf der internationalen Bühne zu sehen sein werden.
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