Die Leistungen des SC Austria Lustenau glichen in den vergangenen fünf Jahren einer Achterbahnfahrt: Bundesliga-Aufstieg 2022, Abstieg 2024, der Beinahe-Absturz in die Regionalliga und nun die Rückkehr ins Oberhaus.
Doch anders als im Vergnügungspark wünschen sich die Vorarlberger diesmal keine rasanten Richtungswechsel mehr. Nach Jahren voller Extreme soll endlich Stabilität einkehren.
Vor einem Jahr kämpfte Austria Lustenau noch darum, den Absturz in die Regionalliga endgültig abzuwenden. Heute steht der Traditionsverein wieder dort, wo ihn vor der Saison kaum jemand erwartet hätte: in der Bundesliga.
Die Vorfreude ist groß
Trainer Markus Mader formte aus einem kriselnden Team binnen eines Jahres wieder einen Bundesliga-Aufsteiger. Gemeinsam mit der Euphorie rund um das neue Stadion führte das den Klub zurück ins Oberhaus.
"Wir freuen uns einfach brutal, dass wir es geschafft haben. Es wird eine große Herausforderung. Aber wir dürfen uns nicht einreden, dass es unmöglich wird", sagt Mader.
Speziell in der Rückrunde profitierten die "Grün-Weißen" enorm vom neuen Stadion. Während man in der Ferne schwächelte und unnötige Punkte im Schlussspurt abgab, gewann man fünf der sieben Heimspiele im Frühjahr.
Das neue Stadion als Push?
Das neue Stadion wurde zum größten Trumpf. "Wir haben daheim Leistungen gezeigt, da hatte eigentlich keiner eine Chance", so Kapitän Matthias Maak.
Auch eine Leistungsstufe drüber soll die "Sun Minimeal Arena" laut Maak zum Game-Changer werden: "Auch wenn von den Gegnern mehr Qualität kommt, ist das schon ein großer Rückhalt. Dieses besondere Flair kann andere Teams einschüchtern."
Umbruch vs. Kontinuität
Trotz des Aufstiegs blieb ein Umbruch nicht aus. Zwölf Spieler verließen den Verein, acht Neue kamen.
Der Kern der Mannschaft blieb intakt, durch Akteure wie Domenik Schierl, Matthias Maak, Fabian Gmeiner oder Pius Grabher ist jede Menge Erfahrung vorhanden. Auch auf Bundesliga-Niveau.
Sportdirektor Dieter Alge hatte viel zu tun. Auch damit der Kader zum alljährlichen Trainingslager in Lech großteils komplett war.
"Das ist etwas, das wir gelernt haben. So konnten wir jetzt sechs Wochen die Abläufe trainieren. Das haben wir sicher besser gemacht als im zweiten Jahr Bundesliga, oder auch im ersten Jahr damals", lobte Mader die Arbeit der sportlichen Leitung.
Wie chaotisch die Vorbereitung damals verlief, zeigte schon das Mannschaftsfoto vor Saisonbeginn 2023/24. Darauf waren mehr Betreuer als Spieler zu sehen.
Solche Spieler wecken natürlich Begehrlichkeiten. Aber wir haben nicht lange gejammert, sondern versucht, sie mit neuen Spielern zu ersetzen.
Erinnerungen werden wach
Heuer erfolgte der Umbruch nicht nur in der Breite, sondern vor allem auch in der Spitze. Mit Mame Wade, Jack Lahne und Mohamed-Amine Bouchenna (Leih-Ende) verließen die besten drei Torjäger den Klub.
Da werden Erinnerungen an 2022 wach, als nach dem Aufstieg mit Muhammed Cham und Haris Tabakovic ebenfalls die beiden Schlüsselspieler den Klub verließen.
"Solche Spieler wecken natürlich Begehrlichkeiten. Aber wir haben nicht lange gejammert, sondern versucht, sie mit neuen Spielern zu ersetzen", so Mader.
Um dann zu konkretisieren: "Bei den Abgängen weißt du natürlich nie, wie sie in der Bundesliga performt hätten. Darum sehe ich das mit einem weinenden Auge, weil sie tolle Menschen waren und uns in die Bundesliga gebracht haben. Aber auch mit einem lachenden Auge, weil wir Geld kassiert haben."
So plant Mader mit den Neuzugängen
Als Ersatz für das Trio kamen mit Dion Kacuri und Lord Afrifa zwei talentierte Spieler für die Mittelfeldzentrale. Kacuri ist dabei eher der klassische Sechser und Spielgestalter, Afrifa kommt über das Tempo und ist als Box-to-Box-Spieler vorgesehen.
Dominik Weixelbraun und Albin Gashi sollen mit ihrem Tempo und der Torgefahr die beiden anderen Abgänger vergessen machen. So der Plan in der Theorie.
Viele Aufsteiger verändern ihren Fußball, sobald sie in die Bundesliga kommen. Mader will genau das vermeiden.
"Wir haben den Kader so zusammengestellt, wie wir spielen wollen. Wir hätten vier baumlange Innenverteidiger geholt, wenn wir uns mit einem 5-4-1-System hinten reinstellen wollten. Wir wollen aber weiter Fußball spielen. Wir wollen den Fans was bieten."
Nichtsdestotrotz sieht Mader das aber auch realistisch. Ob der Underdog-Rolle werden wohl die meisten Gegner das Spiel mit dem Ball übernehmen: "Aber wir wollen unsere Identität nicht verlieren. Das wäre der größte Fehler."
Vorbereitung war vielversprechend
Auch die Vorbereitung macht Mut. Die Austria blieb weitgehend von Rückschlägen verschont und sammelte gegen höherklassige Gegner Selbstvertrauen.
Es gab Siege gegen Wil, St. Gallen und Aarau sowie ein Remis gegen die Young Boys. Niederlagen setzte es lediglich knapp gegen Vaduz und Nürnberg II.
Wie konkurrenzfähig die Austria tatsächlich ist, lässt sich derzeit schwer einschätzen. Nicht nur Lustenau befindet sich im Umbruch.
"Es hatten eigentlich alle einen Umbruch. Das heißt, auch die anderen Teams müssen sich neu finden. Die anderen Klubs werden sich aber wohl noch verstärken, wir sind eigentlich am Limit."
Was passiert noch?
Kommen sollen nur noch ein zweiter Rechtsverteidiger und ein zusätzlicher Mittelstürmer. Die Suche gestaltet sich da aber schwer.
Auch eine Rückkehr von Bouchenna aus Clermont ist weiterhin ein Thema, durch das Ende der Kooperation mit Core Sports Capital aber wohl schwer zu realisieren.
Der Startschuss in die neue Saison ist bereits am Samstag mit dem Cup-Auftakt beim Kremser SC (1:0) gefallen. Kommenden Sonntag wird die Liga zuhause gegen die SV Ried eröffnet (17 Uhr im LIVE-Ticker).
Es wird die Bundesliga-Premiere im neuen Stadion werden. Vor dem Start will Mader die Erwartungen dann doch etwas dämpfen: "Die Fans können nicht erwarten, dass es so weitergeht wie noch in der 2. Liga. Da kommen schon andere Kaliber auf uns zu."
Die Rolle des Außenseiters
Die Rolle der Austria ist klar: Man geht als großer Underdog in die Saison. Aber das war auch 2022/23 so und am Ende landete man sogar im Playoff-Spiel um ein mögliches Europacup-Ticket.
Die Achterbahn wird auch in der Bundesliga nicht völlig verschwinden. Dafür ist der Unterschied zwischen erster und zweiter Liga zu groß.
Doch nach Jahren voller Extreme wäre in Lustenau wohl niemand unglücklich, wenn die Fahrt diesmal etwas ruhiger verläuft – solange sie weiter nach oben führt.
Florian Gabriel