Leistungsfähigkeit geht durch den Magen
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Leistungsfähigkeit geht durch den Magen

Warum eine Pizza nach dem Match gut und Zucker gar nicht so böse ist. Martin Rinderer, Ernährungswissenschafter des ÖFB, klärt auf.

Martin Rinderers WM-Vorbereitung war kompliziert.

"Das ist organisatorisch eine andere Liga, es ist viel mehr Vorlaufzeit notwendig", stöhnt der Ernährungswissenschafter des ÖFB.

Schon vor längerer Zeit wurde ein Cargo-Container per Schiff in die USA geschickt. Darin befanden sich "ein paar hundert Kilo Sportprodukte", Riegel, Gels, Eiweiß- und Kohlehydratpulver, etc.

"Es reicht bis zum Finale"

Der 41-Jährige ist auf alles vorbereitet, damit es David Alaba und Co. während des Turniers an nichts fehlt. "Wenn in Deutschland etwas fehlt, habe ich das in zwei Tagen nachbestellt. Das geht sich in Amerika nicht aus. Was wir mithaben, reicht bis zum Finale", sagt er.

Rinderer arbeitet seit 15 Jahren im absoluten Spitzensport, seit etwas mehr als drei Jahren ist er in seiner aktuellen Funktion beim Nationalteam tätig.

Es gibt Studien der FIFA, dass 70 bis 80 Prozent der Spieler die Mengen, die sinnvoll wären, nicht erreichen.

"Der ernährungswissenschaftliche Bereich ist in den letzten fünf Jahren extrem gehypt. Davor gab es das im Fußball wenig bis gar nicht", berichtet er. Klubs würden das Thema noch "sehr unterschiedlich" abdecken. "Von unterschiedlichen Zugängen bis zu völliger Inkompetenz gibt es alles", sagt der Vorarlberger.

Wer liefern will, muss essen

Dass das Thema Ernährung eine wichtige Rolle spielt, wenn es um die Leistungsfähigkeit auf dem Platz geht, ist wissenschaftlich längst belegt.

Rinderer: "Man weiß seit vielen Jahren, dass es abhängig von der Energie, die ich durch Kohlenhydrate in den letzten 24 Stunden des Spiels zuführe, signifikante Unterschiede in der Lauf- und Sprintleistung gibt. Das ist ein Fakt."

Und dennoch: "Es gibt Studien der FIFA, dass 70 bis 80 Prozent der Spieler die Mengen, die sinnvoll wären, nicht erreichen."

Der Vorarlberger arbeitet seit vielen Jahren im Spitzensport
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Der Vorarlberger arbeitet seit vielen Jahren im Spitzensport

Gerade der intensive Spielstil, den das ÖFB-Team unter Teamchef Ralf Rangnick pflegt, bedarf eines intensiven Energiemanagements. "Wenn ich nicht die Energie habe, um die taktischen Vorgaben umzusetzen…", gibt Rinderer zu bedenken.

Die Spieler vertrauen ihm

Die ÖFB-Spieler vertrauen Rinderer, das habe sich über Monate und Jahre hinweg entwickelt.

Der Wissenschafter sagt: "Einige von ihnen betreue ich über das ganze Jahr hinweg unabhängig vom Nationalteam sehr intensiv. Für einige bin ich ein zweiter Experte, wenn es um Rückfragen geht."

Um jeden Kicker abzuholen und bestens zu betreuen, wurde bis zuletzt an Details gefeilt, wurden die Trainings in Wien genutzt, um neue Dinge auszuprobieren.

Rinderer weiß: "Die letzte Stunde vor dem Spiel ist die individuellste. Wir passen für jeden einzelnen an, wer was wie einsetzt. Am Ende spielt Geschmack eine Riesenrolle. Wenn es nicht geil schmeckt, wirkt es auch weniger."

Die Pizza nach dem Spiel

Für Außenstehende mag es befremdlich wirken, wenn ÖFB-Spieler nach einem Match mit einer Pizza in der Hand aus der Kabine schlendern.

Rinderer aber sagt: "Eine qualitativ gemachte Pizza, die nicht vor Fett trieft, ist am Ende des Tages reich an Kohlenhydraten und Salz."

Das Minus an Minuten sollte sich nicht in einem Plus an Gewicht niederschlagen.

Er verweist vor allem auf die Anforderungen während englischer Wochen: "Wenn wir uns überlegen, dass wir 24 bis 48 Stunden vor dem Match loaden und dann mindestens zwei Tage brauchen, um zu regenerieren, muss ich dann eigentlich schon wieder beginnen, zu loaden. Loaden, performen, recovern, loaden, performen, recovern."

Und auch mit einer weiteren Mär räumt er auf: "Wenn er zur richtigen Zeit eingesetzt wird, ist Zucker gar nicht so böse. Vereinfacht gesagt, ist das während der Belastung. Im Endeffekt sind alle Gels und alle Kohlenhydratgetränke mit Zucker – das ist am besten verträglich."

Waage ja, aber weniger wegen des Gewichts

"Am Ende des Tages geht es bei allen Speisen um das Timing und die Menge – im Kontext zur restlichen Ernährung im Laufe des Tages. Es geht immer um die Balance."

Auf die Waage müssen die ÖFB-Spieler vor und während der WM regelmäßig. "Da geht es gar nicht ums Körpergewicht per se – dafür gibt es mit Hautfaltendicke-Messungen bessere Methoden –, sondern ums Hydrationsmanagement", erklärt Rinderer.

Doch auch das Gewichtsmanagement spielt eine Rolle. Der 41-Jährige lacht: "Nicht jeder spielt gleich viel, also kann nicht jeder gleich viel essen. Da geht es viel um individuelle Betreuung. Das Minus an Minuten sollte sich nicht in einem Plus an Gewicht niederschlagen."

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