Sieben Spruchbänder, sieben Botschaften, eine klare Position.
Die Fanszene des FK Austria Wien hat das 2:2 gegen den LASK genutzt, um klare Statements zur aktuellen Situation rund um den Verein abzugeben.
Die Quintessenz: Die Investoren-Gruppe "WTF" rund um Jürgen Werner soll den Verein verlassen, Präsident Kurt Gollowitzer und Wirtschaftsvorstand Harald Zagiczek die Veilchen in die Zukunft führen.
Jürgen Werner am Vorsängerpodest
Schon in den vergangenen Wochen und Monaten hat die Anhängerschaft auf der Osttribüne mit Spruchbändern während Spielen, aber auch unter der Woche vor der Geschäftsstelle, immer wieder ihren Unmut kundgetan.
Inzwischen ist es Usus, dass das durchgestrichene Konterfei Jürgen Werners das Vorsängerpodest "ziert".
90minuten erklärt die Spruchbänder der Austria-Szene, veröffentlicht die Stellungnahme der Fans, die die rund ums Spiel mittels Flugblätter verteilt hat, und hat eine Stellungnahme von Klub-Präsident Kurt Gollowitzer eingeholt.
"Violetter Aufsichtsrat: Kommt eurer Aufgabe nach und handelt im Sinne des Vereins!"
Hintergrund: Die Botschaft ist klar. Die Klientelpolitik im Aufsichtsrat soll ein Ende haben.
Aktuell sitzen neben dem Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Gollowitzer die "Violetten" Daniel Koppensteiner, Mathias Moser, Julian Jäger und Gregor Pilgram ebenso im obersten Entscheidungsgremium der Austria Wien AG wie die "WTF"-Vertreter Hanno Egger, Peter Vogl und Franz Suttner-Gatterburg. Die "WTF" hat noch einen Platz zu besetzen, zuletzt wurde Jürgen Werner als Kandidat ausgewählt, dann gab es aber einen Rückzieher.
Wenngleich mit der Bestellung von Tomas Zorn als Sportvorstand nach außen hin vermeintliche Einigkeit demonstriert wurde, ist das intern ganz und gar nicht so.
"Rokov: Šuti, lažove čuvaj svoja leda."
Hintergrund: Frei übersetzt, "Rokov, sei still, Lügner, pass auf deinen Rücken auf." Josko Rokov ist ein ehemaliger Spielervermittler, der zuletzt der Mittelsmann zu einer US-Investorengruppe, die angeblich beim FAK einsteigen wollte, war.
Er hat mit einer eidesstattlichen Erklärung Wirtschaftsvorstand Harald Zagiczek in die Bredouille gebracht. Dieser soll laut Rokov in einem Gespräch persönliche Provisionen für den Deal mit den US-Investoren gefordert haben. Belegen lässt sich das nicht. Zagiczek hat wegen übler Nachrede und Verleumdung Privatklage eingereicht, bestreitet die Vorwürfe vehement.
"Prödl: Investor, Nachwuchsleiter ÖFB, Wernerfreund – alles sauber in eurem Netzwerk?"
Hintergrund: Seit Dezember 2024 ist Sebastian Prödl "Leiter Nachwuchs-Nationalteams" des ÖFB. Seit Jänner 2022 ist er auch Investor bei der Wiener Austria – er hat als Teil der Werner-Gruppe "WTF" Anteile gekauft, bisher ist es ihm nicht gelungen, diese abzustoßen, der ÖFB sei darüber stets informiert gewesen. Zwischenzeitlich saß der Steirer auch im Aufsichtsrat der Austria.
Die FAK-Fanszene sieht ihn als Sinnbild für vermeintliche Unvereinbarkeiten im Netzwerk Werners.
"Sadlo-Kroha-Bezemer: Ihr betreibt keine Spielerberatung, sondern ROOFmord an unserem Verein."
Hintergrund: Das Trio Andreas Sadlo, Peter Kroha und Björn Bezemer ist bei der Spielerberater-Agentur "ROOF" tätig bzw. steht in enger Verbindung zu ihr. Sie sind in der "WTF"-Gruppe neben Werner die wichtigsten Geldgeber.
Dass eine Berater-Agentur Anteile an einem Fußball-Verein hält, ist bemerkenswert und kann bei sportlichen Entscheidungen durchaus zu Interessenskonflikten führen. "ROOF" betreut unter anderem Maurice Malone, Johannes Eggestein, Frans Krätzig und Billy Koumetio.
"Harreither: Du worst immer a Groda – loss di ned verbiegn!"
Hintergrund: Raimund Harreither gilt als Erz-Violetter – es ist kein Zufall, dass die Fans bei seinem Namen die Farbe Violett, bei "WTF"-nahen Personen wiederum Rot gewählt haben. Harreither hat den ursprünglichen Kontakt zu Rokov hergestellt.
Grundsätzlich ist ihm die Fanszene aber positiv gesinnt, er hat nicht nur einmal mit persönlichem Einsatz – auch finanzieller Natur – dem Klub in schweren Zeiten das Überleben gesichert.
"Wir wissen schon welcher Vogl der Presse alles zwitschert – bald ist wieder Jagdsaison!"
Hintergrund: Peter Vogl wurde zuletzt als "WTF"-Vertreter in den Aufsichtsrat kooptiert. Der Rechtsanwalt war schon Präsident der SV Ried und Geschäftsführer von Red Bull Salzburg. Er ist in der österreichischen Fußballszene bestens vernetzt.
Die Fanszene spielt mit diesem Transparent auf die Vermutungen an, dass der Oberösterreicher in einer großen Tageszeitung eine mediale Kampagne gegen Wirtschaftsvorstand Zagiczek initiiert haben soll.
"Kurt und Harry: Die richtigen Männer für Violett."
Hintergrund: Die Austria-Fans beziehen mit ihrem abschließenden Spruchband ganz klar Stellung. Klub-Präsident Kurt Gollowitzer und Wirtschaftsvorstand Harald Zagiczek sind ihrer Meinung nach jene beiden, die den Verein in eine erfolgreiche Zukunft führen sollen.
Die Stellungnahme der Fanszene:
Im Verein brodelt es. Hinter den Kulissen ringen verschiedene Gruppen um Einfluss - die Investorengruppe WTF auf der einen, ein Teil des Aufsichtsrats des Vereins und der Vorstand auf der anderen. Alle Seiten haben unterschiedliche Zugänge, wenn es darum geht, (finanzielle) Probleme zu lösen. Für uns Mitglieder und Fans bleibt vieles im Dunkeln. Informationen werden zurückgehalten, Entscheidungen wirken undurchsichtig, und am Ende können wir nur jenen vertrauen, von denen wir glauben, dass sie im Sinne der Austria handeln.
Doch selbst dort gibt es Widersprüche und Ungereimtheiten. Deshalb bleibt uns oft nur die kurzfristige Reaktion - ein Spruchband, ein Zeichen, eine Aktion.
Trotz all dieser Schwierigkeiten tragen wir eine Vision in uns: Wir wollen eine Austria, die wieder näher bei ihren Mitgliedern ist. Eine Austria, die Mitbestimmung zulässt. Wir wollen mehr ordentliche Mitglieder, mehr engagierte Menschen im Verein - und weniger aufgeblähte Gremien, weniger starre Hierarchien, weniger Intransparenz.
Ein zentraler Punkt ist für uns die Auszahlung der WTF-Investorengruppe.
Erst wenn diese Abhängigkeit beendet ist, kann der Verein wieder eigenständig handeln und verantwortungsvoll mit seinen vorhandenen Mitteln wirtschaften. Danach gilt es, nicht in Selbstzufriedenheit zu verfallen, sondern entschlossen daran zu arbeiten, den Verein sportlich wie organisatorisch wieder auf Kurs zu bringen.
Sportlich stehen wir weiterhin hinter Trainer Stephan Helm. Ebenso wichtig ist uns die konsequente Förderung der Jugend sowie die Fortführung der erfolgreichen Arbeit in der Akademie unter der Leitung von Manuel Takacs. Diese Bereiche bilden das Fundament für eine nachhaltige Zukunft der Austria.
Das sagt Klub-Boss Kurt Gollowitzer:
Am Montag hat sich auch Klub-Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Kurt Gollowitzer gegenüber 90minuten zu den Protest-Aktionen geäußert.
Er sagt: "Wir gehen davon aus, dass die Spruchbänder nach dem Einlass ins Stadion angefertigt wurden, nachdem sie nicht Teil der von uns freigegebenen Choreo-Materialen waren."
"Die freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut und ein zentraler Bestandteil der Fankultur, wir distanzieren uns aber ausdrücklich und unmissverständlich von Aussagen und Inhalten jeglicher Art, die in einem bedrohlichen Kontext stehen."
Harald Prantl