"Er ist so wichtig für unser Spiel! Gefühlt macht er jedes Mal einen Scorerpunkt", sagt Kapitän Manfred Fischer.
Das ist fast noch eine Untertreibung. Zwei Tore und eine Vorlage hat Johannes Eggestein bei den beiden Siegen gegen Salzburg und Rapid zum Frühjahrsauftakt geliefert. Und damit dort weitergemacht, wo er 2025 beim Sieg gegen Sturm mit einem Tor und einem Assist aufgehört hat.
On fire wie einst Tabakovic
Der Deutsche ist im Trikot der Wiener Austria aktuell dermaßen on fire, wie es gefühlt seit Haris Tabakovic kein Stürmer mehr war.
"Überragend! Wir sind so froh, dass wir ihn haben", sagt Aleksandar Dragovic.
Mit Bänderriss gespielt
Erst Ende Juli kam der 27-Jährige ablösefrei vom FC St. Pauli nach Wien Favoriten. Der Start verlief wenig überraschend eher holprig.
"Ich hatte keine Sommervorbereitung mit der Mannschaft, da fehlen sechs Wochen, das macht schon etwas aus", erzählt Eggestein. Sichtlich fehlte ihm zunächst die Matchfitness.
Das ist ein Beißer!
Außerdem spielte er im September mit einem Bänderriss im Knöchel. "Das ist aber niemandem aufgefallen, weil er nicht einmal ein Training ausgelassen hat. Das ist ein Beißer", sagt Trainer Stephan Helm.
Abgesehen von einem Joker-Tor beim 5:0-Europacupsieg gegen Spaeri konnte er erst Mitte September zum ersten Mal anschreiben. Da zählte es schon. Denn Eggesteins Verpflichtung war ein Vorgriff auf den bevorstehenden Abgang von Maurice Malone, der schließlich an den SK Sturm verkauft wurde.
Inzwischen schultert er den FAK-Sturm praktisch im Alleingang. Noah Botic ist verletzt out, auch die Alternative Manprit Sarkaria fehlt lange, Marko Raguz spielt weiterhin keine Rolle, Romeo Vucic nach seiner Verletzung vielleicht irgendwann. Dann ist da nur noch Kelvin Boateng, dem eher die Jokerrolle zugedacht ist.
Sieben Tore und sieben Assists hat Eggestein inzwischen am Konto. Das macht ihn ex aequo mit Wolfsbergs Dejan Zukic zum Topscorer der Liga, auf der Torschützenliste belegt er Rang sechs und er ist der zweitbeste Assistgeber der ADMIRAL Bundesliga.
Kein Ego-Stürmer
Und doch ist der Hannoveraner kein Ego-Stürmer, der um seiner Stats willen spielt.
Über seinen aktuellen Erfolgslauf sagt er: "Als Stürmer versucht man, in solche Situationen zu kommen. Mir ist klar, dass das nicht in jedem Spiel gelingen wird – und das ist auch nicht schlimm. Wir sind als Mannschaft sehr stark, wenn andere die Tore machen, ist das auch gut."
Die Austria hat das Glück, die Last des Toreschießens auf mehrere Schultern verteilen zu können. 14 verschiedene Spieler haben in dieser Saison schon Pflichtspieltore bejubelt, elf davon mehr als eines.
Er macht die Mannschaft besser!
Praktisch alle von ihnen profitieren von Eggesteins Qualitäten. Er ist der Typ Spieler, der seine Kollegen besser macht.
Philipp Wiesinger schwärmt: "Er macht das richtig gut. Er kann die Bälle sichern, sein erster Kontakt ist super, er trifft sehr viele richtige Entscheidungen."
Das fehlende Puzzleteil
Nicht sonderlich schnell, aber spielintelligent. Physisch nicht gerade imposant, aber durchsetzungsfähig. Ein Spieler, der seine Stärken und Schwächen genau kennt, und sie perfekt einsetzt bzw. kaschiert. Das mag nicht immer spektakulär sein, effizient ist es allemal.
Helm ergänzt: "Er war wie ein fehlendes Puzzleteil, kann der Mannschaft geben, was sie gebraucht hat – von der Persönlichkeit und vom Spielertypus her. Er macht die Mannschaft besser."
Eggestein bildet gemeinsam mit Innenverteidiger Dragovic und Mittelfeld-Motor Fischer jene zentrale Achse aus erfahrenen Leistungsträgern, die der Austria den nötigen Halt gibt.
Benchmark-Spieler nennen sie diesen Typus in der neuen FAK-Philosophie.
Harald Prantl