Austria: Zorns Bestellung alternativlos oder naiv?
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Austria: Zorns Bestellung alternativlos oder naiv?

Die Austria folgt dem Vorschlag des ungeliebten Investors und bestellt einen neuen Sportvorstand. Der sorgte im Vorfeld schon für Irritationen. Warum das alles?

Am Dienstag dürfte alles sehr schnell gehen.

Bereits um 7:30 Uhr trifft sich der Aufsichtsrat der FK Austria Wien AG in der Generali Arena.

Tomas Zorn wird dort zum neuen Sportvorstand der Veilchen bestellt. Das ist durchaus als Überraschung zu werten.

Investition in die Zukunft

Obwohl der Deutsch-Russe von Teilen des Vereins nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird, ist seine Bestellung für sie gewissermaßen eine Investition in die Zukunft. Es ist kompliziert.

Aber der Reihe nach. Ende August 2025 trat Jürgen Werner als Sportvorstand der Veilchen zurück. Gleichzeitig ist der Oberösterreicher mit der "WTF" aber Teil der AG-Investoren.

Beim Einstieg hat sich die "WTF" mittels Syndikatsvertrag das Recht gesichert, im Falle eines Abgangs Werners dessen Nachfolger zu bestimmen – mit einem einmaligen Veto-Recht des Vereins. Dieser Vertrag ist ein "Erbe" der Ära von Präsident Frank Hensel und Vorstand Gerhard Krisch.

"Ausbaden" müssen das nun deren Nachfolger – Präsident Kurt Gollowitzer und Wirtschaftsvorstand Harald Zagiczek.

Um den Verein geht es nur noch teilweise

Wochen nach Werners Abgang verabschiedete Zagiczek Sportdirektor Manuel Ortlechner und setzte an seiner Stelle Michael Wagner ein, den wiederum unterstützen der Technische Direktor Robert Urbanek und Akademie-Leiter Manuel Takacs.

Werner und Zagiczek können sich nicht mehr riechen.
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Werner und Zagiczek können sich nicht mehr riechen.

Werner überraschte dieser Schachzug, seither ist er so gar nicht gut auf Zagiczek zu sprechen. Im Hintergrund tobt ein erbitterter Machtkampf, bei dem die Vereinsinteressen oftmals nur noch peripher eine Rolle spielen. Vor allem Zagiczek und der neuen Sportdirektion wurde schon so manches Hackl ins Kreuz geworfen.

Schmadtke winkte ab

Anfang Dezember machte die "WTF" publik, Zorn installieren zu wollen. So manch anderer Kandidat, unter anderem Jörg Schmadtke, hatte zuvor angesichts der toxischen Gemengelage am Verteilerkreis abgewunken.

Die Vereinsvertreter spielten auf Zeit, Aufsichtsratssitzungen wurden aus diversen Gründen immer wieder verschoben.

Vor zwei Wochen unterzog sich der ehemalige Spielerberater Zorn dann im Aufsichtsrat einem Hearing.

Irritation rund um Ndukwe-Einmischung

Dabei wurde er unter anderem damit konfrontiert, dass er rund um den anstehenden Wechsel von Ifeanyi Ndukwe zu Liverpool für jede Menge Irritationen gesorgt hatte.

Ohne Mandat der Austria meldete sich der 39-Jährige bei Ndukwe-Berater Frank Schreier, erkundigte sich nach dem Stand der Dinge und wollte Informationen zum Wechsel.

Er habe einfach mit einem alten Bekannten telefoniert, um Bescheid zu wissen, sagt das Umfeld von Zorn dazu. Er habe den Transfer gefährdet, sagen andere. Die violetten Aufsichtsräte waren mit Zorns Erklärung offenbar zufrieden.

Eine erstaunliche Entwicklung

Gollowitzer verhandelt für den FAK mit der WTF.
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Gollowitzer verhandelt für den FAK mit der WTF.

Denn in den vergangenen Tagen hat eine erstaunliche Entwicklung stattgefunden. Anstatt Zorns Bestellung abzulehnen und so weiter Zeit zu gewinnen, wird zumindest einer der fünf Aufsichtsräte, die der Verein Austria Wien stellt, am Dienstag zustimmen. Die vier WTF-Vertreter tun das sowieso.

Vielmehr wurde die Sportdirektion von Präsident Kurt Gollowitzer Ende der Woche sogar angewiesen, Zorn das umfangreiche Strategie-Papier zur sportlichen Neuausrichtung zukommen zu lassen. Sollte es am Dienstag noch Nachfragen geben, wird Zorn also freilich bestens vorbereitet sein.

Zorn will kein "Werner-Mann" sein

Er fände die violette Strategie gut, lässt Zorns Umfeld ausrichten. Und überhaupt sähe sich der Deutsch-Russe, der bisher bei Spartak Moskau und Lok Moskau in ähnlichen Positionen gearbeitet habe, gar nicht als "Werner-Mann".

Hört man sich bei den Verantwortlichen am Verteilerkreis um, dürfte Zorn diese Meinung eher exklusiv vertreten.

Warum aber wird seine Bestellung durchgewunken?

"WTF" soll zum Anteilsverkauf bereit sein

Im Hintergrund arbeitet die Austria intensiv daran, die "WTF"-Anteile – es sind 40 Prozent der 49,9 Prozent, die die "Viola Invest" an der AG hält – zurückzukaufen. Die Gespräche haben zuletzt Fahrt aufgenommen.

Die "WTF" scheint bereit, ihre Anteile um rund 7,5 Millionen Euro an die Austria zu verkaufen. Damit wäre Jürgen Werner bei der Austria Geschichte.

Die Austria wiederum ist zuversichtlich, das Geld schon bald aufstellen zu können. Noch ist es aber nicht soweit.

Zwar dürfte ein "Term Sheet" zwischen dem Klub und der "WTF" zur Unterschrift bereitliegen, rechtlich bindend ist diese Absichtserklärung aber nicht.

Nur kein Ärger

Also muss der Klub weiter auf das Wohlwollen von Werner und Co. hoffen, dass der Verkauf dann tatsächlich über die Bühne gehen kann.

Währenddessen will man den intern ungeliebten Investor nicht verärgern, winkt also Zorn durch.

Naiv oder alternativlos?

Ob dieses Vorgehen naiv oder alternativlos ist, liegt im Auge des Betrachters. Tatsache ist, dass Tomas Zorn zum Zeitpunkt seiner Bestellung in Wien-Favoriten gewissermaßen schon wieder ein Ablaufdatum hat.

Leidtragend an diesem Schlamassel sind all jene Menschen, die im täglichen Geschäft seit Wochen teils handlungsunfähig über all die Prügel, die ihnen von diversen Seiten vor die Füße geworfen werden, stolpern.

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