Eine Busfahrt, die ist lustig. Eine Busfahrt, die ist schön. Was für viele zum fixen Urlaubsprogramm gehört, ist in der Bundesliga eher ein notwendiges und jedenfalls herausforderndes Übel.
16 Auswärtsspiele absolvieren die zwölf Vereine alleine in Grunddurchgang und Meister- oder Qualifikationsgruppe. Auch im beschaulichen Österreich läppern sich dabei die zurückzulegenden Kilometer.
Blickt man nach Deutschland und England, stößt man rasch auf kritische Berichte zum Reisverhalten der dortigen Profivereine.
In der Deutschen Bundesliga brauchen die meisten Vereine zumindest beide Hände, um die pro Saison absolvierten Inlandsflüge abzuzählen. Diese gelten im Vergleich mit sämtlichen Alternativen als besonders klimaschädlich.
Aber wie reist eigentlich Österreichs Bundesliga? Immerhin braucht man für die Strecke Hartberg-Altach nur eine Autostunde länger, als für eine Fahrt zwischen Hamburg und München.
90minuten hat die zwölf Vereine nach dem Grunddurchgang 2025/26 befragt.
Am Boden geblieben
Vielflieger, das wird schnell deutlich, sucht man hierzulande vergeblich. Nur vier Vereine geben an, in dieser Saison innerösterreichische Auswärtsspiele mit dem Flugzeug angesteuert zu haben. Sturm Graz und die Wiener Austria haben sich die rund achtstündigen Busfahrten nach Altach gespart, stattdessen landete man nach knapp einer Stunde in der Luft am Flughafen Friedrichshafen bzw. St. Gallen-Altenrhein.
Für den WAC ging es nach dem Conference-League-Spiel in Nikosia via Innsbruck direkt zur WSG, die Rückreise nach Kärnten wurde auf Rädern absolviert.
Flüge zu Bundesliga-Auswärtsspielen im Grunddurchgang:
Das in mehrerlei Hinsicht ungünstigste Los hält der SCR Altach. Fast 12.000 Kilometer hatten die Vorarlberger über die ersten 22 Runden abzuspulen - die Mehrbelastung im Vergleich mit der Konkurrenz ist enorm.
Anreisedistanzen zu Auswärtsspielen:
Verein | Strecken über 500 km | Gesamt ca. |
|---|---|---|
SCR Altach | 6 (54 %) | 5.600 km |
WSG Tirol | 1 (9 %) | 3.900 km |
Wolfsberger AC | 1 (9 %) | 3.100 km |
TSV Hartberg | 2 (18 %) | 3.000 km |
SK Rapid | 1 (9 %) | 2.700 km |
Austria Wien | 1 (9 %) | 2.700 km |
GAK | 1 (9 %) | 2.600 km |
Sturm Graz | 1 (9 %) | 2.600 km |
Red Bull Salzburg | / | 2.600 km |
SV Ried | / | 2.500 km |
Blau-Weiß Linz | / | 2.400 km |
LASK | / | 2.400 km |
Rückreisen nach den Spielen sind in der Tabelle nicht berücksichtigt, sorgen aber natürlich für zustätzlichen Zeitaufwand und Kosten. Ohne die Flüge zu Spielen in Wien, Hartberg und Graz - in diesem Fall samt Rückflug - hätte der SCR Altach rund 130 Stunden auf der Straße verbracht. Ein zentral beheimateter Verein wie der LASK kommt auf knapp 60.
"Die wirtschaftliche Belastung ist definitiv höher", meinen die Vorarlberger. Durch Vereinbarungen mit Partnern und Sponsoren könne man die Kosten reduzieren. Von der Konkurrenz gab es die - scherzhaft gemeinte - Anmerkung zu hören, für Altach wäre es wohl angenehmer, würden sie in der Schweiz mitspielen.
Steigende Kosten
Wieviel die Fahrerei - und vereinzelte Flugreisen - wirklich kosten, lässt sich pauschal kaum festmachen. Alleine bei den Kosten für den Mannschaftsbus gehen die Angaben der Vereine auseinander: Die Spanne beginnt bei 1.500 Euro und geht bis 5.000 Euro, die genaue Summe variiert je nach Strecke.
Eine allfällige Übernachtung vor dem Spiel, Platzmieten für Trainingseinheiten, sowie Verpflegung von Spielern und Betreuerteam kommen obendrauf.
Pro Auswärtsspiel landet man schnell bei Kosten von 10.000 Euro
Pro Bundesliga-Auswärtsspiel landet man somit schnell bei knapp mehr als 10.000 Euro.
Wer fliegt, muss mit noch höheren Kosten rechnen. Zu rund 25.000 Euro für eine Chartermaschine kommen Kosten für Hotel, Flughafentransfers oder eine Leerfahrt des Mannschaftsbusses. Günstiger bleibt es auf Linienflügen, die allerdings nicht immer in Frage kommen.
In Summe landen die meisten Vereine über eine Saison bei Ausgaben im niedrigen bis mittleren sechsstelligen Bereich. Eine wichtige Anmerkung kommt vom SK Rapid: Reisen wird teurer. Im Vergleich zu 2021/22 sind die Kosten der Hütteldorfer in der Vorsaison um mehr als 60 Prozent gestiegen. Auch die WSG Tirol spricht von einer "starken Steigung".
In Bewegung bleiben
Weder der LASK noch der SK Rapid sind in der laufenden Saison fliegend zu Bundesliga-Auswärtsspielen angereist. Beide Vereine geben an, erst bei Fahrten ab fünf Stunden Alternativen zum Mannschaftsbus in Erwägung zu ziehen.
Um längere Reisen so komfortabel wie möglich zu gestalten, setzen die zwölf Klubs mit ihren jeweiligen Partnern auf modern ausgebaute Reisebusse. Viele sind doppelstöckig, Mannschaft und Betreuerteam können sich in separaten Bereichen ausbreiten.
Einige zusätzliche Annehmlichkeiten der Busse:
Verein | Sonderausstattung | |
|---|---|---|
SK Rapid | Kleine Küche | |
Austria Wien | Schlafsitze, Küchenzeile, WLAN, Fernseher (inkl. Sky-Zugang) | |
SCR Altach | Schlafmatten | |
Red Bull Salzburg | Sitze mit spezieller Beinauflage, WLAN, TV, zusätzliche Kühlbereiche für Getränke | |
Blau-Weiß Linz | Integrierte Küche | |
GAK | Zusätzlicher Kühlschrank | |
Klar ist, dass die sportliche Leistungsfähigkeit der Spieler unmittelbar nach einer langen Busreise eingeschränkt ist. Alle Vereine geben deshalb an, zum Großteil der Spiele bereits einen Tag früher anzureisen. Ausnahmen sind Auswärtspartien innerhalb einer Stunde Fahrzeit. Zurückgefahren wird meist noch am Tag des Spiels.
Um die Spieler bei Frische und Laune zu halten, werden bei weiten Busreisen auf halber Strecke längere Mittagspausen eingelegt. So bleibt Zeit für einen Spaziergang und Mittagessen. Der SK Rapid erklärt, vor wenigen Jahren auch noch Trainingseinheiten in die Anreise integriert zu haben. Die Müdigkeit nach langer Zeit im Bus – so beschreibt es der LASK – setzt häufig erst am nächsten Morgen ein. Nach der Ankunft wird deshalb in der Regel noch leicht trainiert oder zumindest ausgerollt.
Rapid-Pressesprecher Peter Klinglmüller stellt fest: "Lobeshymnen nach einer Busfahrt nach Vorarlberg blieben bislang verständlicherweise aus, große Klagen allerdings auch."
Für die Vereine im Westen – die WSG Tirol und Altach – hält der Spielplan hin und wieder zusätzliche Herausforderungen bereit. Weil die Vorarlberger im Sommer innerhalb weniger Tage zwei Spiele in Wien absolvieren mussten, legte man ein Kurztrainingslager in der Bundeshauptstadt ein.
Auch die Tiroler fuhren nach einem samstäglichen Auswärtsspiel bei der Wiener Austria Ende November nicht nach Hause, sondern direkt zur Nachtragspartie in Graz an einem Mittwoch.
Warum nicht mit dem Zug?
Für mehrere Bundesligisten kommt der Zug als Alternative zu Bus und Flugzeug alleine deshalb nicht infrage, weil die Anbindung einzelner Orte nicht gut genug ist.
Dass kein Verein zu einem seiner Auswärtsspiele mit der Bahn gefahren ist, überrascht dann aber doch. Zu tun hat das wohl mit der aktuellen Position der ÖBB: Das exklusive Mieten einzelner Wagen ist nicht möglich. Würde man alle Plätze eines Waggons mieten, aber nicht vollständig besetzen, könnten fremde Personen zusteigen – kein besonders attraktives Konkurrenzmodell zum eigenen Bus.
Die ÖBB wurden von Vereinen aus den beiden höchsten Ligen Österreichs betreffend einer Kooperation angefragt.
Derzeit kooperiert das Bahnunternehmen mit dem ÖFB, an möglichen Kooperationen mit Bundesliga-Vereinen gibt es derzeit kein Interesse: "Die ÖBB wurden in den letzten Jahren von Vereinen aus den beiden höchsten Ligen Österreichs kontaktiert und betreffend einer Kooperation angefragt. Konkrete Gespräche wurden jedoch nicht geführt, da die ÖBB ihre Sponsoring-Aktivitäten klar auf die Mobilitätspartnerschaft mit dem ÖFB ausgerichtet haben", heißt es auf 90minuten-Anfrage.
Die Nationalteams reisen in der Regel ebenfalls per Bus und Flugzeug, gemeinsam mit den ÖBB liegt der Fokus auf Fanmobilität. "Es wird jedoch auch geprüft, Nationalteams oder Trainer bei Bahnreisen zu unterstützen, sofern dies organisatorisch möglich ist", erklärt das Bahnunternehmen. Als Beispiel dient Ralf Rangnick, der im Rahmen seiner "Trainieren mit dem Teamchef"-Veranstaltungen mit dem Zug unterwegs war.
Wenn doch einmal geflogen wird
Falls nicht mit dem Bus gefahren wird, bleibt somit nur das Flugzeug als Alternative. Vor allem bei internationalen Spielen ergibt sich für die Vereine meist keine andere Wahl.
Inklusive Anfahrt zum Flughafen, Sicherheitskontrolle, Stehzeit und Transfer zum Zielort summiert sich der Zeitaufwand freilich auch bei diesem Transportmittel, von den hohen Kosten ganz zu schweigen.
Die Mehrheit der Flüge zu Europacupspielen wird per Charterflugzeug unternommen, was die Abwicklungszeit verkürzt. Weil Restplätze an Sponsoren, Fans und Medien vergeben werden können, lässt sich außerdem ein Teil der Ausgaben zurückholen. National wird Linie geflogen.
Was macht der Mannschaftsbus, wenn er nicht gebraucht wird? Das hängt von der Vereinbarung mit dem Reisepartner ab. Bei Sturm Graz fährt der Bus nicht voraus oder hinterher, stattdessen wird ein eigener angemietet. Red Bull Salzburg – sofern sinnvoll umsetzbar – schickt den Bus mit möglichst viel Gepäck zum Zielort, während die Mannschaft fliegt. Auch das soll der Umwelt zugutekommen, weil das Flugzeug weniger schwer beladen ist.
Rapid verfolgt eine Mischung aus beiden Ansätzen und rechnet vor: Mit rund 800 Kilogramm Gepäck im Flugzeug wäre der CO2-Ausstoß höher als bei einem separaten Transport im Bus. Das habe eine interne Analyse ergeben.
Wie viel Zeitersparnis wirklich möglich sein soll, sehen die Vereine unterschiedlich. Altach rechnet – im Vergleich zur Busfahrt nach Graz – mit rund fünf Stunden.
Besonders einfach macht es sich die Wiener Austria: Eine Partnerschaft mit dem Flughafen Wien macht es möglich, dass die Mannschaft den VIP-Terminal in Schwechat nutzen darf. Auch der SK Rapid hat vor Kurzem die Fluglinie Turkish Airlines als "Airline-Partner" an Bord geholt. Auf das Reiseverhalten der Kampfmannschaft, so der Verein, soll sich das aber nicht auswirken.
Umweltbewusstsein
In einem weiteren Punkt sind sich die zwölf Bundesligisten weitgehend einig: Den Umweltschutz möchte man, im Rahmen der Möglichkeiten, bei der Reiseplanung bestmöglich berücksichtigen.
Inwiefern sich daraus die niedrige Zahl von Flugreisen ableiten lässt, bleibt offen. Mit sechs Flughäfen fehlt Österreich schlicht die Infrastruktur, um das Pensum sinnvoll zu erhöhen. Zum Vergleich: Deutschland und England zählen je über 30 Flughäfen.
Im Vordergrund stehen deshalb andere Initiativen: Beim LASK wurde ein nachhaltiges Mobilitätsangebot neben der Raiffeisen Arena eingerichtet, zudem nutzt der Verein eine Aufbereitungsanlage für Regenwasser. Red Bull Salzburg plant, demnächst einen neuen Reisebus mit besseren Abgaswerten anzuschaffen.
Sturm Graz nennt unter anderem die Reduktion von Papier- und Plastikverbrauch, E-Parkplätze, sowie die Planung des neuen Trainingszentrums nach höchsten Umweltstandards als Maßnahmen für den Umweltschutz. In Sachen Reisen würden aber die Faktoren Komfort, Flexibilität und Kosten dominieren – diese Haltung hat der Meister nicht exklusiv.
Beim SK Rapid setzt man auf Anreize für Fans, öffentlich zu Heimspielen anzureisen. Im Frühjahr soll wieder erhoben werden, welche Verbesserungsmöglichkeiten es in diesem Bereich gibt. Die Mannschaft fährt laut Angabe des Vereins mit einem Bus, der vollständig mit fossilfreiem Treibstoff betrieben wird. Die vereinseigene PKW-Flotte wurde zudem auf E-Autos umgestellt.
Wenn's nicht läuft
Auf Komplikationen und Verzögerungen auf Reisen in der laufenden Saison angesprochen, nennen die meisten Vereine Verkehr als Hauptursache für Zeitverlust.
Besonders kompliziert wird es aber vor allem dann, wenn kein Bus zur Verfügung steht. So berichtet der SK Rapid von seiner An- und Rückreise aus Mostar nach einem Conference-League-Spiel: Der örtliche Flughafen war aufgrund widriger Witterungsbedingungen gesperrt, der Charterflug wurde deshalb nach Dubrovnik umgeleitet. Von dort wurde die Mannschaft mit Bussen zum Spielort gebracht, kam dort sieben Stunden später als geplant an. Auch der Rückflug verzögerte sich um einen halben Tag.
Der SCR Altach musste auf dem Weg zum TSV Hartberg kurzfristig den Abflughafen wechseln und bis Zürich fahren, ein Umweg von rund einer Stunde.
Erst kürzlich war auch die Wiener Austria zum Warten verdammt: Aufgrund heftiger Schneefälle in Wien war der Betrieb des Flughafens Schwechat zeitweise stark eingeschränkt. Mehrere Stunden saß die Mannschaft im Terminal, wurde aber immerhin mit einem Abendessen versorgt. Auf den Bus hätte man nicht mehr ausweichen können, er befand sich bereits in Vorarlberg.
Knapp wurde es auch für den SK Sturm Graz, weil das Cupspiel beim SCR Altach in die Verlängerung ging. So hätte man beinahe den Abflugslot verpasst. "Für diese Situationen gibt es aber Notfallpläne des Teammanagers – im konkreten Fall die Wahl zwischen einer weiteren Nacht im Hotel oder einem angemieteten Bus nach Graz", schreibt der Verein.
Daniel Sauer