[Potenzialanalyse] Stefan Ilsanker: Unspektakulär, aber wirkungsvoll - Österreichs bester Sechser
Stefan Ilsanker feierte mit RB Leipzig einen vollen Erfolg gegen Eintracht Frankfurt. 90minuten.at hat die Leistung des Sechsers analyisert. Eine Potentialanalyse von David Goigitzer
Ilsankers Bewegungsspiel entscheidend
Ilsankers Spiel begann aufregend: Bereits in der dritten Minute wurde der Frankfurt-Keeper Hradecky ausgeschlossen, nachdem er den Ball mit der Hand außerhalb des Strafraums abgefangen und eine klare Torchance vereitelt hatte. Der Pass in die Tiefe, der vorangegangen war, kam von Ilsanker. Der ÖFB-Teamspieler spielte auf seiner angestammten Position als rechter Sechser im 4-2-2-2. Durch den Platzverweis änderte sich natürlich auch die Taktik der beiden Mannschaften etwas. Die Frankfurter verteidigten im 5-3-1, und taten dies auch recht tief. Leipzig musste nun mehr mit längeren Ballbesitzphasen arbeiten, als sie dies normalerweise tun.
Ilsankers Rolle veränderte sich nun leicht, er hatte vor allem im tiefen Spielaufbau deutlich weniger Druck standzuhalten. Er positionierte sich vor der Viererkette halbrechts, oder direkt vor der Dreierkette, wenn Demme abkippte, um eine Raute zu bilden. Er versuchte sich jedoch stets hinter der ersten Pressinglinie Frankfurts, die ja nur aus einem Mann bestand, zu situieren. Gelangte der Ball in höhere Zonen, dann agierte Ilsanker in einer pendelnden Rolle. Bisweilen versuchte er durch vertikale Läufe in die Formation der Eintracht Passwege auf die Flügel zu öffnen, bei der Dreiecksbildung für die Ballzirkulation in eben jener Zone zu assistieren und anschließend auch die Zonen um den gegnerischen Strafraum herum zu besetzen.
Gegen einen kompakten und tief stehenden Gegner ist es oft nicht leicht durchzubrechen. Man tendiert dann im Bewegungsspiel dazu, oft aus der gegnerischen Formation heraus zu kippen und den Ball im „U“ zu zirkulieren. Also von einem Flügel nach hinten zur Mitte und wieder zum anderen Flügel, ohne jegliche Penetration. Ilsankers Bewegungen in die Formation des Gegners hinein sollte dem entgegen steuern.
Abbildung 1: Ilsankers Pass auf Bernardo vor der Roten Karte
In den ersten 15 Minuten hatte er vor allem im Angriffsspiel zwei prägnante Situationen, als er jeweilige Schnellangriffe durch eine passende Mitnahme und einen Pass in die Tiefe einleitete. Danach blieben seine Ballkontakte weniger durchschlagskräftig, er war in seiner Entscheidungsfindung sehr stabil und passend zum Moment. Sein Bewegungsspiel war Ilsankers Hauptaufgabe in der ersten Hälfte. Er schuf Raum für seine Mitspieler und für Passwege, und half so dabei eine saubere und schnelle Zirkulation aufrecht zu erhalten, während er sich auch immer passend fürs Gegenpressing positionierte, so einen Ball gewann und auch zwei Bälle entscheidend abfangen konnte. Einzig seine etwas längeren Pässe, sowie seine zwei Flankenversuche waren nicht ausreichend gut ausgeführt und kamen nicht an.
Auch in Halbzeit zwei blieb Ilsanker sehr sauber im Passspiel, wurde nun etwas öfter eingebunden und hatte mehr Ballkontakte. Durch seine Unterstützung am rechten Flügel kam er immer wieder an den Ball und bereite von dort immer wieder Verlagerungen vor, die dann von anderen ausgeführt wurden. Das Passspiel des Salzburgers ist sehr unspektakulär, dennoch hat es eine wichtige Wirkung auf die Stabilität seines Teams. Seine Positionierung bei gegnerischem Ballbesitz war weiterhin sehr stark, weshalb er öfters an die hohen Bälle gelangte und diese auch sauber zu seinen Mitspielern weiterleiten konnte. Eine durchwegs gute Leistung des 27-jährigen Salzburgers, der im Moment wohl der beste Sechser ist, den Österreich zu bieten hat.
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