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Austria Wien siegt über ineffektives Sturm Graz [Spiel-Analyse]

Sturm Graz ließ gegen die Wiener Austria in der Defensive wenige Chancen zu, war aber in der Offensive nach mehreren Konterchancen erfolglos. Die Violetten verbesserten sich ein wenig im Pressing, waren aber durch die schlechte Konterverteidigung noch immer anfällig nach Ballverlusten.

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++ 90minuten.at Exklusiv ++ Eine Spiel-Analyse von Simon Goigitzer

 

In dieser Partie spielte FK Austria Wien wieder eine 5-3-2/3-5-2-Formation. Gegenüber der Niederlage gegen den FC Red Bull Salzburg gab es einige personelle Änderungen. Caner Cavlan und Dominik Prokop standen nicht in der Startelf. Dafür spielten Maximilian Sax und Christoph Martschinko von Beginn an. Gegenüber den Sieg gegen die Admira tauschte Trainer Nestor El Maestro IvanLjubicfür Stefan Hierländer aus. Die Grazer spielten, wie auch in den Partien davor, in einem 4-2-3-1. Vor einigen Wochen wurden die drei Baustellen von Austria Wien unter Christian Ilzer präsentiert. Gegen den WAC verbesserte sich die Austria zwar in einigen Dingen, doch wie schaut es zurzeit mit der Entwicklung aus? Und sind diese drei Baustellen noch vorhanden?

 

Austria weiterhin mit Problemen, allerdings sieht man Verbesserungen

Die Wiener Austria agierte die meiste Zeit im Pressing in einem 5-3-2, wobei sich der zentrale Mittelfeldspieler öfters weiter nach hinten fallen ließ, um den Zehner der Grazer zuzustellen. Im Pressing leiteten die beiden Stürmer beim Anlaufen die Innenverteidiger nach außen. Das heißt, dass der Offensivspieler der Austria den ballführenden Innenverteidiger von innen nach außen anlief und versuchte den Abwehrspieler der Gäste zu einem Zuspiel auf den Flügel oder zu einem hohen Pass nach vorne zu zwingen. Besonders gegen Lukas Spendlhofer (linker Innenverteidiger) war dieses Anlaufen effektiv, da Christoph Monschein den Grazer auf seinen schwächeren Fuß leitete. Damit zwang er den Innenverteidiger, weil er viel mit dem rechten Fuß machte, zu einer schnelleren Entscheidung.

Wenn der Ball auf den gegnerischen Außenverteidiger gespielt wurde, presste meistens einer der äußeren Achter der Violetten den Außenspieler an. Daraufhin schoben die beiden anderen Mittelfeldspieler sehr weit mit. Die Austria versuchte den ballnahen Raum so eng wie möglich zu gestalten und die Grazer am Flügel in eine Pressingfalle zu locken. Allerdings funktionierte das Pressing einige Male nicht, da der Achter viel zu einfach ausgespielt wurde und der Raum auf der ballfernen Seite mit einem Wechselpass ausgenützt werden konnte. Wie zum Beispiel in der 14. Minute. (Abbildung 1)

Abbildung 1: Sturm nützte die freie ballferne Seite mit einem Wechselpass von Koch aus.

Fabian Koch bekam den Ball und wurde von James Jeggo attackiert. Jeggo ließ sich in dieser Situation von einer einfachen Finte zu leicht ausspielen und der Außenverteidiger konnte einen hohen Pass in den ballfernen Halbraum spielen. In dieser Situation sieht man auch, wie weit Dominik Fitz auf die ballnahe Seite mit verschob. Vor allem war auch Jeggo dafür schuldig, dass Koch den Wechselpass so einfach spielen konnte. Durch geschickteres Anlaufen hätte er Ljubic in den Deckungsschatten stellen können und wäre auch nicht so einfach ausgespielt worden. Hätte Fitz zudem gesehen, dass Jeggo den Passweg in die Mitte zustellte, müsste er nicht so weit mit verschieben. Dadurch könnte er nach einem Wechselpass die andere Seite schneller unter Druck setzen.

 

Nachteile

Allerdings hatte diese Formation natürlich seine Nachteile. Besonders im mittleren Drittel konnte der Gegner sehr einfach auf den Flügel spielen und zudem die ballferne Seite ausnützten, die bei den meisten engeren Formationen frei blieb. Jedoch konnte die Austria, durch solch eine Aufstellung, in der Mitte wenig zulassen. Sturm Graz tat sich schwer (außer in Konter) über die Mitte zu Chancen zu kommen. Dazu liefen die Stürmer die Innenverteidiger sehr gut an und verhindern oft vertikale Pässe nach vorne. Vor allem Sax, der oft Probleme im Pressing bei der Austria machte/hatte, lief den ballführenden Innenverteidiger mehrmals nach Austrias Plan an.

Die Wiener Austria versuchte nach Ballgewinne schnell nach vorne zu spielen. Allerdings ergaben sich beim Umschalten immer wieder Probleme. Nach einer Balleroberung konnte man sich zwar aus dem Gegenpressing, besonders mit einem Dribbling, herauslösen, aber es gab zu oft zu wenige Anspielstation für den Ballführenden. In dieser Partie waren es meistens nur Monschein oder Sax, die anspielbar waren, aber auch die waren dann in Unterzahl oder die Pässe sind gar nicht angekommen. Das Problem nach einem Ballgewinn scheint bei der Austria noch immer da zu sein. Es schalten sich nach einer Eroberung zu wenige Spieler in die Offensive mit ein, um für den Ballführenden eine Anspielmöglichkeit zu sein. Vor allem merkte man das, da die erste Aktion nach einem Ballgewinn meistens ein Dribbling sein musste, um sich von den Gegenspielern zu lösen.

 

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Auch die Konterverteidigung (beziehungsweise die Restverteidigung) schien weiterhin ein Problem bei den Wiener zu sein. Zu oft kam Sturm Graz in Kontersituationen, in denen sie mit gleich vielen Spieler auf das Tor zu rannten, wie die Austria in dem Moment verteidigte. Dies führte dazu, dass die angreifende Mannschaft leichter zum Abschluss kommen konnte, da die Verteidiger immer in 1-gegen-1-Situation attackieren mussten.

Eine weitere Baustelle war das starre Offensivspiel der Austria. In dieser Partie gab es aber in einigen Bereichen eine Verbesserung. Vor allem beim Überspielen der ersten Pressinglinie fanden die Austrianer oft Lösungen. Die Wiener bauten mit einer Dreierkette auf und Tarkan Serbest besetzte meistens alleine den Sechserraum. Nur in manchen Situationen ließ sich auch einer der beiden Achter tiefer fallen. Die erste Pressinglinie der Grazer konnte besonders mit vertikalen Pässen zu Serbest oder vertikalen Dribblings überbrückt werden. Sobald die Austria in das mittlere Drittel gelang, spielten sie auf die aufgerückten Außenverteidiger. Die Probleme kamen dann in den Folgeaktionen, da die Außenspieler oft einfache Abspielmöglichkeiten hatten. Allerdings wollten die Spieler oft zu sehr nach vorne spielen, obwohl der Pass schwierig war und der Mitspieler in der Aktion darauf wenige Optionen gehabt hatte. Beispielsweise in der 22. Minute. (Abbildung 2)

Abbildung 2: Klein hat mehrere Passoptionen in die Mitte, spielt allerdings einen diagonalen Fehlpass nach vorne. (Pfeile in Schwarz zeigen eine besser Möglichkeit für den Ballführenden)

Florian Klein bekam den Ball und orientierte sich sofort nach vorne. Er versuchte einen diagonalen Pass in die Spitze zu spielen, allerdings wurden beide Stürmer zugestellt. Besser wäre es gewesen, wenn er mit der Annahme diagonal in die Richtung des Tores dribbelte. Dadurch hätte er seine Option mit dem diagonalen Pass nach vorne offen lassen können, aber auch die Passoption in die Mitte wäre eine Möglichkeit gewesen. In der Mitte gab es für den Außenverteidiger mehrere Anspielmöglichkeiten und die Austria hätte den Ball nicht so schnell wieder verloren.

 

Große Löcher

Hinter der ersten Pressinglinie ergaben sich bei den Grazern immer wieder große Löcher. Die Offensivspieler der Gäste rückten zu oft nicht schnell genug zurück und ließen in der Mitte mehrere Male viel zu viel Raum für die Austria. Allerdings nützte die Austria im Aufbau diesen freien Raum nicht. Neben der Abbildung 2 gab es auch eine Situation in der 65. Minute. (Abbildung 3)

Abbildung 3: Borkovic nützt auch in dieser Situation das große Loch hinter der ersten Pressinglinie nicht und spielte eine Pass nach vorne. (Pfeile in Schwarz zeigen eine besser Möglichkeit für den Ballführenden)

Alexandar Borkovic bekam den Ball von Grünwald und orientierte sich direkt nach vorne. Mit einem direkten Pass versuchte er auf Prokop zu spielen, allerdings war der Pass zu ungenau. Borkovic hatte durch seine Körperposition wenige Möglichkeiten den Ball zu einem Mitspieler, der nicht zugestellt wurde, zu passen. Wenn er, wie Klein in der beschriebenen Situation davor, den Pass diagonal annimmt und in die Mitte dribbelt, hätte er besser Abspielmöglichkeiten. Serbest stand hinter der ersten Pressinglinie komplett frei und wurde von Kiril Despodov nicht in den Deckungsschatten gestellt. In dieser Situation nützte die Austria wieder nicht das große Loch hinter dem Pressing der Grazer.

 

Sturm Graz auch mit einigen Problemen

Die Gäste aus Graz spielten in der gewohnten 4-2-3-1-Formation. Im Ballbesitz mussten sie, durch das Pressing der Wiener, früh auf den Flügel spielen. Sie versuchten aber auch immer wieder schnelle Seitenwechsel auf die Außenverteidiger zu spielen, um den ballfernen freien Raum auszunutzen. In den ersten zehn bis 15 Minuten gab es im Ballbesitz einige Probleme, wodurch sie auch kaum nach vorne kamen. Die zentralen Mittelfeldspieler standen anfangs sehr schlecht und waren für die Innenverteidiger kaum anspielbar. Beispielsweise in der 12. Minute. (Abbildung 4)

Spendlhofer kann zwar auf den linken Flügel spielen, allerdings kontrollierte er den Ball mit dem rechten Fuß und auch die Körperposition war eher nach vorne gerichtet. Aufgrund vom Pressing von Sax entschied sich der Abwehrspieler in dieser Situation für den hohen Ball nach vorne. Jedoch funktionierte der Aufbau dann ein wenig besser. Juan Dominguez ließ sich daraufhin auch einige Male rechts neben den beiden Innenverteidigern fallen. Durch das Abkippen erzeugte er eine kurze Überzahl auf der rechten Seite, wo die Grazer versuchten nach vorne zu spielen.

 

Austria angepresst

Auch die Austria wurde von den Gästen im Spielaufbau hoch angepresst. Die Grazer agierten in einem 4-2-3-1, was sich aber auch mehrmals in ein 4-3-3 änderte. Mit den drei vorderen Offensivspielern konnten sie die Dreierkette der Austria mannorientiert anpressen. Auch im Mittelfeld durch die Staffelung im 4-2-3-1 war es für die Grazer möglich das gegnerische Mittelfeld mannorientiert zu attackieren/ zuzustellen. Allerdings gab es auch einige Phasen, in denen sie nicht so hoch anpressten und erst ab der Höhe der Mittellinie attackierten. Dadurch ergab sich dann auch nicht das große Loch in der Mitte hinter der ersten Pressinglinie.

Im Umschaltspiel agierten auch die Grazer sehr direkt nach vorne. In dieser Spielphase waren sie auch viel effektiver als die Wiener. Nach Ballgewinn versuchten die Grazer sehr oft direkt nach vorne zu spielen, um die Unordnung und die schlechte Restverteidigung der Austria auszunutzen. In der ersten Hälfte gab es auch zwei große Chancen nach Balleroberungen, die sie aber nicht nutzten. Sturm Graz kam viel öfter nach Ballgewinnen in das letzte Drittel als die Austria. Bei den Gästen Rücken aber auch mehrere Spieler nach einer Eroberung vom Ball gleich nach.

 

Fazit

FK Austria Wien muss weiterhin an einigen Baustellen arbeiten. Zwar merkte man in einigen Bereichen eine Verbesserung, allerdings ist die Konterverteidigung und das Offensivspiel der Austria noch immer ein großes Problem. Nun hat aber die Austria in der Länderspielpause auch Zeit, diese Phasen vom Spiel zu verbessern. Sturm Graz hatte anfangs einige Probleme, besonders im Ballbesitz kamen dann aber besser in das Spiel. Vor allem nach Ballgewinnen kamen sie öfter in das letzte Drittel und hatten auch Chancen zur Führung. In der zweiten Hälfte waren die Wiener besser und ließen kaum Chancen der Grazer zu. Die Violetten konnten zudem kurz vor Schluss den Führungstreffer erzielen.

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