Altach dominiert gegen Maccabi Tel Aviv, bleibt aber zu ungefährlich

Das Team von Trainer Klaus Schmidt zeigt gegen die Israelis einen gut strukturierten Fußball, am Ende gewinnen aber doch die Gäste. Eine Taktikanalyse von David Goigitzer.

Die Organisation beider Mannschaften

Die Altacher waren offensichtlich um konstruktiven Spielaufbau bemüht. Besonders fokussiert wurden die Halbräume, über die man sich gegen das recht hohe Tel Aviver Pressing freispielen wollte. Mit einer aufgefächerten 4-1-4-1 Formation, in der die Außenverteidiger hochschoben und die Innenverteidiger sich in den Halbspuren postierten, suchte man den Weg nach vorne. Über geduldige, jedoch zügige Zirkulation zwischen Innenverteidigern und Sechser Zwischenbrugger (der sich bisweilen als tiefster Mittelfeldakteur mit Salomon abwechselte) suchte man den freien, anspielbaren Mann. Durch Auf und Ab Bewegungen der Achter in den Halbräumen versuchte man die Mannorientierungen Maccabis etwas zu stören. Bisweilen fand man aus dem Sechserraum Diagonalpässe in den ballfernen Halbraum und konnte sich so aus dem Pressing befreien.

Ballnah blieben Flügelstürmer und Außenverteidiger bei Ballbesitz des Innenverteidigers sehr breit, während sich Zwischenbrugger im Zentrum aufhielt, um eben den Passweg in den Halbraum zu öffnen. Hier konnte man immer wieder einige flache Vertikalpässe spielen, die folgenden Ablagen waren jedoch nicht immer sauber, da man eng vom Gegner verfolgt wurde und die Ausführung der Ablagen nicht unbedingt einfach war.

Hohe Bälle verwendeten die Vorarlberger ebenfalls, dies tat man vor allem nach zwei Triggern: Entweder konnte man sich nicht mit Flachpässen nach vorne spielen, zirkulierte den Ball noch für ein, zwei Pässe in der ersten Reihe um mehr Druck anzulocken, und spielte dann gezielte hohe Bälle in den Zwischenlinienraum, wo man dann kollektiv auf den zweiten Ball gegenpresste. Auffällig war das weitere Balljagen, wenn man das Spielgerät nicht sofort wiedergewinnen konnte, dadurch aber den gegnerischen Gegenangriff drosselte.

Nur selten fanden die Gäste eine Spielstation in der Mitte, meist durch „disguised passes“, wenn sich die Doppelspitze in der Orientierung einen Fehler erlaubte und auf Täuschungsbewegungen der Israelis im Aufbau zu früh reagierte und damit Räume öffnete.

Altach schien einer cruyffschen Mannschaft ähnlicher als Maccabi.

Altacher Pressing macht Gästen Probleme

Im Pressing agierten die Altacher mit einem hohen 4-4-2 Mittelfeldpressing, das sich situativ in ein 4-2-3-1/4-4-1-1 umwandelte, da sich die Stürmer meist direkt am israelischen Sechser orientierten und die Flügelstürmer die Außenverteidiger lose mannorienteirt verflgten. Man lief nicht sofort von Beginn an aggressiv den Ballführenden an, versuchte jedoch Maccabi auf die Flügel zu leiten und von dort noch aktiver Passoptionen nach vorne zu versperren und Bälle auf den Seiten und den Halbräumen zu gewinnen. Zumeist konnte man zumindest konstruktives Ballbesitzspiel auf Seiten der Israelis verhindern und recht oft lange Bälle erzwingen. Nur selten fanden die Gäste eine Spielstation in der Mitte, meist durch „disguised passes“, wenn sich die Doppelspitze in der Orientierung einen Fehler erlaubte und auf Täuschungsbewegungen der Israelis im Aufbau zu früh reagierte und damit Räume öffnete. Wurde der erste Altacher Pressingwall überspielt, formierten sich die Hausherren im 4-1-4-1 um vor allem die Zwischenlinienräume eng zu halten, dorthin keine Pässe zuzulassen und anschließend am Flügel auch doppeln zu können war die dominante Vorgehensweise im Spiel gegen den Ball.

Pressing als größte Schwäche Tel Avivs

Maccabi hatte im ersten Durchgang erhebliche Probleme ins Spiel zu finden. Im 4-3-3 versuchten die Gäste aus Israel das Spiel ebenfalls vornehmlich flach aufzubauen. Das Altacher Pressing bereitete den Mannen von Jordi Cruyff jedoch einige Schwierigkeiten, sodass man nur sehr selten mit Flachpassspiel nach vorne kam. In der ersten Linie ließ man den Ball deutlich zu langsam zirkulieren, die Aufbauspieler nahmen entweder zu viele Kontakte oder ließen sich zu lange für eine Entscheidung Zeit, was den Altachern half sich auf neue Ballpositionen schnell einzustellen. Ebenfalls auffällig war die fehlende Bewegung im Positionsspiel der Israelis. Zwar ist es nicht nötig andauernd Positionen zu tauschen und unzählige Kilometer abzuspielen, zur idealen Positionsfindung gehört jedoch auch das Suchen von Räumen und freien Passwegen auf. Dies war ein weiterer Faktor der den Vorarlbergern im Pressing half. Gegen Ende der ersten Halbzeit wurde Tel Aviv etwas direkter, was dem Spiel mehr Umschaltmomente bescherte. Man kam auch etwas schneller vors Vorarlberger Tor, dies lag vor allem daran, dass man sich nun weniger Zeit am Ball ließ. Effektiver wurde man dadurch jedoch nicht unbedingt. Fügelangriffe mit leicht zu verteidigenden Flanken waren die häufigste Art, auf die Maccabi versuchte ein Auswärtstor zu erzielen.

Das Tel Aviver 4-1-4-1 Pressing war deutlich mannorientiert als das der Altacher, Cruyff’s Mannen versuchten jedoch ebenfalls früh zu attackieren. Immer wieder sprinteten die Achter aus ihren Positionen heraus um Druck auf den Ballführenden zu erzeugen. Durch die mannorientierte Organisation wollte man ideal Zugriff erhalten, wurde jedoch durch die Freilaufbewegungen der Altacher immer wieder so manipuliert, dass sich die für die Vorarlberger gewünschten Passwege öffneten. So muss man sagen, dass das Pressing die größte Schwäche der Tel Aviver Gäste war, wenngleich man in der Strafraumverteidigung durchaus stark genug war, um in der gesamten ersten Halbzeit kaum Schüsse zuzulassen.

Dominante Altacher

Womöglich entgegen der allgemeinen Erwartung war Altach das deutlich spielbestimmende Team. Mit geduldigem Spielaufbau und mehreren Lösungsvarianten zu Problemen, die ihnen das mannorientierte Tel Aviver Pressing bereitete, konnten die Vorarlberger die dominantere Rolle in der ersten Halbzeit einnehmen. Bisweilen hatte man sogar 60& Ballbesitz, was gegen eine Cruyff’sche Mannschaft durchaus bemerkenswert ist, Altach schien einer cruyffschen Mannschaft ähnlicher als Maccabi. Trotz der Dominanz tat man sich schwer besonders gefährliche Torchancen herauszuspielen. Man schaffte es zwar konstant sich übers erste Drittel durchzuspielen, im Übergang ins Angriffsdrittel hatte man jedoch immer wieder Probleme. Zum einen fehlten da Rhythmuswechsel, die Dobras mit seinen Dribblings zwar immer wieder einbringen konnte, auf der anderen Seite war dies jedoch eher selten zu sehen. Gegen die dichte, mannorientierte Defensive der Tel Aviver gab es dann nur wenige Möglichkeiten durchzukommen. Raumschaffende Bewegungen fehlten, weshalb sich die fehlende individuelle Qualität auf engem Raum noch deutlicher zeigte und sich immer wieder kleinere Fehler in der Ausführung einschlichen.

Maccabi verbessert

Sofort merkte man eine Verbesserung bei den Gästen, vor allem im Ballbesitzspiel zeigte man sich verbessert. Aus dem Sturmzentrum kamen immer wieder unterstützende Bewegungen für Ablagen, um Vertikalpassstationen zu bieten. Generell bewegte man sich nun mehr und suchte aktiver nach Räumen, in denen man sich anbieten konnte, sowie wurde mit weniger Kontakten gespielt. Schnelle Seitenwechsel sorgten immer wieder für Entlastung gegen das Altacher Pressing und Gegenpressing. Im Anschluss an diese Verlagerungen suchte man recht zügig Durchbrüche auf den Flügeln. Im Pressing agierten die Israelis generell etwas tiefer und ließen den Altachern mehr Platz im Mittelfeld. Man lauerte nun etwas auf Konter, man sah die weit aufgerückten Positionen der Gastgeber im Ballbesitz und wollte diese nach Ballgewinn bespielen. So fiel in der 67. Minute auch das einzige Tor der Partie, als die Israelis einen Konter gegen die weit aufgerückten Altacher fuhren. Nach einem zu weit vorgelegten Ball von Salomon gab es nicht genügend Absicherung dahinter, um ins Gegenpressing zu kommen. Nutz orientierte sich nicht genügend und verlor den Ball, woraufhin der folgende Konter zum entscheidenden 1:0 führte.

 

Fazit

Die Altacher dominierten über weite Strecken und zeigten den sogenannten „Großklubs“ in Österreich (exklusive RB Salzburg), wie man gut strukturierten Fußball spielen kann. Leider fehlten vor allem A. wahre Großchancen und B. effektive Absicherung im Ballbesitz auf Seiten der Altacher, um dieses Spie für sich zu entscheiden. Aufgrund der sehr guten Vorstellung zuhause kann man sich jedoch durchaus etwas in Israel ausrechnen.

 

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