Die Heute-für-die-von-Gestern-Liga

Die Sky-Go-Erste-Liga sieht sich selbst gerne als Ausbildungsliga. Doch das ist sie längst nicht mehr. Der Altersschnitt der Spieler ist sogar höher als in der tipico-Bundesliga. Ein Statistikcheck von Georg Sander

 

Was sollte der Sinn einer zweiten Profiliga sein? Die Antwort auf die Frage gab die Bundesliga vor ein paar Jahren, als man keinen Sponsor fand. Eine Entwicklungsliga, in der sich junge Talente im Profibereich bewähren sollen, um dann weiter oben aufzuzeigen. Das klappte auch einige Zeit ganz gut. Aber so toll es für Puristen ist, wenn sich der LASK mit Wacker und Austria Salzburg matcht, so sehr ging der eigentliche Sinn der Liga, junge Spieler zu entwickeln verloren.

 

23,9 Jahre alt sind die neun Erste Liga-Vereine ohne FC Liefering, der in diesem Vergleich quasi außer Konkurrenz antritt. Die Bundesliga-Vereine kommen auf ein Durchschnittsalter von 23,8. Noch deutlicher sehen die Zahlen aus, wenn man sich die Spitzenclubs ansieht. Die 15 FC Wacker-Spieler mit der meisten Einsatzzeit (Top 15) sind im Schnitt 25,4 Jahre alt. Die des LASK kommen auf 25,1 Jahre, die hinter dem FC Liefering (Kaderschnitt 19,1) viertplatzierten St. Pöltner gar auf 26,5. Zum Vergleich: Die 15 meisteingesetzten Admiraner sind gerade einmal 23,7 Jahre alt, Rapid kommt auf 24,5. Konkret sieht das ganze so aus:

 

Verein

Top15

Kader

FC Wacker

25,4

24,3

LASK

25,1

23,8

St. Pölten

26,5

24,6

KSV

23,1

22,2

A. Klagenfurt

25,9

24,5

A. Lustenau

24,3

23,9

A. Salzburg

24,7

24,5

SCWN

22,6

22,7

FAC

24,3

24,6

 Liefering    19,1

 


Gibt der Erfolg den Klubs Recht?

Der Blick auf die Tabelle gibt den Klubs anscheinend Recht: Erfahrung zahlt sich aus. Dennoch werden die zum Teil ohnehin schon "alten Kader" der Aufstiegskandidaten noch einmal älter gemacht. Um das zu verdeutlichen:

 

Der Kader der Kapfenberger, in Schlagdistanz zur Tabellenspitze, ist 22,2 Jahre alt. Die bislang eingesetzten Spieler kommen auf 22,5 Jahre. Davon sind drei Spieler Teenager, acht weitere U23, sieben zwischen 24 und 30 Jahre alt, dann gibt es noch Oldie Andreas Lasnik mit 31 – eine relativ „normale" Altersverteilung, wie ein Vergleich zeigt. Eine ähnliche Altersverteilung in den Gruppen U23, Mitte 20 und Routinier weist der SK Rapid auf. Dort finden sich im selben Sample sieben U23-Spieler, zehn zwischen 24 und 30 sowie zwei über 30 – damit kommt Rapid auf 24,2 Jahre. Freilich ist der Anspruch eines Europa League-Starters hinsichtlich Erfahrung im Kader höher als gegenüber einem Klub, der vielleicht, man weiß es nicht, aufsteigen will.

 

Bedenklich erscheint in dem Zusammenhang weniger, dass die Spitzenklubs der Ersten Liga (ohne Liefering) ohnehin schon recht alte Kader mit Routiniers noch älter machen. Es ist schon in Ordnung, wenn beispielsweise der SKN St. Pölten mit Daniel Segovia (30), Tomas Wisio (33), Florian Mader (33) und Andreas Dober (29) seine Routiniers beschäftigt. Schwieriger ist es, wenn ein Großteil der anderen wichtigen Feldspieler deutlich zwischen Youngster und Routinier liegt, wie etwa Michael Huber (25), Michael Ambichl (24), Martin Grassegger (26), Patrick Schagerl (23), Marcel Holzmann (25) oder Lukas Thürauer (27). Umgekehrt verbuchen beim SKN nur vier Spieler U21-Einsatzzeit; insgesamt kommen diese vier Spieler in dieser Saison bis nur auf 306 Einsatzminuten, wobei mehr als die Hälfte davon auf Mario Mosböck (19) fällt. Das ist einfach zu wenig Talent, das sich entwickeln kann; abgesehen davon, dass ältere Spieler auch immer bedeuten, mehr Geld für die Spieler zu zahlen.

 

Es scheint aber durchaus möglich, mit einer durchschnittlichen österreichischen Kaderzusammensetzung wie beim KSV mit den großen Klubs der Ersten Liga mitzuhalten.

 


Durch Transfers noch älter
Doch es sind auch die Bundesliga-Vereine, die den Blick nach „unten" scheuen. Mit Lucas Galvao (24, Lustenau → Altach), Christoph Kobleder (25, Lustenau → WAC), Nico Antonitsch (23, Horn → Ried), David Baumgartner (18, Horn → Grödig), Matthias Maak (23, KSV → Grödig), Christian Schilling (23, Wacker → Altach), Thomas Bergmann (25, Wacker → Ried), Florian Neuhold (21, LASK → Admira), Florian Templ (26, LASK → SVM) und Mario Grgic (23, KSV → SVM) wechselten nur zehn, nicht verliehene Spieler der Erste Liga-Saison 2014/15 in die Bundesliga. (Anm.: Zahlen ohne Liefering). Hinzu kommen noch neun Spieler, die von Bundesligisten in die zweite Liga verliehen waren. Insgesamt also 17 Spieler.

 

Umgekehrt holten die Zweitligisten 21 Spieler aus den Kadern der Bundesligisten. Das Durchschnittsalter hierbei ist 24,2. Statistisch etwas schwierig zu erfassen ist der Weg in die andere Richtung, aber die zehn oben genannten kommen auf 23,1 Jahre. Weder ist knapp 23 sonderlich jung, noch sind das sonderlich viele. Die zweite Leistungsstufe macht sich durch ihr Transferverhalten also älter.

 

Wenn dich dein Verein nicht liebt, wie gut dass es die SkyGo gibt
Was bleibt also aus diesem Zahlenwust übrig? Zunächst einmal, dass ein erfahrener Kader zwar hilft, aber kein Muss ist. Die zweite Leistungsstufe exportiert zu wenig Spieler in die Bundesliga, zumindest weniger, als „runter" kommen – und die, die rauf gehen, sind eigentlich keine Talente mehr. Und was nützen die vielen Talente in den Kadern der Zweitligisten, wenn sie eh nicht eingesetzt werden?

 

Gerade Klubs wie Wacker, LASK oder der SKN, ferner der KSV oder alle drei Austrias, sehen sich in der Bundesliga. Aber die Gegenwart ist halt eine kleine Liga mit zwei Fixabsteigern und einem Aufsteiger. Das erzeugt Druck. Das zu ändern wäre durchaus ein Auftrag, weil man muss Trainern und Funktionären schon auch Verständnis entgegen bringen, nicht – wie im Falle von FAC und SCWN – mit wehenden, jugendlichen Fahnen in die Drittklassigkeit abzurutschen, auch wenn es dafür durchaus auch andere Gründe gibt.

 

Der Blick auf die „Heute-für-die-von-gestern-Liga" zeigt jedoch einmal mehr als deutlich: Es ist nach wie vor etwas faul in Österreichs Ligenlandschaft und das Bild der Ausbildungsliga ist mit diesem Ligenformat nicht mehr aufrechtzuerhalten.