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Zuschauercheck 30. Runde: Fußball interessiert uns nicht

Die drittletzte reguläre Runde der Bundesliga gleicht wieder einmal einem Offenbarungseid – Schlechtwetter hin oder her.

Ein Faktencheck von Georg Sander

 

Landauf, Landab hatten die Eisheiligen das Sagen und partiell wird es wohl daran liegen, dass weniger Fans zu den durchaus entscheidenden und spannenden Fußballspielen der 30. Runde kamen. Mag sein, dass sich einige davon abbringen ließen, ins Stadion zu gehen, aber außergewöhnlich sind die Zuschauerzahlen dann doch auch wieder nicht.

Die Qualifikationsgruppe

Der TSV Hartberg wäre ja durchaus bemüht gewesen, das Duell mit dem SV Mattersburg wurde als „Wechselderby“ gebrandet – angesichts einer Anreise von einer Stunde via Autobahn vielleicht dann doch nicht die allerbeste Idee. Also kann man so nennen, muss man aber nicht. Die heimischen Fans sahen das auch ein bisschen anders und kamen nur zu 2.312. Das sind zwar mehr als gegen Altach (1.832) oder den SKN (1.965) in der Qualigruppe, auch nicht sehr viel weniger als beim ersten Saisonduell (2.812). Vielleicht hat den Einheimischen auch so ein Duell mit Rapid oder Salzburg mehr getaugt, vor allem im Lichte des Umstandes, dass man zwei Jahre in Folge aufstieg und somit eher erfolgsverwöhnt war. Dabei wären die Zeiten des Abstiegskampfes von 2009/10 bis 2014/15 in der damals Ersten Liga gar nicht so lange her.

Dafür sind die Altacher, die den Grunddurchgang in akutester Abstiegsnot abgeschlossen hatten, nun wieder mittendrin im Kampf um das internationale Geschäft. In den verbleibenden zwei Runden müssen dazu nur vier bis sechs Punkte eingefahren werden und Mattersburg sollte das Punkten tunlichst bleiben lassen. Die Fans scheinen das ein bisschen zu spüren. Die 3.508 gegen die Admira sind ein guter Wert. Mit einem Schnitt von 3.988 schlossen die Vorarlberger den Grunddurchgang ab, in der Qualigruppe kommen nun 4.565. Man ist damit das einzige Qualigruppe-Team, das den Zuschauerschnitt nach der Tabellenteilung verbessern konnte.

Das kann der SK Rapid Wien nicht von sich behaupten. Über 5.000 Menschen kommen derzeit im Schnitt weniger – klar, Hartberg statt Sturm, Admira statt Austria, das macht schon etwas aus. Dabei spielen die Hütteldorfer durchaus souverän, haben nur zwei Mal Punkte ab und die einzige Niederlage gegen Hartberg darf durchaus als skurril bezeichnet werden. Trotzdem kamen gegen Wacker Innsbruck mit 13.800 deutlich weniger als zum ersten Saisonduell (17.400). Im ausstehenden Heimspiel gegen Altach geht es dann aber nur noch um die goldene Ananas, immerhin kann dann der "Titel" in der Qualifikationsgruppe gefeiert werden und so viel haben die Hütteldorfer in den letzten Jahren ja auch nicht gewonnen. Ausverkauft wäre dann wohl das Playoff-Heimspiel gegen – Stand heute – die Austria.

Die Meistergruppe

8.168 ist für das Spiel Sturm Graz gegen Austria Wien ein schlechter Wert. In den letzten zehn Jahren wurde dieser Wert nur bei drei Heimspielen in der Bundesliga unterboten, dabei wäre es doch um so viel gegangen. Vielleicht hat es ja etwas mit dem geboteten Kick zu tun, schließlich kamen sowohl gegen den WAC, als auch gegen den SKN St. Pölten mehr Fans nach Liebenau. Zum Finale des Grunddurchgangs kamen noch 14.643 Zuschauer, um viel weniger ging es nun am Sonntag auch nicht.

Um sehr viel ging es in Wolfsberg. Gegner SKN St. Pölten ist dabei aber wohl der falsche gewesen, um einen Riesenschritt Richtung Europa League-Gruppenphase (!!!) zu machen. Aber wundern sollte man sich über weniger als 3.000 Fans bei diesem Spiel ohnehin nicht. Im Grunddurchgang kamen auch nur 2.586 in die Lavanttalarena. Umgekehrt waren nur noch zwei weitere Heimspiele schlechter besucht als das 4:0. Es wird aber insofern besser werden, denn zum letzten Heimduell kommt Sturm und da kommen traditionell schon mehr.

Bleibt noch die Champions League-Qualiparty in Salzburg. 11.457 Fans wollten das Spätspiel gegen den LASK am Sonntag sehen. Überhaupt ist der LASK ein Gewinn für den Kassier der Salzburger. Schon das erste Saisonspiel war in etwa gleich besucht, letztes Jahr kamen einmal ebenfalls über 10.000 Fans. Das zweite Heimduell 2017/18 fand am 16. Dezember statt und fällt etwas aus der Reihe. Vermutlich aber werden die Athletiker auch 2019/20 ein weiterer Gegner sein, der in relativem Ausmaß die Massen in die Red Bull Arena lockt.

Das Wetter war's nicht

Schaut man sich also alle Zahlen an, dann kommt man drauf, dass das Wetter nicht in ausreichendem Ausmaß als Ausrede heran zu ziehen ist. Der Fußball zieht eben derzeit nicht wie erhofft. Und da auch Rapid in relativem Rahmen auslässt, wird es eben eng. In der kommenden Woche haben „unten“ Altach (Hartberg), die Admira (Innsbruck) und Mattersburg (Rapid) Heimspiele, „oben“ St. Pölten (LASK), die Austria (WAC) und Sturm (Salzburg) – da würde es nicht verwundern, wenn ähnlich viele Fans kommen würden, ganz ohne Rapid-Heimspiel.

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