Christian Ebenbauer: "Die Frage ist, ob die Politik diesen Weg mitgehen will"
Zu Gast bei „Talk & Tore - Die Tipico Fußballdebatte" waren am Sonntag Austria-Vorstandsvorsitzender Markus Kraetschmer, Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer, Sportrechtsexperte Dr. Christian Flick und der Vorsitzende der Vereinigung der Fußballer, Gernot Zirngast.
Markus Kraetschmer:
ist über die Entwicklung am Spielerberatersektor nicht wirklich glücklich: Grundsätzlich stimmt es, dass die Berater überhand genommen haben. Bis vor einigen Jahren hat es doch eine recht strenge Lizenzierung gegeben und es konnte nicht jeder Berater sein. Im Moment haben wir einen Zustand, wo jeder um die Ecke Berater sein könnte, überspitzt formuliert. Es ist im Nachwuchsbereich ein Wahnsinn, wenn dann Sechzehnjährige mit ihrem Papa und zwei Beratern vor dir sitzen und dir die Welt erklären wollen.
über die kommende Ligenreform: Ich freue mich sehr auf diese neue Meisterschaft, klingt jetzt durchaus kompliziert, wird aber extrem spannend. Die oberste Liga wird von Beginn weg spannend. Wer kommt in die Meistergruppe, wer in die Qualifikationsgruppe? Im Frühjahr werden die Punkte halbiert, keiner zieht davon. Es gibt in jeder Runde einen Schlager. Das bringt uns letztendlich viele Zuschauer in die Stadien.
über Probleme rund um das vergangene Wiener Derby: Das Entscheidende ist, dass wir in die Gespräche hineinbekommen, dass wir das aus den Stadien rausbekommen. Ich ärgere mich als Klub auch darüber und wir schauen uns das an und gehen den Instanzenweg, gehen in den Protest, weil wir uns fragen, was haben wir beim Derby als Veranstalter zu verantworten, was haben wir im Vorfeld gemacht? Aber wo sind wir davon abhängig, wie die Polizei reagiert? Es geht ja nicht nur um die Pyrotechnik, es hat auch einen Raufhandel gegeben. Nur haben wir gar keine Gewalt, auf die Polizei einzuwirken. Wir können einen Ordnerdienst postieren, den führt unser Klub. Aber wenn die Polizei sagt, wir üben Zurückhaltung und wenn dann was passiert, dann werden wir wieder dafür bestraft. das sind die Themen, mit denen wir uns als aktiver Klub auseinandersetzen müssen
Im Moment haben wir einen Zustand, wo jeder um die Ecke Berater sein könnte.
Gernot Zirngast:
über Verträge mit Optionen: Es ist wirklich eine schwierige Situation. Auf der einen Seite verstehen wir die Vereine, weil es auch deshalb Spieler gibt, die in jungen Jahren einen Profivertrag bekommen, weil es eine Option gibt und er sich ein Jahr beweisen kann. Auf der anderen Seite soll es aber auch nicht ausarten, wie es bei dem einen oder anderen Verein vorkommt, dass man es zu einem Geschäftsmodell macht. Ich gebe dem Spieler einen Einjahresvertrag und dann gleich mit dreijähriger Option drauf, das kann ich frank und frei sagen, wird von uns nicht akzeptiert, wird auch nicht halten und sollte im Prinzip nicht mehr vorkommen.
über die Ligenreform: Die Reform hat keinen sportlichen Hintergrund. Wir haben bereits 2009 in 23 Thesen versucht darzulegen, woran es krankt. Und die erste These war, dass Österreich keinen Platz für zwanzig Profiklubs hat.