Werbung für Wettanbieter nicht für alle deutschen Fußballclubs erlaubt
Es ist ein Geschäft mit dem großen Geld. Wettanbieter reißen sich um Werbeplätze auf den Trikots von deutschen Fußballclubs. Was im Profifußball Gang und Gäbe ist, gilt jedoch nicht für viele Amateurvereine. Diesen ist es nämlich verboten, mit dieser Art der Werbung aufzulaufen. Sehr zum Ärger der Clubs, denn mit den Werbeeinnahmen könnte so manches finanzielle Loch gestopft werden.
Es gibt Stunk bei den Fußballvereinen. Während im Profibereich Trikotwerbung mit Wettanbietern erlaubt ist, ist diese bei Amateurvereinen verboten. Im Mittelpunkt steht der Deutsche Fußballbund (DFB). Dieser hatte einen vereinsübergreifenden Sponsor für die 3. Liga gefunden. Doch der DFB hat sich vorher nicht mit dem zuständigen Gremium, dem Glücksspielkollegium der Bundesländer, kurzgeschlossen. Dieses untersagte den Amateurclubs kurzerhand das Tragen dieser Sponsoren auf dem Trikot. Strafen drohen (vorerst) nicht, aber man wolle sich schnellstmöglich mit dem DFB an einen Tisch setzen, um eine Lösung zu finden, hieß es.
Fader Beigeschmack bleibt
Erlaubt bei den Profis, verboten bei den Amateuren – das sorgt für einen faden Beigeschmack. Immerhin ist mit dieser Art der Werbung jede Menge Geld zu verdienen, das die notorisch klammen Vereine dringend benötigen. Kopfschütteln zum Beispiel in Berlin: Dort untersagte der Verband seinen Amateuren das Tragen der jeweiligen Logos, genehmigte aber dem Vorzeigeclub Hertha BSC kurze Zeit später einen privaten Wettanbieter als Hauptsponsor. Das sorgt für Zündstoff. Viele Amateurclubs wollen sich wehren, und einige Wettanbieter haben für den Fall eines Rechtsstreits sogar ihre Unterstützung angekündigt.
International schon längst kein Problem mehr
Werbung von Wettanbietern ist nicht nur im deutschen Profifußball, sondern international schon längst kein Problem mehr. In England, Spanien oder Italien – bei vielen Vereinen sieht man die bekannten Logos der Anbieter. Kein Wunder: Es werden große Summen geboten, um einen Platz auf des Spielers Brust zu ergattern. Das liegt vor allem daran, dass der Onlinespielemarkt boomt, wie nie zuvor. Für Online-Sportwetten begeistern sich die Menschen immer mehr. Der Grund liegt auf der Hand: Niemand muss mehr unbedingt in das nächste Wettbüro fahren, sondern kann bequem von zuhause aus seine Einsätze platzieren und möglicherweise noch eines der Bonusangebote nutzen.
Verbot entbehrt einer Rechtsgrundlage
Anwälte raten den Amateurclubs unterdessen zur Klage. Es gebe keinerlei Gründe, warum Profis für private Wettanbieter werben dürfen, Amateure aber nicht. Das Verbot sei daher unwirksam und entbehre einer wirksamen Rechtsgrundlage.
Glücksspielstaatsvertrag soll geändert werden
Die bundesweiten Verbände fordern nun eine Neuregelung des Glücksspielstaatsvertrages. Auch DFB DFL und DOSB sprechen sich für eine Änderung aus. Eine Reform müsse her. Es könne nicht angehen, dass, wie kürzlich im Saarland geschehen, ein Club nicht für einen privaten Wettanbieter werben dürfe, wohl aber für die staatliche ODS-Wette. Ein weiterer Dorn im Auge der Vereine: Die Proficlubs hätten ohnehin weniger finanzielle Probleme, dürfen aber zusätzlich für Wettanbieter werben. Das sei eine klare Benachteiligung.
In einem Brief an die Bundesländer fordern DFB, DFL und DOSB nun
- eine Aufhebung der Beschränkung auf nur 20 Sportwetten-Konzessionen
- die Gründung einer öffentlich-rechtlichen Glücksspielaufsicht
- eine monatliche Verlustbeschränkung zum Spielerschutz
Dies seien die Änderungen, auf die sich die Regierungschefs der Bundesländer bereits im Jahr 2016 verständigt hatten. Auch der Deutsche Sportwettenverband hat diesen Beschluss damals begrüßt.
Kritik gibt es von Glücksspiel-Gegnern
Den Deutschen Fußballbund träfe eine unrühmliche Rolle, heißt es. Der DFB habe einen Sponsor für die ganze Liga gefunden – das sei nicht zu beanstanden. Dass es aber ausgerechnet ein Sportwettenanbieter sein muss, sorgt vielerorts für Kopfschütteln. Habe man aus den Erfahrungen mit Schiedsrichter Robert Hoyzer nichts gelernt? Damals wurden Spiele verschoben, damit höhere Gewinne bei Wetteinsätzen möglich waren. Doch die Gegner haben noch einen weiteren Kritikpunkt: Treibt die Werbung dem Glücksspiel nicht noch mehr Menschen in die Arme? Es sei nicht zu vertreten, dies auch noch zu fördern.
Hinzu kommt das Unverständnis vieler Glücksspiel-Gegner, dass es zum Beispiel strikt verboten sei, für Tabak zu werben, für private Wettanbieter aber schon.
Was verdienen die Proficlubs an ihren Hauptsponsoren?
Es geht um Millionen-Einnahmen. Allein der FC Bayern München verdient mit seinem Hauptsponsor „Telekom“ 35 Millionen Euro. Pro Jahr. Insgesamt kassieren die Erstligaclubs 188 Millionen Euro in der Saison 2017/2018.
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Die Trikot-Sponsoren 2017/2018 in der 1. Bundesliga (geschätzt) |
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Verein |
Sponsor |
Einnahmen |
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FC Bayern |
Telekom |
35 Millionen Euro |
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FC Schalke 04 |
Gazprom |
20-24 Millionen Euro |
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VfL Wolfsburg |
Volkswagen |
20 Millionen Euro |
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Borussia Dortmund |
Evonik |
20 Millionen Euro |
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RB Leipzig |
Red Bull |
9 Millionen Euro |
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Borussia Mönchengladbach |
Postbank |
6-9 Millionen Euro |
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VfB Stuttgart |
Mercedes-Benz-Bank |
8 Millionen Euro |
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Hamburger SV |
Emirates |
7,5 Millionen Euro |
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Eintracht Frankfurt |
Indeed |
6,7 Millionen Euro |
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Werder Bremen |
Wiesenhof |
6,5 Millionen Euro |
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Hertha BSC Berlin |
Bet-at-home.com |
6 Millionen Euro |
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Bayer 04 Leverkusen |
Barmenia |
6 Millionen Euro |
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Hannover 96 |
Heinz von Heiden |
5 Millionen Euro |
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1899 Hoffenheim |
SAP |
5 Millionen Euro |
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1. FC Köln |
Rewe |
4,5 Millionen Euro |
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FSV Mainz 05 |
Kömmerling |
4,5 Millionen Euro |
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FC Augsburg |
WWK |
3-4,5 Millionen Euro |
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SC Freiburg |
Schwarzwaldmilch |
3 Millionen Euro |
Die Trikotsponsoren der Erstligaclubs in der aktuellen Saison.
Alles beim Alten also, denn nur ein Club hat seinen Sponsor gewechselt. Eintracht Frankfurt hat Krombacher den Rücken gekehrt und wirbt ab sofort für das Jobportal Indeed. Neu hingegen sind die Sponsoren der Aufsteiger VfB Stuttgart und Hannover 96.
Bestverdiener in der Bundesliga ist der FC Bayern München. Satte 35 Millionen Euro lässt der Sponsor für eine Saison springen. Für Titel gibt es noch was oben drauf. Dafür setzen die Bayern bis mindestens 2023 auf ihren Hauptsponsor „Telekom“. Tradition und Fanbindung seien die Gründe, hieß es.
Die erste Trikotwerbung
Über Streitereien wie diese konnten die Hersteller eines Kräuterlikörs 1972 wohl nur unwissend den Kopf schütteln. Sie statteten nämlich den ersten deutschen Verein überhaupt mit Trikotwerbung aus, obwohl das zu diesem Zeitpunkt noch verboten war. Ein kleiner Trick half: Die Eintracht tauschte kurzerhand ihr Vereinswappen aus. Fortan zierte also nicht mehr ein Löwe, sondern ein Hirsch das Emblem. Derselbe Hirsch, wie er auch beim Kräuterlikör zu finden ist.