| Fast genau fünf Jahre ist es nun her, dass Martin Scherb beim SKN St. Pölten das Trainerzepter übernahm. Damit liegt Scherb hinter Mattersburg-Langzeit-Coach Franz Lederer und Sturm-Meistermacher Franco Foda auf Platz drei der längstdienenden Trainer.
Als du am 8. Jänner 2007 deine Unterschrift unter den SKN-Vertrag gesetzt hast, war die Bundesliga sicherlich kein Thema, oder?
Die war vor allem für den SKN bestenfalls eine Vision. Ich selbst habe mir die Bundesliga immer als Ziel gesetzt, aber erwarten darf man sich das nie. Mann kann sich diese Liga als Trainer nur beinhart erarbeiten. Und wir haben es gemeinsam geschafft!
Obwohl es damals für den SKN nicht danach ausgesehen hat – wie hast du den Turnaround geschafft?
Der Klub ist im Niemandsland der Regionalliga herumgetaumelt. Die teure Mannschaft wurde aufgelöst, um zu retten, was zuretten ist. Ich war eigentlich nur als billige Zwischenlösung gedacht. Der Rest ist wunderschöne Fußballgeschichte.
Warum Zwischenlösung?
Sportmanager Christoph Brunnauer hat gewusst, dass ich als Nachwuchs-Landesauswahltrainer sehr gut mit jungen Talenten umgehen kann. Zudem habe ich damals auch bei der St. Pöltner Akademie das Vormittagstraining gemacht, war also der ideale Mann, um den SKN auf den neuen, jungen Weg zu führen. Langfristig wollte man sich dann aber natürlich wieder nach einemroutinierten Mann umschauen.
Aber da ist dann der Erfolg sozusagen dazwischen gekommen ...
So kann man das sagen. Schon im Frühjahr ging's bergauf, waren wir mit Schwadorf an der Spitze. Und im zweiten Jahr haben wir dann mit Punkterekord den Regionalliga-Titel geholt. Da war klar – wir werden den eingeschlagenen Weg weiter miteinander gehen.
Und man blieb ja dann auch in der Ersten Liga in der Erfolgsspur. Bis zur heurigen Saison – warum klappt's derzeit nicht so nach Wunsch?
Ich denke da wird vieles schlechter geredet, als es ist. Wir arbeiten noch immer mit einem sehr niedrigen Sportbudget und haben uns in der Ersten Liga etabliert. Vielleicht gibt's derzeit wirklich so etwas wie eine kleine Stagnation – aber auf einem sehr guten Niveau. Das sollte nach vier Jahren nur im Vorwärtsgang auch einmal erlaubt sein. Außerdem bin ich überzeugt, dass der Erfolgsrun schon bald weitergeht.
Was macht dich so optimistisch?
Zum einen haben wir mit Markus Keusch, Jannick Schibany, Patrick Schagerl, Alexander Egger & Co. wieder einige sehr gute Youngster, die jetzt drauf und dran sind den nächsten Schritt zu machen. Und das neueStadion, das ja im Juli eröffnet wird, sollte auch seinen Teil dazu beitragen.
Aber du selbst hast immer gesagt, dass ein Stadion keine Tore schießt . Und die Statistik lügt eigentlich nicht. Während du in den letzten fünf Jahren weit mehr Siege als Unentschieden und Niederlagen eingefahren hast (in 168 Spielen mit Martin Scherb auf der SKN-Bank gab's 79 Erfolge, 44 Remsi und 45 Niederlagen; Anm.), schaut's im abgelaufenen Herbstdurchgang anders aus. Keine Angst, dass sich die Spirale nach unten zu drehen beginnt?
Überhaupt nicht! Ganz im Gegenteil – ich weiß, was ja meine Burschen drauf haben.
Das heißt – der SKN hat die Bundesliga im Visier?
Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. – da muss alles zusammenpassen. Aber ich will in den nächsten Jahr unbedingt ein kräftiges Wörtchen im Titelkampf mitreden. Und ich hoffe, dass wir uns spätestens in meinem siebenten Jahr als SKN-Trainer, das ganz sicher nicht ein verflixteswird, den ganz großen Traum erfüllen können.
Anderes Thema – 168 Spiele als SKN-Coach, welche sind ganz besonders in Erinnerung geblieben?
Sicherlich das erste. Wir haben nicht gut gespielt, aber in Schwechat 1:0 gewonnen. Auch an den 4:3-Auswärsterfolg bei der Vienna im ersten Halbjahr denke ich gerne zurück. Und an ein Spiel, das wir gar nicht gewonnen haben – gegen Wacker Innsbruck sind wir im zweiten Erstligaspiel schon 0:3 zurückgelegen und haben am Ende über ein 3:3 gejubelt. Aber letztendlich gibt's sehr, sehr viele schöne Momente, wie etwa die Siege gegen die damals aktuellen Tabellenführer wie Admira, Altach oder Innsbruck.
Gab's in den letzten fünf Jahren eigentlich schon Angebote von anderen Klubs?
Es gab einige lose Kontakte – aber letztendlich waren sie bedeutungslos, denn ich bin hier beim SKN St. Pölten noch nicht fertig. Dagibt's noch ein ganz großes Ziel, das ich mit meinem Trainer- und Betreuerteam und meiner Mannschaft schaffen möchte. Erst dann bin ich bereit für andere Aufgaben.
Quelle: Presseinof SKN St. Pölten
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