Dienstag, den 04. Oktober 2011 um 16:34 Uhr    PDF Drucken E-Mail
Marcel Ruttensteiner - der neue ÖFB-Trainer mit viel Potenzial und ein bisschen Gefahr
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Blog - Nationalteam

die_91_minutenOberwart – das Zentrum des österreichischen Sportjournalismus. Wer hätte das gedacht? Heute, Dienstag, um kurz vor 13:00 war es so weit. Marcel Koller traf flankiert von ÖFB-Präsident Windtner und Sportdirektor Willi Ruttensteiner im Oberwarter Messezentrum ein.

 

Seit heute wissen wir es: Der neue Teamchef heißt also Marcel Ruttensteiner. Die Kombination der beiden hat viel Potenzial - bringt aber auch ein bisschen Gefahr. Dennoch: der 4. Oktober 2011 ist ein guter Tag für Österreichs Fußball! Eine Analyse!

 

Gleich vorweg: Es wird von meiner Seite heute kein Urteil geben, ob Koller die richtige und schon gar nicht ob er die falsche Wahl ist. Ganz einfach aus dem Grund, weil es jetzt noch zu früh ist. By the way: Herbert Prohaska hat mich persönlich heute mit seiner Kolumne gegen Koller in der Kronenzeitung ziemlich enttäuscht.

 

Dass gestern und heute zudem jede Menge „Experten“ und solche, die es noch werden wollen, ihren Senf über Koller abgegeben haben, ohne sich jedoch mit dem Schweizer anscheinend auch nur eine Minute zu beschäftigen, spricht ebenfalls Bände. Und dass Kurt Jara der Meinung ist, dass er der bessere Trainer gewesen wäre, ist legitim aber nicht der Rede wert.

 

Mehr Wert ist da schon die Meinung von Experten, die keinen besonderen Österreich-Bezug haben und vom Verhaberungs-Verdacht freigesprochen sind.

 

marcel_koller_90minutenatSo etwa Günter Netzer, der im April 2011 über Marcel Koller bzgl. eines möglichen Engagements bei St. Pauli in der Basler Zeitung meinte: „Er hat in Bochum glänzende Arbeit geleistet, den Verein in die Bundesliga geführt und ihn mit dem vielleicht kleinsten Budget der Liga lange in der obersten Spielklasse gehalten. Marcel Koller hat eine ruhige Art zu arbeiten und zu kommunizieren, er ist topseriös und ein akribischer Arbeiter“.

 

Eigenschaften, die für die Leitung des ÖFB-Teams von Interesse sein könnten. Zwar geht es hier weniger um das Budget, aber um eine ähnliche Ausgangsposition. Das ÖFB-Team geht meistens nicht als Favorit ins Spiel, hätte aber durchaus das Potenzial um Platz zwei in einer Quali-Gruppe mitzuspielen. Eine gewisse Underdog-Rolle also – und die liegt Marcel Koller. Ob es für Koller einen Unterschied macht, das Nationalteam jedoch nur alle paar Monate für ein paar Tage bei sich zu haben, wird sich zeigen.

 

Das ÖFB-Direktorium hat somit eine nach jetziger Sicht gute Entscheidung getroffen. Die Herren Gartner und Geissler dürften wohl mit ihrer Meinung nach einem Praktiker alá Constantini auf verlorenem Posten gewesen sein. Gut so!

 

Die heutige Präsentation von Koller und die gleichzeitige Bekanntgabe einiger Strukturänderungen haben aber auch erkennen lassen, dass künftig Willi Ruttensteiner der neue starke Mann im ÖFB ist, wenn es um den sportlichen Bereich geht.

 

Marcel Koller gilt als akribischer Arbeiter, wie schon oben erwähnt. Er gilt aber auch als jemand, der sich den Strukturen anpasst. Er ist quasi kein Paul Gludovatz. Und das ist auch der Grund, warum heute Koller präsentiert wurde und nicht Gludovatz.

 

Dass die Position von Willi Ruttensteiner gestärkt wurde, ist prinzipiell positiv zu werten. Ruttensteiner hat dem ÖFB in den vergangenen Wochen eine dringend notwendige Portion „Profitum“ verpasst. Ruttensteiner hat das Know-how, den ÖFB voranzubringen, auch wenn man gleichzeitig die berechtigte Frage stellen muss, was er in den vergangenen 10 Jahren verabsäumt hat.

 

Doch heute wollen wir in die Zukunft blicken.

 

Marcel Ruttensteiner  - Potenzial und Gefahr

marcel_koller_90minutenat_2Die Kombination „Marcel (Koller & Willi) Ruttensteiner“  hat absolutes Potenzial, den ÖFB und das A-Team an der Spitze voranzubringen. Es bringt aber auch ein bisschen Gefahr mit sich.

 

Ruttensteiner sprach heute davon, künftig dafür verantwortlich zu zeichnen, dass sich die Struktur bzw. Philosophie durch alle Altersstufen zieht. Also auch bis zum A-Team. Klar, dass es hier zu Reibereien zwischen Koller und Ruttensteiner kommen kann.

 

Kurz gesagt: Ruttensteiner wird sich in die Arbeit und beispielsweise in die konkrete Kaderzusammenstellung künftig wohl ein bisschen einmischen, weil er Spieler in die U21 reklamieren wird bzw. umgekehrt Koller nahelegen wird, welche von der U21 hochzuziehen. Diese Praxis hätte es mit Gludovatz nicht gespielt. Unter Koller geht das vermutlich schon.

 

Es wird also auch ein bisschen darauf ankommen, dass sich Ruttensteiner in dem einen oder anderen Moment ein bisschen zurücknimmt und sich nicht zu sehr in die Arbeit von Koller einmischt.

 

Abschließend sie jedoch gesagt: Der 4. Oktober ist prinzipiell ein guter Tag für Österreichs Fußball. Und wie schon die Kollegen von abseits.at und derstandard.at geschrieben haben: Lassen wir Koller (und Ruttensteiner) jetzt einmal arbeiten!






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