Dienstag, den 31. Januar 2012 um 11:17 Uhr    PDF Drucken E-Mail
salzburg12.at-Betreiber Alex Januschewsky: 'Spielst du gut, kommen die Leute, wenn nicht, dann nicht'
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Blog - Ö-Bundesliga
salzburg12at_januschewskyFan-Portale, die mit mehr oder weniger kritischer Distanz über den eigenen Klub berichten, haben in den vergangenen Jahren die österreichische Internetszene belebt und sind nicht mehr wegzudenken. Eines dieser Portale ist salzburg12.at. Die Website widmet sich dem Geschehen rund um den FC Red Bull Salzburg. Betreiber und Chefredakteur ist Alexander Januschewsky. Er, seit 1975 Fan, hat also auch die Zeit vor 1978 erlebt, als die Salzburger tatsächlich die „Austria" war (und nicht, wie später, „Casino" oder „Wüstenrot"). Im Interview stellt er seine Website vor, analysiert die Fanszene und nimmt zu den sportlichen Veränderungen des Winters Stellung.

Von Georg Sander

 

Alex, du bist Chefredakteur von salzburg12.at und schon seit Ewigkeiten Salzburg-Fan. Erzähl doch kurz, wie aus dem Fan das Sprachrohr der Fans im Web wurde!

Also Ich persönlich würde weder mir noch salzburg12.at "anmaßen", das Sprachrohr aller Fans zu sein, auch wenn salzburg12.at wohl das einzige FC Salzburg -Fanmagazin im Web ist. Wir machen unser "Ding" und die vielen Leser beweisen uns, dass wir es scheinbar nicht so schlecht machen. Wie bereits richtig gesagt, bin ich seit "Ewigkeiten" - genauer gesagt 1975 - Fan der Salzburger. Generell gibt es in Österreich bei allen Vereinen viel zu wenig Blogs oder Websites, die von Fans für ihren Verein erstellt werden und auch unabhängig sind. Da ich nicht nur begeisterter Fan bin, sondern auch die technischen Möglichkeiten und die notwendige Begeisterung habe, war salzburg12.at die logische Konsequenz. Das Team und ich betreiben die Seite mit Freude und Leidenschaft, investieren enorm viel Zeit und Herzblut und bekommen von niemandem eine finanzielle Unterstützung. Und das passt so, wie es ist!

 

Stell doch bei der Gelegenheit euer Team vor. Wie viele Leute arbeiten an salzburg12.at?

Auch wenn wir eigentlich "nur" Fans sind, gibt es bei salzburg12.at eine relativ klare Aufgabenteilung, wer was bei uns macht. Marijan Kelava kümmert sich um sogenannte "Breaking News", betreibt eine eigene Kolumne "Was wurde aus..." und hält auch technisch die Seite immer "up to date". Und er springt immer ein, wenn jemand verhindert ist. Bernhard Schmidhuber ist gemeinsam mit Christoph Lumetzberger für Spielberichte, aber auch Vorstellungen neuer Spieler zuständig. Da steckt zum Teil enorm viel Recherche dahinter. Dominik Seitlhuber analysiert für sein Leben gerne Spiele. Das hat er auch bei salzburg12.at übernommen. Immer ungeschminkt und wenn es sein muss, auch kritisch.

Maxi Paluch ist unser Mann für die Red Bull Juniors und berichtet über alle Belange aus dem Nachwuchs. Das ist einfach sein "Ding" und auch enorm wichtig für uns, da es über die Juniors relativ wenig zu lesen gibt. Ich selber kümmere mich um die Vorberichte zu den jeweiligen Spielen und um die Live-Berichterstattung aus der Red Bull Arena. In meiner Kolumne "Die 3. Halbzeit" schreib ich dann auch noch über alles, was mir unter den Nägeln brennt, aber in keine der anderen Kategorien passt. Bei der Liveberichterstattung von Auswärtsspielen wechseln wir uns alle ab.

Wir sind wie gesagt, alle "nur" Privatpersonen, die allerdings in Sachen "FC Red Bull Salzburg" ziemlich fanatisch sind. Deswegen wird's salzburg12.at von allen im Team mit sehr viel Liebe und Aufopferung gemacht - darauf können wir sehr stolz sein.

 

Ihr seid das Sprachrohr der Fans, die in den letzten Monaten etwas abhanden gekommen sind. Lag das deiner Ansicht nach nur an den mauen Ergebnissen in der Meisterschaft?

Dieses Phänomen hat leider in Salzburg schon immer traurige Tradition. Spielst du gut, kommen die Leute, wenn nicht, dann nicht. Ich kann mich noch gut erinnern, wie leer das Lehener Stadion war, als die Austria Salzburg seinerzeit in die 2. Division abstieg. Wenige Jahre später, beispielsweise als die Meisterschaft gewonnen wurde, war das Stadion wieder zum Bersten voll. Das hat sich bis heute nicht geändert. Erschwerend dazu kommt, dass Salzburg im Vergleich zu Wien eine viel kleinere Einwohnerzahl hat und die Fans quer in Österreich verstreut sind. Die Salzburger haben beispielsweise eine stattliche Anzahl an Fans im Osten Österreichs, die aber auf Grund der Entfernung nicht bei jedem Spiel dabei sind. Und dann noch der Faktor, wie attraktiv der Gegner ist. Auch ein Hanappi-Stadion ist nicht immer ausverkauft.

 

salzburg12at_facebook_bannerVielerorts werden die "Bullenfans" verachtet, doch nur Kunden und Nebendarsteller in Mateschitz' Hobby zu sein. Was entgegnest du?

Mein Lieblingsthema. Ich persönlich bin Herrn Mateschitz sehr dankbar, denn ohne ihn gäbe es in Salzburg keinen Spitzenfußball mehr. Ich selber (und auch viele andere) bezeichne mich nicht alles "Bullenfan" in der für viele Anhänger anderer Mannschaften negativen Bedeutung. Red Bull hat uns Salzburgern die Möglichkeit gegeben, wieder national und international "mitzumischen". Das ging halt auf Kosten der Traditionsfarbe "Violett", die ich persönlich als Symbol der Vergangenheit, wie viele andere auch, sicherlich noch im Herzen trage. Wir spielen aber in der Gegenwart. In Wahrheit geht es ohne Geld von Investoren und Sponsoren im Spitzenfußball nicht mehr. Wer das anzweifelt, der soll einfach mal die Augen öffnen. Viele schwingen gerade bei Salzburg mit der viel zitierten "Traditionskeule" und bezeichnen die Anhänger als "Kunden". Bei realistischer Betrachtung ist das aber bei keinem der Topklubs anders. Nehmen wir Rapid, wo auch offen ausgesprochen wurde, dass man die Fans zu Kunden seiner Sponsoren machen möchte. In Wahrheit steckt hinter diesem "Bashing" nur der Neid. Wäre Red Bull bei Rapid eingestiegen, wäre sicher alles medial ganz anders verlaufen. Aber die Salzburg-Fans waren österreichweit auch noch zu Lehener Zeiten, nicht sonderlich beliebt. Das hat sich nicht geändert und ich denke, jeder Salzburg Fan kann damit gut umgehen und leben - ich zumindest hab damit keine Probleme. "Gegen den modernen Fußball" wird halt gerne einmal plakativ als Statement benutzt, doch sind es gerade oft dann genau diese Leute, die sich mit Begeisterung Spiele von Barcelona, Manchester und Co. ansehen.

 

Zum Sportlichen: Gegen Ende der Hinrunde klappte es wieder ganz gut. Wie wichtig war dabei wohl das 2:0 von Dusan Svento?

Mensch was haben wir bei Svento's Tor gegen PSG gefeiert! Ich selber habe live aus der Arena berichtet und eigentlich meinen "Abschlusssatz" schon vorbereitet. Nach dem Motto: "1:0 - schön und gut gespielt, aber eben zu wenig" - und da knallt Dusan den Ball in der Nachspielzeit ins Netz. Da ist nicht nur mir, allen Zusehern, sondern wohl auch der gesamten Mannschaft nicht nur ein Stein, sondern der gesamte Untersberg (Anm. der Salzburger Hausberg) vom Herzen gefallen. Klar hat das die Mannschaft auch beflügelt, wie das ein Erfolgserlebnis bei jedem tut. Erfolgserlebnisse sind halt nicht nur im Fußball das A und O. Aber primär hat man gemerkt, dass die Taktik und das Training von Moniz und Kovac zu "greifen" beginnen. Das hat man auch schön und eindrucksvoll beim letzten Heimspiel 2011 gegen die Wiener Austria gesehen.

 

Neuzugänge: Jonathan Soriano und Christiano sind neu gekommen. Wie schätzt du diese ein?

Über Cristiano kann ich nur relativ wenig sagen, da man über ihn auch noch nicht viel im Internet findet. Und "live" konnte ich ihn auch noch nicht beobachten. Generell ist Moniz von seinen Qualitäten aber durchaus angetan, wie er mir persönlich erzählt hat. Cristiano scheint der Spielmacher zu sein, der uns lange gefehlt hat. Hoffentlich kann er die Erwartungen auch erfüllen. Mit Soriano hingegen beschäftige ich mich schon seit Sommer 2011, als das erste Gerücht über die Verpflichtung aufkam. Ich glaube, dass ich jedes Tor von ihm, dass er für Barcelona B geschossen hat, zehnmal ganz genau analysiert habe. Ein Stürmer, der es noch ganz weit bringen wird. Ich persönlich schätze die zweite spanische Liga stärker als unsere Bundesliga ein. Dort hat er sich als Torschützenkönig mehr als bewiesen und wenn er mit unserer Art Fußball zu spielen klar kommt und sich eingewöhnt hat, dann wird er den Salzburg Fans noch viel Freude bereiten. Der Hype um seine Person ist auf jeden Fall schon heute enorm.

 

>>> Seite 2: Januschewsky über die geringe Anzahl an Akademiespieler in der Kampfmannschaft und die Erwartungen in der Rückrunde



 

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