Mittwoch, den 25. Januar 2012 um 08:57 Uhr    PDF Drucken E-Mail
Barazite – rechtzeitiger 'Absprung' oder ein Schuss ins Knie?
(4 Bewertungen, Durchschnitt 3.50 von 5)
Blog - Ö-Bundesliga

die_91_minuten

Wenn die medizinischen Tests positiv verlaufen, wird der Transfer von Nacer Barazite zum AS Monaco heute, Mittwoch, über die Bühne gehen. Finanziell gesehen gibt es durchwegs Gewinner. Doch wie sieht die sportliche Perspektive von Barazite beim AS Monaco aus? Ein Schuss ins eigene Knie oder der rechtzeitige Absprung? Eine endgültige Antwort wird es wohl erst in ein paar Jahren geben. Das Gefühl sagt jedoch: Barazite geht ein sehr hohes Risiko ein.

 

Einige Gewinner des Transfers stehen jetzt schon fest: Da gibt es auf jeden Fall den FC Arsenal, der sich über einen netten Beitrag für die Portokassa freuen kann. Bei der Wiener Austria hat der Millionenregen – der Kurier schreibt von 3 Mio. Euro – dagegen schon einen wesentlichen Impact. Die Veilchen meldeten vergangene Saison ein Budget von 23 Mio. Euro. Der Barazite-Transfer ist somit rund ein Achtel des Jahresbudgets. Zufrieden sein kann auch Manager Jürgen Werner, der den Transfer vermittelt hat. Auch er wird sich über ein fette Provision freuen.

 

Doch wie sieht es eigentlich mit dem Hauptdarsteller in dieser Geschichte aus? Wie ist dieser Transfer von Barazite zu beurteilen?

 

AS Monaco – abstiegsgefährdet, verkauft, Mäzenatentum

Ein Blick auf die Tabelle der 2. französischen Liga zeigt uns, dass der AS Monaco derzeit auf Platz 18 von 20 Vereinen liegt – und somit stark abstiegsgefährdet ist. Nach dem Abstieg im Sommer aus der Ligue 1, dem ersten nach 35 Jahren, könnte der Klub in die dritte Liga durchgereicht werden. Aus Sicht von Barazite wäre dies natürlich eine Katastrophe. Damit das nicht passiert, wurde der Club Ende Dezember an den Milliardär Dimitri Rybolowlew verkauft.

 

barazite_nike_Superfly_III_Barazite_2Rybolowlews Vermögen wird auf „dezente" 9,5 Mrd. Dollar bzw. 7,3 Mrd. Euro geschätzt. Er ist damit in der Liste der reichsten Menschen der Welt „lediglich" auf Rang 93. Rybolowlew verdient sein Geld mit Mineraldünger. Jetzt will er auch den AS Monaco düngen und hat mit seiner Firma Monaco Sport Invest (MSI) etwa 67 Prozent an den Clubanteilen übernommen – als Draufgabe wurde er zum Vereinspräsident gewählt.

 

Der Mäzen will in den kommenden Jahren rund 100 Mio. Euro in den Klub investieren und „das große Potenzial des Clubs wecken", sagt der Milliarden-Jongleur.

 

Hohes Risiko

Es wird sich also viel tun in Monaco in den kommenden Jahren. Gut möglich, dass der Klassenerhalt in diesem Jahr also geschafft wird – mit der Hilfe von Barazite und dem einen oder anderen guten Kicker, der noch geholt wird.

 

So wirklich in der europäischen Auslage wird Barazite aber frühestens in der Saison 2013/14 stehen, sofern der Wiederaufstieg in die Ligue 1 gelingen sollte. Noch ist es aber zu früh, um ein seriöses Urteil über die Verlässlichkeit von Rybolowlew zu urteilen. Die Geschichte hat gezeigt, dass das „Reinbuttern" von Millionen und Abermillionen nicht automatisch auch eine Erfolgsgarantie bedeutet. Es ist also auch gar nicht so unrealistisch, dass der Aufstieg in die höchste französische Liga auch noch das eine oder andere Jahr länger dauert.

 

Barazite hat also mit diesem Transfer ein hohes Risiko genommen, denn ein Verbleib bei der Austria hätte ihm wohl im kommenden Herbst abermals die Europa League beschert, ja vielleicht sogar die Qualifikationsphase zur Champions League oder mehr. Dort hätte sich Barazite abermals für hunderte Scouts in die Auslage stellen können.

 

Eine Auslage, die es in der zweiten französischen Liga sicher auch gibt. Gerade der AS Monaco wird immer im Fokus der Öffentlichkeit bleiben.

 

barazite_1_gepaUnd möglicherweise hat die Wiener Austria dadurch auch eine höhere Transfersumme vergeben. Doch zu oft ist der Austria in den vergangenen Jahren Transfergeld durch die Lappen gerutscht. Vielleicht hat man sich dieses Mal gedacht, zumindest diese 3 Mio. Euro in trockene Tücher zu bekommen.

 

Aber wäre die Gesamtperspektive – ziemlich sichere Qualifikation für einen Europa-League-Quali-Platz, möglicher Meisterkandidat in Österreich und somit auch die zarte Möglichkeit Champions-League-(Qualifikations-)Luft zu schnuppern - bei der Wiener Austria in den kommenden 1,5 Jahren nicht besser gewesen? Mein Gefühl sagt mir, dass ein Transfer in die 2. französische Liga mit einer gewissen Unsicherheit bzgl. Mäzenatentum auf jeden Fall ein sehr hohes Risiko darstellt.

 

Eine Frage, die wir im Hier und Jetzt nicht beantworten können. Fakt ist: die österreichische Liga verliert einen sehr guten Kicker. Alles andere wird sich zeigen, ob es für Barazite der rechtzeitige „Absprung" aus der Alpenliga war oder schlussendlich doch ein „Schuss ins Knie".






Like it? Share it!
 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

>