Donnerstag, den 14. April 2011 um 09:58 Uhr    PDF Drucken E-Mail
Die Bundesliga will strategisch und langfristig denken - und macht genau das Gegenteil
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Blog - Ö-Bundesliga

die_91_minuten

Ein weiteres Kapitel aus der Bundesliga-Abteilung "Wein predigen und Wasser trinken" zeichnet sich derzeit ab.

 

Am Montag stimmen die Bundesliga-Klubs - also die Klubs der tipp3- und Heute-für-Morgen-Erste-Liga – über das vom ORF angebotene Paket für die Samstag-Abend-Fuballshow, die ganze 30 Minuten dauern soll, ab. So weit, so gut.

 

Laut Kurier bietet der ORF rund eine Mio. Euro. Ebenfalls so weit, so gut. Wir blicken kurz zurück: Kurz nach der Einigung zum neuen TV-Vertrag vor ziemlich genau einem Jahr waren die Bundesliga-Vertreter, unter ihnen Bundesliga-Präsident Hans Rinner und Rapid-Manager Werner Kuhn Feuer und Flamme. Vor allem die Option auf die Samstag-Abend-Fußball-Show hatte es ihnen angetan. Kuhn damals: „Wir hoffen durch die TV-Show weitere zwei bis drei Mio. Euro zu lukrieren."


Vor einigen Monaten hatte sich der Privat-Sender PULS 4 bereits in Rennen um die TV-Samstags-Abend-Show gewagt – und ist mit einem Angebot von 400.000 Euro gescheitert.

 

Der Mathematik-Fachmann wird es schnell erkannt haben: Zu Recht, denn zwischen 400.000 und einer Million Euro gibt es einen Unterschied von 600.000 Euro. Viel Geld.

 

Auf den zweiten Blick ist der Unterschied doch nicht so groß. Laut KURIER-Informationen fließt etwa die Hälfte der Lizenzgebühr aufgrund einer Geheimklausel im TV-Vertrag an den Pay-TV-Sender Sky . Weitere 22 Prozent der verbleibenden Summe gehen an die Zweite Profiliga. Bleiben also jedem Verein der höchsten Spielklasse pro Jahr rund 35.000 Euro, berichtet der Kurier.

 

Nach einer 90minuten-Milchmädchenrechnung wären bei einem Zuschlag zum PULS 4-Deal für jeden Erstligaklub „nur“ 14.000 Euro übergeblieben. Wenn man jetzt die Budgets der Klubs als Grundlage nimmt, sind die Einnahmen vernachlässigbar – egal ob ORF oder PULS 4.

 

Die zwei Pointen  folgen aber erst jetzt:

1.) Da der Bundesliga-Vermittlungsagentur "Profile Media" ein erklecklicher Teil an diesen Mehreinnahmen zugestanden wäre, wurde sie zum Provisionsverzicht gedrängt. Dafür darf sie bei der nächsten Rechtevergabe (2013) wieder beratend an Bord sein, berichtet der Kurier. Eine typisch österreichische Lösung: Das „Problem“ der hohen Provision wurde nicht aus der Welt geschafft, sondern einfach auf die kommende Rechtevergabe verschoben.

2.) Die Bundesliga verteidigt den Deal mit dem ORF : Man müsse strategisch und langfristig denken, heißt es in dem Kurier-Artikel. Das ist irgendwie lieb, denn anscheinend will es die Bundesliga unter der Führung von Georg Pangl nicht kapieren: Eine langfristige und strategische Sichtweise würde zur Folge haben, dass man versucht, einen TV-Markt zu entwickeln. Entwickeln heißt, dass man auch Privatsendern die Chance gibt. Was macht jedoch die Bundesliga? Sie begibt sich wieder in die Arme des ORF. 

 

P.S.: Wie ernst der ORF derzeit die Fußballberichterstattung nimmt, kann man an folgendem Beispiel gut erkennen:

Reinhard Kienast (0:40) oder doch Roman Kienast - und wo spielt der der Kienast überhaupt? Bei Rapid (4:44)? Hatte Manuel Weber die Chance auf das 3:0, oder war der Kopfball nicht doch von Hölzl (4:50)? Das Thema Qualitätssicherung ist wohl nicht so wichtig. Wir sind schon gespannt, welche Schmankerln wir bei der ORF-Fußball-Show sehen werden.

 


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